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Thema: Klage an PornHub: Es fehlen die Untertitel

  1. #26

    Re: Klage an PornHub: Es fehlen die Untertitel

    Ich halte ein System, bei dem Konzerne für Verbrechen/Straftaten/Fehlverhalten entsprechend bestraft - und die Opfer angemessen entschädigt werden, alles andere als dumm. Auch dieses System hat (große) Schwächen, nur muss man nicht so tun, als wäre unser Lappen-System in irgendeiner Form besser. Hier wird nur herumgeeiert, es gibt - selbst für schwere Straftaten - kaum Strafen und noch weniger Entschädigungen. Wenn denn überhaupt was passiert.


    Im übrigen noch ein paar Infos zu dem bekannten Fall "Stella Liebeck vs. McDonalds" - falls die Hintergründe denn überhaupt wirklich interessieren und es nicht nur darum geht, direkt auf die dämlichen Amis einzuschlagen..

    Stella Liebeck war eine US-amerikanische Frau aus New Mexico, die durch einen Gerichtsprozess gegen die Fastfoodkette McDonald’s berühmt wurde, bei dem ihr 160.000 US-Dollar Schmerzensgeld und 480.000 US-Dollar Strafschadensersatz zugesprochen wurden, nachdem sie am 27. Februar 1992 durch verschütteten Kaffee Verbrühungen dritten Grades erlitten hatte. Ihre Anwälte konnten in dem Prozess beweisen, dass McDonald’s den Kaffee wissentlich bei so hohen Temperaturen brühte, obwohl es bereits vorher bei anderen Gästen zu Verbrennungen durch heißen Kaffee gekommen war.
    Liebeck erlitt dadurch Verbrühungen dritten Grades auf zwischen 6 % und 16 %[1] ihrer Körperoberfläche und verbrachte acht Tage im Krankenhaus, wo auch eine Hauttransplantation durchgeführt wurde. Die geforderten 20.000 US-Dollar als Ersatz der Behandlungskosten und sonstiger Schäden wurden von McDonald’s jedoch verweigert, angeboten wurden 800 Dollar. Liebeck versuchte zweimal eine außergerichtliche Einigung mit dem Konzern, bevor es zur Klage kam.
    McDonald’s verkaufte den Kaffee mit einer Temperatur von 85 °C, damit offenbar erheblich heißer als andere Fast-Food-Ketten. Es stellte sich heraus, dass zwischen 1982 und 1992 über 700 Ansprüche im Zusammenhang mit Verbrennungen wegen zu heißen Kaffees erhoben worden waren; auch war McDonald’s von einer Spezialklinik für Verbrennungen aufgefordert worden, die Temperatur seines Kaffees zu senken.

    Der Prozess wurde in der Öffentlichkeit oft so stark verkürzt dargestellt, dass durch die Kombination von „verschüttetem Kaffee“ und der erstinstanzlichen Schadensersatzsumme von zusammengerechnet fast drei Millionen US-Dollar (die durch die Folgeinstanz jedoch drastisch reduziert worden war) der falsche Eindruck von gieriger Geldschneiderei sowie lächerlicher Unverhältnismäßigkeit der US-amerikanischen Rechtsprechung entstand. In Deutschland sind fehlerhafte Darstellungen durch mehrere überregionale Zeitungen verbreitet worden[3] und haben so ein Zerrbild des Falles gezeichnet, das hiesige Vorstellungen von der amerikanischen Justiz nachhaltig geprägt hat.
    Hinzu kommt, dass bei Zivilprozessen in den USA grundsätzlich keine Kostenerstattung vom Verlierer an den Gewinner des Prozesses stattfindet, so dass insbesondere bei Prozessen durch mehrere Instanzen der Sieger oft astronomische Verfahrenskosten selbst tragen muss. Da Anwaltshonorare in den USA zudem nicht nach Streitwert, sondern nach Zeitaufwand abgerechnet werden, reduziert sich der tatsächlich erzielte Schadensersatz dadurch oft dramatisch.
    Für diesen Beitrag bedanken sich Kenobi van Gin, BurnerR

