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Thema: Die Jukebox und ich

  1. #51
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    Avatar von KePa
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    Re: Die Jukebox und ich

    Was macht man, wenn man krank zu Hause sitzt? Man sucht Beschäftigung! Im letzten Update ging es unter anderem um neue Kondensatoren für den Vorverstärker. Dabei kam ich auch auf spezielle Bauteile zu sprechen wie folgendes:

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    Dabei handelt es sich um Bauteile mit internen Schaltungen aus Kondensatoren und Widerständen, welche zusammen einen ähnlichen Zweck wie die zuvor beschriebenen High-, bzw. Low-Pass Filter erfüllen. Der Verstärker besitzt für jeden Stereokanal zwei Schalter mit denen jeweils Höhen und Tiefen in drei Stufen reguliert werden können. Je nach Position des Schalters wird auch innerhalb der Filter ein anderer Kreis geschlossen, der den Klang verändert.

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    Nun besteht immer noch die Situation, dass der Klang verhältnismäßig dumpf erscheint, trotz Austausch der regulären Kondensatoren. Das Verstellen der Schalter brachte dabei keine Besserung, so machte ich es mir zur nächsten Aufgabe diese speziellen Bauteile, welche es so nicht zu haben gibt, nachzubauen. Praktischerweise helfen hier die Schaltpläne, die einerseits auf den Teilen aufgedruckt sind, andererseits aber auch der gesamte Plan des Verstärkers, auf dem die Bauteile, insgesamt sechs, durch gestrichelte Umrandungen dargestellt werden.

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    Um diese Teile nachzubauen benötigt es lediglich Widerstände und Keramikkondensatoren, welche mit den entsprechenden Werten übereinstimmen. Für die Beschaffung dieser Kleinteile erwies sich reichelt.de als zuverlässige Quelle. Mit einer angenehmen Suchfunktion nach Kategorien und Werten war das Notwendige schnell gefunden. Lediglich die Versandkosten kann man hinterfragen, denn während der Warenwert für 15 Teile gerade mal 2,50€ betrug, lagen die Versandkosten bei rund 5,40€, da scheinbar nur via DHL Päckchen verschickt wird. Ein gepolsterter Umschlag hätte es meiner Meinung nach auch getan, tat der Sache aber keinen Abbruch. Das Ganze kommt schön sortiert und beschriftet in Plastikbeuteln an.

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    Damit ging der Spass auch los. Da die Originale schon recht kompakt sind und wenig Platz im Gehäuse haben, mussten auch die neuen Teile klein ausfallen. Ich versuchte mich dabei an den ungefähren Dimensionen des Originals zu orientieren und begann die Schaltungen Stück für Stück zusammen zu setzen. Dabei half eine sogenannte "Dritte Hand" und ein Lötkolben mit feiner Spitze. Das Ergebnis war zufriedenstellend.

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    Nun war allerdings noch ein Punkt offen. Die neuen Schaltungen selbst sind nicht isoliert und auch nicht stabilisiert. Ein Einbau wäre so nicht möglich. Lötstellen würden brechen und Kurzschlüsse wären kaum vermeidbar. Ich musste also, wie beim Original auch, die Schaltungen in etwas eingiessen. Es gäbe diverse Werkstoffe die hierzu in Frage kämen, wie z. B. Silikon oder Heisskleber. Ersteres bleibt aber zu weich und letzterer härtet zu schnell aus, bevor man ihn richtig verarbeiten könnte. Es blieb Epoxidharz, eine Mischung aus Basis und Härter, was in der Summe ein recht robustes Material ergibt.
    Hier konnte ich auf Ressourcen meines Vaters zurückgreifen, der solches in der Tube bereit hatte. Die Grundidee war es Formen anzufertigen, in die die Schaltungen gehalten und mit dem Epoxid eingegossen werden können. Da die Dimensionen aber recht klein sind und das Epoxid eher zähflüssig ist, erschien uns das als zu viel Aufwand. Stattdessen nahmen wir eine Acrylglasscheibe, benetzten sie mit Öl gegen die Haftung, gossen eine Grundform, legten die Schaltung drauf und schlossen das mit einer weiteren Lage ab.

