Zuletzt war ich für knapp 4 Tage in Riga. Die Stadt hat mich, nachdem ich ein paar Bewohner kennen gelernt habe, schon länger interessiert. Rīga ist die Hauptstadt von Lettland und aus meiner Sicht am weitesten westlich von den drei baltischen Hauptstädten. Lettland feiert dieses Jahr genauso wie Estland, Litauen und Polen 100 Jahre Unabhängigkeit. Finnland war knapp früher dran, mit Dezember letzten Jahres.
Die Hansestadt wurde bereits im Mittelalter gegründet (davon sieht man aber weniger als in Tallinn) liegt im Süden des Rigaischer Meerbusens (Ostsee), am Ufer des Flusses Daugava. Riga als Hauptstadt der Region Livland gehörte zum polnisch-litauischen, schwedischen und schließlich sowjetischen Herrschaftsbereich. Letzteres sieht man der Stadt auch noch deutlich an. Als besonders sehenswert werden die historische Altstadt und das Jugendstilviertel der Neustadt gesehen, UNESCO-Weltkulturerbe. Riga war 2014 eine der Kulturhauptstädte Europas. Durch die Feierlichkeiten wurde u.a. das kleine KGB-Museum aus dem Boden gestampft.

Anreise

Der Flughafen von Riga wird von den meisten anderen Flughäfen in D angeflogen. Vom Flughafen gelangt man am einfachsten mit dem Bus 22 in die Innenstadt. Ticket am Automaten (oder bei einem der Narvesen-Kioske in der Stadt) kostet 1,15 Euro für eine einfache Fahrt, beim Busfahrer zahlt man 2 Euro.

Weitere wichtige Verbindungen sind Bus 11 zum Naherholungsgebiet Mezapark und Bus 1 zum Freiluftmuseum. 24-h-Ticket kostet aktuell 5 Euro.

Altstadt und Sehenswürdigkeiten

Die Altstadt Rigas und das Jugendstilviertel der Neustadt sind seit 1997 UNESCO-Welterbe. Dieses kann man selbst gut erlaufen, alternativ gibt es um 12 Uhr kostenlose Führungen.

Bereits bei der Busfahrt nach Riga fallen zwei Kirchen (plus Brücken und die Nationalbibliothek) auf. Die St. Petrikirche kann man gegen Geld bis auf Mo besichtigen. Der Dom ist die größte Kirche im Baltikum und wurde in der UdSSR als Konzerthalle genutzt. Die beiden Kirchen haben mich von Innen zumindest nicht interessiert. In die russisch-orthodoxen Kirchen gelangt man dafür als Frau nur mit Kopfbedeckung, daher habe ich mich mit dem schönen byzantinischen Mustern begnügt.

Die Altstadt unterscheidet sich finde ich nicht sonderlich von anderen europäischen Städten. Während eines Spaziergangs sieht man auch das Rigaer Schloss, was jetzt Regierungssitz ist. In der Nähe findet sich ein gutes Restaurant. Das Schwarzhäupterhaus ist ein prächtiges Gildehaus mit schmucker Fassade. Nach der Unabhängigkeit Lettlands wurde das Haus wieder aufgebaut und ist nun ein Wahrzeichen der Stadt, was man eigentlich besichtigen kann - außer der Staatspräsident nutzt es gerade. Bingo!

Als Orientierung dienten mir neben den beiden Kirchen das Freiheitsdenkmal. Dieses liegt am nordöstlichen Rand der Altstadt und symbolisiert die Unabhängigkeit Lettlands. Direkt im Anschluss liegt einer der Parks Rigas, die zum Verweilen einladen. Und an jeder Ecke gibts Eisstände.

Die Jakobskasernen, ehemalige Kasernen aus der schwedischer Zeit Ende des 18. Jahrhunderts, beherbergen heute Cafes, Bars, Restaurants (allesamt eher teuer, aber trotzdem von Einheimischen genutzt) und Souvenirshops. Direkt daneben ist der kleine verbliebene Rest der Stadtmauern zu sehen. Leider war das Kriegsmuseum dort geschlossen.