  2. #27
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    Avatar von Seedy
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    Re: Klage an PornHub: Es fehlen die Untertitel

    @Carsten:
    Die Hintergründe des McDonalds falls sind zumindest mir bekannt.
    Ich halte ein System, bei dem Konzerne für Verbrechen/Straftaten/Fehlverhalten entsprechend bestraft - und die Opfer angemessen entschädigt werden, alles andere als dumm.
    Wenn es das wäre, würde ich dir 100% zustimmen,
    leider funktioniert das in der Realität nicht so, wie du es klingen lässt.

    Hinzu kommt, dass bei Zivilprozessen in den USA grundsätzlich keine Kostenerstattung vom Verlierer an den Gewinner des Prozesses stattfindet, so dass insbesondere bei Prozessen durch mehrere Instanzen der Sieger oft astronomische Verfahrenskosten selbst tragen muss. Da Anwaltshonorare in den USA zudem nicht nach Streitwert, sondern nach Zeitaufwand abgerechnet werden, reduziert sich der tatsächlich erzielte Schadensersatz dadurch oft dramatisch.
    Das ist eine reine Fehlinformatio, oder Feek-News, wie man in den USA dazu sagt.
    Es gibt "award of reasonable Attorney's Fees and Sanctions" in fast jedem Zivilprozess.
    Was aber stimmt, ist das die Medien diese beiden (sanctions + fees) gerne zusammen rechnen und die tatsächliche Summe die der Klient erhällt wesentlich kleiner ist.

    Ich verfolge momentan zum Beispiel ein kleinen Fall in Texas, bei dem das Wort "reasonable" dem eigentlichen Gewinner das Genick gebrochen hat.
    Geändert von Seedy (27.01.20 um 18:11 Uhr)
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  3. #28

    Re: Klage an PornHub: Es fehlen die Untertitel

    Wie ich sagte:
    Auch dieses System hat (große) Schwächen
    Aus Interesse: Welcher Fall @ TX?

  4. #29
    A.C.I.D

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    Avatar von Seedy
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    Re: Klage an PornHub: Es fehlen die Untertitel

    @Carsten:
    Der Fall:

    Spoiler: 


    Victor Mignogna v.S. Funimation, Monica Rial, Ron Toye und Jami Marci

    Kurzerklärung:
    Mignogna, Rial und Marci sind Synchronsprecher die für Funimation gearbeitet haben,
    Es wurden Anschuldigungen gegen Mignogna im Bezug auf Sexuelle belästigung gemacht.
    Mignongna hat darauf hin seine alte Firma, Rial und Toye (ihren Verlobten) und Marci wegen unter anderem "defamation" verklagt.

    Er hat in erster Instanz verloren, das ganze geht grade in den Appeal,
    weil während des Prozesses einige Verfahrenstechnische Dinge massiv schief liefen.

    Funimation und Marci haben ihre Anwaltskosten und ein paar Sanctions awarded bekommen,
    Der Anwalt von Rial und Soye hingegen hat seine Rechnung so aufgeblasen,
    dass der Richter die Rechnung "unreasonable" erklärt hat.
    (Er hat ~4-5mal So viel gefordert wie die anderen beiden Anwälte der Verteidigung).


    Da die Rechnung offiziell eingereicht ist, heißt das sie muss bezahlt werden,
    daher sitzen Rial und Soye jetzt trotz Gewinn und "award of resaonable fees" und "award of sanctions",
    auf ca. $100k die sie ihrem eigenen Anwalt schulden.
    (also award of fees + award of sanctions waren zusammen kleiner als die Rechnung des Anwalts, daher bleiben die $100k aus eigener Tasche zu bezahlen)

    Geändert von Seedy (27.01.20 um 19:55 Uhr)
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