... aber nun liegst Du da unter der Erde und wir hatten nicht mehr die Gelegenheit dazu.

Einer der engsten Freunde seit 20 Jahren, wie ein Bruder und auch wie ein weiterer Sohn für meine Mutter. Leider hatten wir uns die letzten paar Jahre wegen einer Lappalie und dann aus Zeitgründen nicht mehr gesehen. An Weinachten ausgerechnet kam es durch einen absolut unglaublichen Zufall wieder zum Kontakt und wir konnten immerhin noch klären, dass das damals nicht so wild war und schon längst vergessen. Das war immerhin schon mal extrem wichtig. Vor vier Wochen wollte er noch vorbeikommen und wir hätten endlich mal wieder wirklich reden können. Leider war er davor mit Frau und Kindern beim Rodeln und dann zu müde und so kam es nicht mehr dazu.

Und nun, durch einen nicht rekonstruierbaren Unfall, bei dem man niemals wissen wird, wer oder was daran schuld war, ist er tot. Von ganz unten mehrmals wieder hochgekämpft und endlich ein glückliches Leben geführt, doch jetzt alles verloren und für immer weg.

Immerhin hatte ich ebenso wie meine Mutter noch die Gelegenheit, ihn auf dem Sterbebett wenige Stunden vor seinem Tod zu besuchen. Da lag er, die Augen aufgerissen, hörend, aber nicht mehr in der Lage, auch nur die Augen zu bewegen, mit einem extrem schnellen Atmen durch einen Schlauch aus dem Mund. Um ihn herum seine Frau, Freunde und andere Menschen, die ihn mochten und liebten, weinend, bis auch ihm die Tränen kamen. Was für eine abartige, unvorstellbare Höllenqual es sein muss, wenn man plötzlich so da liegt, alle Welt kommt vorbei und man weiß, dass es nun wohl zu Ende geht und man kann nichts, aber auch gar nichts dagegen machen. Nicht einmal reden kann man oder irgendwie zeigen, was man fühlt. Nie im Leben werde ich diese Bilder vergessen. So unendlich und unvorstellbar grausam...

Ich wollte stark sein, ihm nicht noch mehr Angst machen, etwas Schönes sagen, etwas, das Mut in selbst so einer aussichtslosen Situation und der Stunde seines Todes gibt. Ich konnte nicht. Ich konnte nur sagen, wie sehr stolz ich darauf bin, ihn als Freund zu haben. Wie sehr ich mich über all unsere Geschichten freute und wie wichtig er mir ist. Und mir sind die Tränen in Strömen gelaufen. Ich konnte ihm nur die Hand halten, ihn umarmen, ... stark sein, das konnte ich nicht.

Es starben schon so manche Familienangehörige, Freunde, und auch im beruflichen Umfeld waren es ein paar hundert Menschen, die gingen. Gut, im Beruf ist es eh was anderes und die Leute hatten so gut wie immer Zeit, sich zu verabschieden und es war abzusehen. Ein paar Dutzend davon starben recht überraschend, ein paar davon vor meinen Augen und trotz versuchter erster Hilfe, aber dieses Sterben hier von jetzt auf gleich ohne jede Chance, noch dazu bei einem Freund, mit dem ich so sehr viel verbinde, das war ein komplett anderes Niveau.

Und dann saß ich da abends allein daheim und dann erst kam der wirkliche Schock. Sowas hab ich trotz all meiner wirklich bösen und extremen Erfahrungen im Leben noch nicht erlebt. Ich kapier es selbst jetzt noch nicht so ganz und weiß auch noch nicht so ganz, was ich nun damit anfangen soll. Auf der Beerdigung lief es ähnlich. Die Beerdigung mit ihren gut 200 Trauernden, von denen ein guter Teil Freundeskreis war, die hab ich selbst noch gut überstanden, aber abends dann, da kamen die Leere und der Stillstand.

Es gäbe noch so vieles zu sagen und ich will etwas sagen, doch teils weiß ich nicht einmal, was ich sagen möchte. Mir fehlen tatsächlich die Worte.

Mein guter Freund, Du wirst so vielen Menschen und dieser Welt fehlen. Ich wünsche Deiner Frau und Deinen beiden kleinen Kindern alle Kraft der Welt! Ihr tut mir alle so verdammt leid.
Du warst einer dieser ganz seltenen und ganz besonderen Menschen. Ich denk an Dich ...

Was für eine gottverfluchte und unfassbare Scheisse ...

https://www.youtube.com/watch?v=a7_GwrHOR7A