Wenn ich in Städten bin, gehe ich normalerweise auf Kirchtürme hoch, um eine Aussicht und zugleich einen Überblick zu haben. In Riga entschied ich mich für die Aussichtsplattform (auf etwa 100 m) der lettischen Akademie der Wissenschaften. In den 50er Jahren wurde das imposante Gebäude im stalinistischen Zuckerbäckerstil errichtet. Eintritt kostet aktuell 5 Euro, den man bei einer älteren Dame beim Empfang errichtet und die dir den nächsten Lift zeigt, mit dem man hochfahren kann. Die letzten beiden Stockwerke darf man zu Fuß hochgehen.
Kirchenturm kann man natürlich auch ersteigen. Die Bar vom Radisson Blu Hotel bietet ebenfalls eine gute Sicht und beim Fernsehturm kann man ebenfalls auf eine Aussichtsplattform (auf 100 m bei einem 368 m Turm - der größte Fernsehturm Europas).

Von der Aussichtsplattform der Akademie sieht man gut auf die Markthallen. Direkt in der Nachbarschaft liegt das Ghettomuseum, was eine kostenlose Ausstellung basierend auf Einzelschicksale bietet. Ebenfalls kostenlos ist die kleine Ausstellung des KGB-Museums mit beeindruckenden Interviews. Das Okkupationsmuseum ist ebenfalls kostenlos und bietet Material für mindestens 1 Stunde.
Daneben kann man sich u.a. das Jugendstilmuseum, mehrere Kunstmuseen und das Freilichtmuseum anschauen. Mir waren es nach den drei geschichtlichen Museen genug Informationen. Beim Spaziergang durch die Altstadt kann man zudem das Barrikaden-Denkmal (Barikādes) entdecken.









Ausflug nach Jurmala

Das Highlight für mich. Jurmala war einst ein beliebter Ferienort in der UdSSR, auch heute ist Jurmala noch sehr beliebt. Mit Glück kann man am Strand Bernstein finden. Jurmala ist kein einzelner Ort, sondern ein längerer Küstenabschnitt (33 km um genau zu sein) mit schönen Holzhäusern und Pinien, den man gut mit dem Zug erreichen kann. Der Hauptort von Jurmala ist Majori, auch Dzintari ist stärker touristisch. Dazu ein Ticket beim Ticketschalter lösen, kostet nach Majori aktuell 1,40 Euro und ist eigentlich ein Kassenbon. Züge haben steile Treppen und man sollte rechtzeitig sich zum Aussteigen bereit machen, da sie nur kurz halten. Minibusse und ein Schiff (für 30 Euro hin und zurück) verkehren ebenfalls zwischen Riga und Jurmala.





Weitere mögliche Ausflugsziele sind Sigulda, Liepāja und Ligatne. Sigulda hätte mich auch noch interessiert, gut mit Zug erreichbar, aber leider blieb nicht genug Zeit.

Essen und Trinken

Die Restaurants in der Altstadt scheinen primär auf Touristen ausgerichtet und sind relativ teuer. Für das Geld würde ich in M nicht unbedingt essen gehen. Günstiger isst man, wo viele Einheimische hingehen. Dies ist häufig außerhalb der Altstadt, aber auch bei den Markthallen.

Mehr über Bier, Markthallen und Essen findet ihr an anderen Stellen.



Zurechtkommen

Im Gegensatz zu Vilnius ist Englisch in Riga weiter verbreitet. Man kommt finde ich gut durch, im Notfall verwendet man halt Arme und zeigt was. Russisch verstehen (und sprechen) fast alle, auch wenn manche weniger gerne reden. Deutsch können einzelne ältere Leute und paar Junge, die es in der Schule als x.te Fremdsprache lernen.

Einzelne Viertel soll man angeblich während der Dunkelheit nicht besuchen, habe ich allerdings auch nicht ausprobiert. Ansonsten wird in der Nähe vom Markt, Busbahnhof und Hauptbahnhof vor Dieben gewarnt. Da sind einige zwielichtige Gestalten, Obdachlose, an manchen Ecken stinkt es auch ordentlich und ich habe es wenig gerne, wenn jemand mich dicht verfolgt (mir wurde aber nichts geklaut).

Häufig LTE! Kostenloses Wlan ist auch weit verbreitet.

Mitbringsel

Riga Balzams (kräutriger Teelikör) in den unterschiedlichen Sorten, Schoki von Laima und Honig.



Neben einer Laima-Uhr am Rande der Altstadt findet man etwas weiter im Norden die Fabrik inklusive Schokimuseum und einem Laden, in den man auch rabattierte Pralinenpackungen findet. Laima-Läden sind ansonsten in der ganzen Altstadt und auf Jurmala verstreut.