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    Nach ein paar Stunden war das Epoxid mit einer milchigen, gelben Farbe ausgehärtet, sodass man den Inhalt noch leicht sehen konnte. Nach dem vorsichtigen Lösen von der Glasplatte konnte ich die neuen Bauteile mit einem Dremel, ausgestattet mit einem Schleifkopf, etwas zurecht schleifen, um die Form noch etwas kleiner zu gestalten. Fertig sind die neuen Ersatzteile.

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    In der Größe gab es keine all zu großen Abweichungen, was den Einbau problemlos gestalten sollte. Das Entfernen der alten Bauteile war jedoch nicht ohne Mühe, denn die Drähte wurden oft um die Kontakte gewickelt und dann festgelötet. Einfaches Ablöten war hier nicht, weswegen oft auch der Seitenschneider kurzen Prozess machen musste. Nach dem das alte Teil jedoch entfernt war, setzte ich das neue an gleicher Stelle ein. Zur Isolation der Drähte benutzte ich zusätzlich Schrumpfschlauch, um Kurzschlüsse zu vermeiden. Das Ergebnis ist recht zufriedenstellend. Getestet wird das ganze morgen. Dann wird sich zeigen ob sich die Mühe gelohnt hat. Das Experimentieren mit Epoxidharz hat zumindest Spass gemacht und brachte ein besseres Resultat als ich zu Anfang erwartet hatte.

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  2. #52

  3. #53
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    (Threadstarter)

    Avatar von KePa
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    Re: Die Jukebox und ich

    Wie der letzte Beitrag schon erahnen ließ, habe ich nach langem Warten die beiden Aluminiumleisten neu verchromt zurückbekommen. Die Teile sehen nun wieder aus wie neu, was allerdings auch seinen Preis hatte. Das Material musste "entmetallisiert" werden, was bedeutet, dass die alten Überbleibsel des abblätternden Chroms entfernt werden. Bei anderen Metallen kommen hierbei zum Beispiel. Salzsäure zum Einsatz. Chrom entsteht durch einen elektrochemischen Prozess. Ebenso kann es durch einen chemischen Prozess wieder entfernt werden. Salzsäure, allerdings, würde in diesem Fall nicht nur die Chromschicht, sondern auch das sich darunter befindende Aluminium angreifen und auflösen. Offenbar verfügen nur wenige Galvanikbetriebe in meiner Umgebung über die Möglichkeit auch Aluminium von Chrom zu befreien.

    Nicht nur das Entmetallisieren scheint dabei eine Herausforderung zu sein, auch das neue Galvanisieren stellt sich offenbar als anspruchsvoll dar. Nach meinen Recherchen liegt das unter anderem an der Offenporigkeit des Metalls, was die Anbringung einer hauchdünnen Chromschicht erschweren soll. Um das zu umgehen, werden zum Beispiel zuerst Kupferschichten aufgetragen, die als bessere Grundlage dienen. Das verbessert zwar die Umstände, scheint aber trotzdem kein Garant für gute Qualität zu sein, weshalb bei manchen der wenigen Betrieben, die ich finden konnte, ein ausdrücklicher Hinweis zu sehen war, dass für die Galvanisierung von Aluminium oder gar Zink keine Garantie geleistet wird. Zusehr besteht das Risiko von Fehlbildungen auf der Oberfläche. Ich hatte jedoch Glück und zwei sehr schöne Stücke wieder bekommen.

    Nun war es mit dem Chrom nicht getan. Gefehlt hat immer noch der rote Streifen auf der Vorderseite sowie der hellbraune auf der Rückseite. Nun ist das Lackieren einer glatten Oberfläche nicht gerade zielführend. Die Farbe kann nicht haften und bildet im schlimmsten sogar Perlen. Anschleifen wäre eine Option, allerdings auch aufwändig und müsste mit sehr viel Vorsicht getan werden, um später unlackierte Stellen nicht zu beschädigen. Auch täte es in der Seele weh den neuen Chrom wieder kaputt zu machen. Ich sah mich nach Alternativen um und fand eine Grundierung, die versprach auf unbehandeltem Chrom zu haften. Schwer zu glauben aber einen Versuch wert.
    Das Ergebnis überzeugt. Nach dem Auftragen der Grundierung konnte die Farbe gespritzt werden und blieb auch vernünftig haften. Damit war der letzte große Meilenstein gelöst.

