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Thema: Depressionen von engem Freund

  1. #1

    Unhappy Depressionen von engem Freund

    Hallo zusammen!

    Heute melde ich mich mal mit einem etwas ernsterem Thema zu Wort. Ich muss einfach mal ein paar Sachen dazu los werden und hoffe natürlich gleichzeitig auf etwas Hilfe von euch.
    Einer meiner engeren Freunde (26 Jahre alt) hat Depressionen. Sie sind wohl hauptsächlich auf den Tod eines Elternteils in seiner frühen Jugend zurückzuführen. Er ist diesbezüglich bereits in Behandlung und hatte auch schon einen stationären Aufenthalt. In Behandlung ist er schon seit ca. 2 Jahren und den stationären Aufenthalt hatte er vor Kurzem für ca. 12 Wochen.

    Er ist nun ca. seit einem Monat wieder von seinem Aufenthalt zurückgekehrt, aber wir (also seine Freunde) konnten keine wirkliche Besserung feststellen. Eher im Gegenteil. Er grenzt sich unserer Meinung nach immer mehr von der Außenwelt ab. Das ganze merkt man z.B. daran, dass er Einladungen zu Geburtstagen oder anderen Partys sehr schnell ohne richtige Begründung ablehnt oder z.B. gerade heute WhatsApp gelöscht hat. So richtig begründet er seine ganzen Entscheidungen dann auch gar nicht. Er zieht das so durch und wir müssen uns dann damit abfinden.
    Das Besondere ist allerdings, dass ich (neben noch einem anderen Freund) bislang eigentlich immer die engste Bezugsperson war. Wir haben uns früher immer alles berichtet und wussten von dem anderen, was im Leben gerade abgeht. Diese Zeiten sind leider vorbei.
    Ich komme kaum noch zu ihm durch und muss alles, was ich wissen möchte, selber erfragen. Ob ich dann eine (ehrliche) Antwort bekomme, hängt ganz von seiner Lust und Laune ab.
    Dazu kommt noch, dass sich seine Interessen stark gewandelt haben. Das ganze fing auch so vor ca. 2 1/2 Jahren an. Über Dinge, über die wir früher beide lachen konnten, kann heute nur noch ich lachen. Aktionen, auf die wir früher beide Lust hatten, finde nur noch ich gut. Hier könnte ich noch länger weiter machen. Heutzutage sind wir sogar so verschieden, dass ich mir gar nicht vorstellen könnte "mit so einem" befreundet zu sein. Würde ich ihn erst heutzutage kennenlernen, wären wir es auch sicherlich nicht. Aber ich weiß ja, dass es früher anders war und habe daher noch die Hoffnung, dass sich die Zeiten nochmal bessern. Letztendlich möchte ich einfach für ihn da sein, wenn er mich denn überhaupt noch braucht

    Doch was kann ich tun? Nerve ich ihn, wenn nur noch von mir aus irgendein Input kommt? Wie verhalte ich mich ihm gegenüber, wenn er Dinge tut oder Meinungen vertritt, die ich nicht teile? Versuche ich ihn zu verstehen? Versuche ich ihn vom Gegenteil zu überzeugen? Soll ich einfach nur zuhören?

    Ich finde es echt wahnsinnig schwierig und möchte natürlich nicht, dass ich ihm durch mein Handeln nur noch mehr zusetze. Hattet ihr schonmal ähnliche Fälle und könnt ihr mir berichten, wie ihr damit umgegangen seid?

    Vielen Dank!

  2. #2

    Re: Depressionen von engem Freund

    Er möchte etwas in seinem Leben verändern. Du hast schon mit ihm darüber geredet, richtig? Wenn reden nichts bringt, kannst du das nur beobachten und "da sein", falls er das möchte. Lass ihm unbedingt seinen Raum, den er sich gerade schafft. Dazu gehört auch, nicht über das Warum reden zu müssen. Du formulierst es so "Er zieht das so durch und wir müssen uns dann damit abfinden.". Ja! Das ist für dich/ euch hart, aber ihm tut ihr einen Gefallen, wenn ihr ihn lasst. Möglicherweise geht der Kontakt auch ganz verloren. Das ist dann auch ok, ärger dich nicht und wünsch' ihm das Beste auf seinem Weg.

