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Thema: Human Rights Watch: NSA-Überwachung sendet gefährliches Signal

  1. #1
    Dangerous Utopian

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    Avatar von Annika
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    Human Rights Watch: NSA-Überwachung sendet gefährliches Signal

    Human Rights Watch (Logo)Die Menschenrechts-Organisation Human Rights Watch (HRW) ist der Ansicht, dass die umfassenden Überwachungsprogramme der USA - insbesondere des Geheimdienstes NSA - ein gefährliches Signal senden. Die Missachtung des Rechts auf Privatsphäre durch die NSA könne autoritären Staaten als Vorwand für Zensur im Internet dienen, heißt es in dem Jahresbericht von HRW, der am heutigen Dienstag in Berlin veröffentlicht wurde.

    HRW-Chef Kenneth Roth sagte der Nachrichtenagentur AFP, besonders Länder wie China, Russland und Indien nähmen sich ein Beispiel am "Trendsetter" USA. Er befürchtet, dass viele Länder als Reaktion auf die NSA-Überwachung ihre Netzwerk-Infrastruktur stärker abschotten könnten, was wiederum eine Kontrolle durch die jeweilige Regierung - auch in Form von Überwachung und Zensur - erleichtern würde.

  2. #2
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    Re: Human Rights Watch: NSA-Überwachung sendet gefährliches Signal

    Naja, eigentlich sollte das Umgekehrte der Fall sein. "Sendet so viele Daten, wie nur irgendwie möglich über unsere Netze [und wir hören dann absolut alles mit]." Zumindest das ist ja die Praxis der NSA.

    Was andere Staaten aus der NSA-Überwachung lernen können, wird noch am ehesten sein, wie man wirklich professionell überwachen kann.

  3. #3
    Brillenschlange Avatar von Kenobi van Gin
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    Re: Human Rights Watch: NSA-Überwachung sendet gefährliches Signal

    Tatsächlich ist wahrscheinlich eine Überwachung nur dann wirklich "sinnvoll", wenn der Überwachte davon nichts weiß. Insofern muss ich accC Recht geben.
    Trotzdem könnte ich mir denken, dass diese Praktiken anderen Staaten als "Ausrede" dienen könnten. Schließlich kann zum Einen nicht vorausgesetzt werden, dass Regierungen wirklich intelligent agieren - heißt in dem Wissen, welche Praxis den stärksten positiven Effekt hat. Auf der anderen Seite sieht man doch perfekt an unserem Beispiel jetzt, dass auch ein "ja, du wirst überwacht" lange nicht zwangsläufig dazu führt, dass die Bevölkerung das glaubt und sich dementsprechend verhält.

    Natürlich gilt das in den seltensten Fällen für Leute, die tatsächlich überwachenswerte Inhalte kommunizieren. Aber die wissen ja normalerweise auch sowieso ganz gut, wie sie ihre Gespräche und/oder deren Inhalt geheim halten.
    Und da werden natürlich autoritären Staaten (mit Ausnahme von China vielleicht) wahrscheinlich die Mittel fehlen, Daten so lang aufzubewahren, bis die Verschlüsselung geknackt werden kann.
    - Zumal das ja auch voraussetzen würde, dass die Daten dann noch von Relevanz sind.

  4. #4
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    Re: Human Rights Watch: NSA-Überwachung sendet gefährliches Signal

    Zitat Zitat von Kenobi van Gin Beitrag anzeigen
    Tatsächlich ist wahrscheinlich eine Überwachung nur dann wirklich "sinnvoll", wenn der Überwachte davon nichts weiß. Insofern muss ich accC Recht geben.
    Das habe ich aber nicht gesagt und ich kann dem auch nur bedingt zustimmen. Wenn ich einfach nur gewisse Äußerungen unterdrücken will, dann ist es durchaus sogar besser, wenn der Überwachte explizit weiß, dass er überwacht wird. Du sagst ja auch nicht, dass dein Chef scheiße ist, wenn du direkt neben ihm stehst und weißt, dass er es mitbekommt. In so fern, öffentliche Überwachung kann (sonst) öffentlich (geäußerte) Meinung unterdrücken.
    Geheime Überwachung kann eben nicht-öffentliche (genauer: nicht bewusst öffentliche, weil gegenüber dem Überwacher durchaus öffentliche) Meinung zu Tage fördern und dementsprechend ein Vorgehen gegen den Überwachten ermöglichen.

    Trotzdem könnte ich mir denken, dass diese Praktiken anderen Staaten als "Ausrede" dienen könnten. Schließlich kann zum Einen nicht vorausgesetzt werden, dass Regierungen wirklich intelligent agieren - heißt in dem Wissen, welche Praxis den stärksten positiven Effekt hat. Auf der anderen Seite sieht man doch perfekt an unserem Beispiel jetzt, dass auch ein "ja, du wirst überwacht" lange nicht zwangsläufig dazu führt, dass die Bevölkerung das glaubt und sich dementsprechend verhält.
    Das sollte man differenzierter betrachten. In gewissen totalitäten Staaten wird eben mehr oder weniger direkt und öffentlich gesagt, was erlaubt ist und was nicht, welche Meinung du haben darfst und ob du sie äußern darfst oder nicht. Das mag vielleicht Zensur und Diktatur (gegenüber der Bevölkerung) sein, ist aber immerhin ist es ehrlich und jeder weiß, was er darf und was nicht. In gewissen anderen Ländern bekommst du eine scheinheilige Demokratie mit Menschenrechten und freier Meinungsäußerung und was auch immer präsentiert, sobald du aber das Falsche sagst (und du musst vorher nicht unbedingt wissen, dass es das Falsche ist!), bekommst du dennoch Probleme. Vielleicht wirst du nicht öffentlich wegen deiner Meinungsäußerung eingeknastet, aber du wirst gefickt. Ob das nun etwa durch regelmäßige "Zufallskontrollen" und Leibesvisitation passiert oder dass du still und heimlich aus dem Verkehr gezogen wirst, spielt dabei erst mal keine Rolle.