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    Was folgte war der Zusammenbau der Haube mit den neuwertigen Leisten. Das sollte nochmals ein Paar meiner Nerven kosten als ich feststellte, dass manches Schraubgewinde nur für den einmaligen Gebrauch vorgesehen zu sein schien. Beim erneuten Hereindrehen der Schraube löste sich dann so manches einfach auf, obwohl ich sehr behutsam damit umging.

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    Auch solche Problem hielten mich jedoch nicht davon ab das Projekt fertig zu stellen. Nachdem die Haube wieder ihren festen Platz auf der Jukebox gefunden hatte, fehlte nur noch das Einsetzen der Verkleidungsbleche sowie die Bestückung des Plattenmagazins, der Titelhalter und eine abschließende Politur, womit wir auch beim letzten Post dieses Themas angelangt sind. Gut ein Jahr hat dieses Projekt nun gedauert. Viel zu lange für meinen Geschmack, jedoch hatte ich mir für diverse Abschnitte auch viel Zeit genommen, um es schön zu machen. Wie anfangs erhofft, konnte ich während des Projekts vieles dazulernen, unter anderem in den Bereichen Elektronik, Mechanik und Lackierung. Ich kam zum ersten Mal mit Röhrentechnik in Verbindung und konnte zum ersten Mal einen Verstärker reparieren. Danke hierbei auch für jegliche Form von Tipps, die beigesteuert wurden, danke an jene, die mitgelesen haben (fast 7000 Hits!) und besonderen Dank an meinen Vater, der mir nicht nur Raum und Werkzeug, sondern auch seine Fähigkeiten zur Verfügung stellte und damit maßgeblich zum Ergebnis beitrug.

    Nun steht die Jukebox wieder in einem schönen Glanz mit sauberen Oberflächen und funktionierender Technik. Sie ist wieder ein Blickfang. Ich bin einerseits froh, dass es nun fertig ist, andererseits auch ein bisschen traurig, denn die Arbeit an einem solchen Objekt macht durchaus Spaß und bietet spannende Einblicke in alte Technik, Designs und Vorgehensweisen. Man wird mit verschiedensten Herausforderungen konfrontiert, die zu kreativen Lösungen wie das Eingießen von Schaltungen mit Epoxidharz führen. Genau solche Herausforderungen machen die Arbeit spannend und erweitern die eigenen Fähigkeiten.

    Zum Abschluss gibt es ein paar Bilder des fertigen Stücks in maximaler Auflösung, unter anderem ein Bild der Musikauswahl, wenn man ordentlich reinzoomt. Wer möchte darf sich das unten verlinkte Video ansehen, in dem die spielende Jukebox zusammen mit ein paar alten Bildern aus dem Projekt zu sehen ist.






    Jetzt habe ich Zeit für Langeweile bis ich ein neues Projekt gefunden habe. Ein Flipper wäre geil...

    Ich sage danke fürs Lesen und wie es Peter Lustig zu sagen pflegte: Ihr könnt jetzt abschalten.

  4. #54
    SYS64738

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    Avatar von thom53281
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    Re: Die Jukebox und ich

    Herzlichen Glückwunsch und Respekt, das Gerät sieht in der Tat wie neu aus.

  5. #55
    Nein.

    Moderator

    Avatar von Fhynn
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    Re: Die Jukebox und ich

    Ich kann dir letzten 5 Bilder nicht angucken

    Ich wurde so geboren, Ich werde so bleiben bis ich sterb,
    Ich wurde so geboren, Antifaschist für immer, für immer


  6. #56
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    Avatar von KePa
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    Re: Die Jukebox und ich

    @Fhynn: Picflash scheint gerade ein Problem zu haben, weswegen sämtliche Bilder dort nicht mehr verfügbar sind. Kommt hoffentlich bald zurück, sonst kann ich es woanders hinschubsen.

    Edit: Geht wieder!

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