  3. #3
    Mitglied Avatar von Chogall
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    Re: Depressionen von engem Freund

    Es ist schwer für einen Freund oder nahen Angehörigen, solche Veränderungen zu akzeptieren. Ja, es ist vielleicht auch nicht der richtige Weg, den er geht. Aber wie Kirov richtig schrieb, schafft er sich ein neues Leben und das benötigt neben dem Raum, vor allem die Zeit. Es kann wirklich sein, dass du in seinem "neuen" Leen keinen Platz mehr hast, aber das ist das der Weg allen lebens.
    Er hat früh in seinem Leben ein Elternteil verloren. das Leben, was er danach lebte, war kein Selbstbestimmtes. das hat die Therapie vielleicht nun aber wachgerüttelt und das versucht er sich aufzubauen.
    Was dir bleibt ist nur, an seiner Seite zu sein, wenn er das möchte. Wenn du es selbst nicht möchtest, dann geh deinen Weg, ABER klammere nicht und enge ihn nicht ein. Es wird kommen, wie es kommen muss. Und ich hoffe, dass er seein leben in vernünftige, zufriedenstellende (für ihn!) Bahnen lenken kann.

  4. #4
    Mitglied Avatar von HTL
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    Re: Depressionen von engem Freund

    Ja persönlich, ich war insgesamt 7 Jahre in ambulanter Therapie und 10 Wochen Stationär in Reha in einer Fachklinik wegen bipolarer Erkrankung (Manisch Depressiv), therapeutische Massnahmen haben mir dass Leben gerettet. Heute weiss ich das man dies niemals im Alleingang ohne alles schafft, auch Medikamente waren zeitweise notwendig, wichtig ist den richtigen Arzt zu finden wie die Fachrichtung "psychotherapeutische Medizin", ein Anlauf bei einem "Psychiater und Neurologe" in deren Praxen kann ich persönlich nur verneinen, dort hat man keine Zeit für die aufwändigen Gespräche und wird nur mit Medikamente versorgt was ganz schnell zur Sucht führt. Fachärzte für psychotherapeutische Medizin und Psychiatrie, dort wo man ankommt in eine leere Praxis zum Termin und 50 Minuten jedes mal hat. Je nach schwere eine sofortige Reha beantragen, ich war damals in der Klinik Rastede (Soziopsychosomatische Therapie) die es aber heute nicht mehr gibt, ebenso (Leider) gibt es kaum noch das 12 Schritte Programm von Walter Lechler aber seine Klinik in Bad Herrenalb wo es noch praktiziert wird, es ist aber mal milde ausgesprochen ein absoluter Hammer der damit auf einen zukommt, in Rastede wurde auch ich damit konfrontiert und musste lernen wie hart diese Form ist, aber ich war noch so Schwingungsfähig dass ich es packte. Kein Zuckerbrot sondern Peitsche, von 05:00 Uhr am Morgen Therapiebeginn mit Meditation, Waldlauf, Frühstück, 4 Std. Gruppentherapie, Mittag, 4 Std. Körpertherapie und Einzeltherapie, Abendbrot, ab 19:00 Selbsthilfegruppen bis 21:00. Von Montag bis Samstag, der Sonntag war Ruhe. In den ersten 2 Wochen Besuchersperre, nicht Rauchen und kein Alk/Dro. kein Radio Fernsehen, kein Telefon. Du hast in dieser Zeit nur die Gruppe als Freunde/Familie, 30% der Ankommenden Patienten waren einen Tag später auf dem Heimweg. Depression ist SCHEISSE! Ich wollte LEBEN.

    Viel Glück ....
    Für diesen Beitrag bedankt sich propagandhi

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