    Und da werden natürlich autoritären Staaten (mit Ausnahme von China vielleicht) wahrscheinlich die Mittel fehlen, Daten so lang aufzubewahren, bis die Verschlüsselung geknackt werden kann.
    Gute Crypto knackt man nicht. Daran werden keine Ressourcen der Welt etwas ändern. Das macht auch das NSA nicht, selbst wenn sie das planen.
    Was das NSA kann ist Kommunikation verfolgen, etwa dass eine Person x zum Zeitpunkt t mit einer Person y kommuniziert hat. Das reicht auch im Zweifelsfall, wenn man weitere Variablen mitbetrachtet (etwa Standpunkte von x und y, sowie Ereignisse e die in einem gewissen Intervall um t liegen).
    Andererseits kann man davon ausgehen, dass etwa das NSA sehr wohl kaputte Crypto 'brechen' kann. Allerdings würde ich das nicht als brechen bezeichnen, denn wenn ich einen Zweitschlüssel für eine Tür besitze, dann breche ich ja nicht das Schloss auf, sondern ich benutze stupide meinen Zweitschlüssel. Da steckt nicht etwa Rechenpower und Gehirnschmalz dahinter, sondern schlicht eine kaputte Crypto.


    [Nicht ganz zum Thema, aber man sollte es trotzdem mal erwähnen:]

    Andererseits muss man sich auch überlegen, dass die ganze Überwachung erst mal gar nicht so schlimm ist, wie es immer verkauft wird. Klar tut es weh zu erfahren, dass man abgehört wird, wenn man gerade dirty talk mit seiner Geliebten führt, dass man abends nicht alleine ist, wenn man sich zum neusten Porn einen von der Palme wedelt etc. Die Gefahr(en), die ich da für Privatpersonen sehe, sind allerdings nur Nebenprodukte. Etwa, dass durch fehlerhafte Algorithmik zur Gefahrenerkennung auch Unschuldige in Mitleidenschaft gezogen werden1 und/oder, dass die Daten, die das NSA erhebt eventuell Dritten in die Hände fallen2. Denn, sind wir mal ehrlich, da sitzt keiner bei dem NSA, der sich den ganzen Tag und die ganze Nacht anschaut, was du gerade vorm PC treibst [im wörtlichen und übertragenen Sinn!]. Bei den Datenmengen stehen dahinter erst mal leistungsfähige Systeme mit Sprach-, Text- und Bilderkennung, die erst mal einen riesigen Anteil irrelevanter Informationen (beispielsweise deine Kackgeräusche) nach /dev/null leiten. Nur für relevante Informationen wird dann tatsächlich gespeichert und erst wenn ein Algorithmus sagt "das könnte interessant sein", wird sich ein Mensch daran machen die Informationen zu betrachten.

    1Wie häufig das passiert, weiß ich nicht, allerdings gibt es ja diesen recht populär gewordenen Fall des kanadischen Geschäftsmanns, der von seinen Kollegen eine SMS erhalten hatte, er solle die Konkurrenz wegsprengen, was von Behörden wohl fälschlicher Weise als Anschlagsoffenbarung interpretiert wurde. [Quelle: Selbst suchen!]
    2Auch hier habe ich keine Zahlen, kann mir aber durchaus vorstellen, dass sowohl bewusst Daten an die Wirtschaft weitergereicht (verkauft?) werden, genauso wie natürlich auch immer das Risiko besteht, dass sich Unberechtigte Zugang zu den Daten verschaffen. Kein System hat sich bisher als 100% sicher erwiesen, ein so komplexes, wie es die NSA aufgebaut hat und noch aufbaut, ist da sicherlich keine Ausnahme.

  5. #5
    Brillenschlange Avatar von Kenobi van Gin
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    Re: Human Rights Watch: NSA-Überwachung sendet gefährliches Signal

    Zitat Zitat von accC Beitrag anzeigen
    Das habe ich aber nicht gesagt und ich kann dem auch nur bedingt zustimmen.[...]
    Naja gut. Ich war jetzt von der Überwachung z.B. zur Abwehr von terroristischen Angriffen bzw. zum Schutz der Regierung ausgegangen. Kennst das doch, Hunde, die bellen, beißen nicht.
    Wenn jemand am Stammtisch ständig über die Regierung herzieht, heißt das noch lange nicht, dass er sie auch tätlich angreifen würde. Andersrum bringt aber ein Unterdrücken der puren Unmutsäußerung nicht unbedingt was bzw. vllt. sogar gerade nichts, um denjenigen von Umsturzversuchen abzuhalten.

    Zitat Zitat von accC Beitrag anzeigen
    Gute Crypto knackt man nicht. Daran werden keine Ressourcen der Welt etwas ändern.
    Wenn man genug Zeit / Ressourcen zur Verfügung hat, kann man es aber durchaus durch Bruteforce versuchen oder eben abwarten, bis einem die fehlenden Zugangsdaten über andere Wege in die Hände fallen.
    Darum geht es doch eher. Wie gesagt, die Frage, ob die Daten dann noch von Nutzen sind, bleibt natürlich bestehen.

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