Unter einem Video "How to not waste your life", las ich folgenden Kommentar:

Spoiler: 



.. volltreffer. Direkt ins Herz.

Erst kürzlich schmiss wieder nach drei Jahren mehr als 300€ in ein Onlinegame, um der Realität zu entkommen. Ein Fakedopaminhigh. Nur um für den Rest des Monats mit Brot und Nudeln zu verbringen. "Scheisse war das dumm" sagte ich mir hinterher.. lässt sich dennoch nicht mehr ändern. Die Jahre vorher verbrachte ich mit Serienschauen, Videospielen und ein paar anderen "Projekten" um die Realität erträglicher zu machen, ohne zu wissen dass dieser Mechanismus existiert.

"Cope" genannt - die Realität copen. Ein Verdrängungsmechanismus zum Schutze der eigenen Psyche.

Ich habe viel Zeit. Ich lese viel. Nicht nur online, sondern auch Bücher (aus echtem Papier!). Ich habe mir über die Jahre einen Fundus an Wissen angeeignet, permanent aufrufbar, permanent am Verknüpfen. Alles hat mit allem zu tun. Gesundheit, Gesellschaft, Politik, Geschichte, Psychologie, Beziehung, alles dabei. Alles immer weiter ausbaufähig. Je mehr es wird, desto mehr sehe und erlebe ich es immer unmittelbar in meiner Umgebung um mich herum.



Und je mehr es wird, desto naher komme ich der Wahrheit. Sie ist unmittelbar und allgegenwärtig. Sie bietet mir einen ungemeinen Vorsprung gegenüber anderen Menschen. Mit einer Bürde verbunden, die ich spüre nicht mehr verkraften zu können. Die Geschichte von Ikarus, der der Sonne zu nah kam und ins Meer stürzte.

Ich kann jetzt verstehen weshalb Cypher sich mit Agent Smith traf um in der Matrix zu bleiben. Er konnte die Realität einfach nicht verkraften und hatte keinen Bock darauf. Es gibt Momente, so wie jetzt, in denen ich wünschte damals nie mit den kleinen Krümmelchen der Realität in Berührung zu kommen. Jetzt stehe ich da und aus den Krümmeln wurden größere Krümmel. Jetzt sind es Stücke vom Kuchen. Mehr als ich essen kann. Ich habe das Gefühl zu kotzen. Und dann zu sterben.

Wie schaffen es Menschen die jeden Tag mit der Realität konfrontiert werden, nicht zu kotzen?

Die Wahrheit hat mich dahin geführt, wo ich jetzt bin. Ich habe mir eine "Berufung" ausgesucht auf die kein normaler Mensch kommen würde. Mit einem Weg, welcher mich mein Leben kosten könnte. Und einem Ausgang der so ungewiss ist wie Fahren auf der entgegengesetzten Autobahnspur.

High Risk, High Reward - Wie viel bin ich bereit dafür zu opfern?

Natürlich könnte ich zurück in die Schule.
Mein Abitur nachmachen.
Universität. Mir sagen lassen, was ich zu lernen habe um den und den Ausgang zu erreichen.
Arbeit als Angestellter. Mir sagen lassen, was ich zu tun habe.

Das ist alles so einfach und gemütlich im Gegensatz zu dem, was ich gerade mache. Ich habe mich für einen Weg entschieden. Ich habe mir natürlich das Schwerste des Schwersten ausgesucht. Ich bin komplett auf mich alleine gestellt. Dafür gibt es keine Schulbücher, keine Guides und keine Lehrer. Wenn ich einen schweren Fehler mache, sind die Konsequenzen enorm. Das Problem ist, es sind Fehler dabei die sich nicht vom logischen Verstand her sehen lassen. Fehler, für die es eine Brille braucht, einen gekonnten Blick. Diesen Blick anzutrainieren bringt mir kein Schulbuch bei. Unmittelbare Praxis und Statuten an anderen fördern zur Erfahrung dieses Blickes. Es sind auch Sachen dabei die sich meiner Kontrolle entziehen.

Um ehrlich zu sein bin ich gerade sehr ratlos und sehne mich nach dem Komfort des Systems.
Schule, Universität, Arbeit. Es kann alles so einfach sein. So weniger toxisch. So.. komfortabel. Eine Meerjungfrau. Eine Sirene, die mich zu ihr in die Tiefe ruft.


Ich sehne mich nach der blauen Pille. Mein Agent Smith wäre alles fallen zu lassen und mich zurück ins System ordern. Mich an einer Schule anmelden und die Schulbank drücken. Mich durch Wolldecken chauffieren zu lassen bis zum gebratenen Ferkel, um danach durch einen Herzinfarkt zu sterben der sich Rente nennt.

Gegen irgendwas zu sein ist einfach. Gegen Schule, gegen den Chef, gegen das System. Allerdings konsequente Schritte einzuleiten fordert sehr viel von einem ab. Und ein Preis dafür ist nie garantiert.

Wo gibt es schon Garantien im Leben?

Es gibt nur eine Garantie - den Tod.