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Thema: Diskussionskultur in der "echten" und privaten Welt

  1. #1
    News-Redakteur Avatar von FrostAgent
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    Diskussionskultur in der "echten" und privaten Welt

    Moin,

    ich würde gerne einmal erfahren, wie es um die Diskussionskultur in der realen Welt außerhalb der sterbenden Foren bestellt ist. Wie verlaufen die Gespräche und Debatten im privaten Umfeld, könnt ihr daraus einen echten Mehrwert ziehen? "Befriedigen" euch diese Gespräche, könnt ihr bestenfalls etwas lernen und anderen etwas lehren, werdet ihr zum Nachdenken angeregt?

    Ich für meinen Teil habe den Eindruck, dass dies immer weiter nachlässt, ich bin jetzt ziemlich genau Mitte zwanzig und bewege mich in meinem Umfeld größtenteils mit Leuten +/- fünf Jahre, habe aber das Gefühl, dass der Mehrwert und der Gewinn bei ernsthaften Gesprächen immer geringer bis komplett ausfällt, sofern solche Gespräche überhaupt erst noch entstehen.

    Dieses Gefühl wird vielleicht auch dadurch bestärkt, dass ich schon relativ früh und viel in Foren unterwegs und aktiv war, um mich auszutauschen und andere Sichtweisen zu hören und diese versucht habe zu verstehen. Diese Aktivität hat bei mir aus diversen Gründen zuletzt leider sehr nachgelassen.

    Ein weiterer Grund ist vielleicht auch der, dass ich nicht mehr die Größe und Vielfalt an Menschen in meinem persönlichen Umfeld habe wie in der Schulzeit. Man bewegt sich irgendwann vielleicht in seiner eigenen Blase, aufgrund des Berufs und den dazugehörigen Interessen.

    Mir persönlich fehlt es, dass ich mich in Diskussionen bemühen muss, dass ich nachdenken muss und dass mich mein Gegenüber ein klein wenig fordert. Ich unterhalte mich dann teilweise mit Menschen, die vorgeben eine Meinung zu vertreten, aber sobald man einen anderen Standpunkt vertritt und den seines Gegenübers hinterfragt und durchleuchten möchte, man auf eine Blockade stößt. Die Diskussion wird beendet und meinem Empfinden nach nicht zu selten, weil einfach keine Gegenargumente vorhanden sind. Es werden Meinungen vertreten, die nicht begründet werden können, scheinbar einfach um überhaupt irgendeine Meinung zu vertreten. Die vermeintlichen Gegenargumente und leichteste Kritik werfen den Menschen dann direkt aus der Bahn. Es wird alles andere als Offenheit für andere Ideen oder Meinungen suggeriert und das ist etwas, was mich wirklich in den Wahnsinn treibt, vor allem weil ferner dann oft ein Gefühl der Erhaben- und Überlegenheit dieser Menschen vermittelt wird, was völlig unangebracht ist und die ganze Situation nur noch schlimmer macht. Die Sachlichkeit bleibt auf der Strecke.

    Eine Reaktion die durch Emotionen getrieben ist kann jeder einmal hervorrufen, passiert mir natürlich auch und fehlerfrei ist niemand, aber ich finde man sollte sich bemühen sich selbst und seine Denkweisen zu hinterfragen und nicht jede Kritik als persönlichen Affront zu werten. Das klappt bei mir bestimmt auch nicht immer, aber ich versuche mein Bestes zu geben.

    Ich würde gerne wissen woran das liegen könnte und ob das bei euch vielleicht ähnlich ist. Umgebe ich mich einfach mit den falschen Menschen? Sind meine Erwartungen nicht gerechtfertigt? Bin ich einfach selbst das Problem?

    Eine Lösung meines "Problems" wäre es vermutlich einfach, solchen Gespräche in Zukunft aus dem Weg zu gehen und sie im Zweifel zu ignorieren, aber das ist mir bisher sehr schwer gefallen und ich weiß auch nicht ob ich das will, obgleich ich dann das Gefühl habe, dass Leute ihr Potenzial verschenken, wenn ich nicht versuche Denkimpulse zu geben, Impulse über die ich mich selbst auch freue bzw. freuen würde.

    Verschiedene Menschen haben verschiedene Meinungen das ist sehr gut und wichtig, aber ebenso wichtig sind der Wille des eigenen Hinterfragens, die Selbstreflektion und die Fähigkeit sachliche Kritik auszuüben und anzunehmen.
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  2. #2
    Mitglied Avatar von Snake Pilsken
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    Re: Diskussionskultur in der "echten" und privaten Welt

    aber ebenso wichtig sind der Wille des eigenen Hinterfragens, die Selbstreflektion und die Fähigkeit sachliche Kritik auszuüben und anzunehmen.
    Tja, und genau das kommt den Menschen irgendwie immer mehr abhanden. Durch die Vielzahl an (neuen) Medien wird einem das Denken immer mehr abgenommen.
    Die Schule tut ihr Übriges, es wird nach oftmals stupiden Lehrplänen gelernt und das Erlernte ist nichts, was einen auf das Leben "da draußen" vorbereitet.
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    Ich stamme aus Ironien, nahe an der sarkastischen Grenze, daher folgender Hinweis:
    "Meine Postings können eventuell Spuren von Zynismus, Sarkasmus und Ironie enthalten. Wenn jemand deswegen ein Problem mit mir hat, soll er eine Nummer ziehen, sich hinten anstellen und warten, bis er an der Reihe ist."

  3. #3
    Warp drölf

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    Re: Diskussionskultur in der "echten" und privaten Welt

    Hört sich irgendwie so an als das du mit einfach gestrickten und langweiligen Menschen abhängst - sorry Ich kann bei mir das genaue Gegenteil berichten! Bin Mitte 30, hab viele Freunde in meinem Alter aber auch ein paar die eher 40 sind und auch ein paar die noch älter sind. Ich kann mich mir allen durch die Bank weg super gut über die verschiedensten Themen stundenlang unterhalten - was eigentlich in der Regel auch immer passiert. Teilweise wird es bei politischen Themen auch etwas lauter, teilweise auch nicht. Aber es ist immer sehr interessant und ich nehme da, im Gegensatz zu dir und auch zu irgendwelchen Foren (und hey ich war seit 2001 im gulli ) da viel mit - was mich mit unter auch zum Nach- und Umdenken anregt. Die Themenvielfalt ist riesig weil ich evtl auch viele verschiedene Menschen kenne mit denen ich auch irgendwie überproportional viel rede.

    Aber gut, das hab ich evtl auch mir selber zuzuschreiben. Ich lerne auch mal Leute kennen die mir zu langweilig sind bzw. halt andere Interessen besitzen. Die werden halt einfach nur bekannte bleiben von dem her kann ich das quasi einfach ausklammern

    Irgendwas scheinst du auf jeden Fall falsch zu machen.
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  4. #4
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    Re: Diskussionskultur in der "echten" und privaten Welt

    @Snake Pilsken:

    Aber wenn das wirklich so ist, wo soll das denn einmal enden? Die neuen Medien breiten sich schließlich weiterhin aus und apokalyptische Theorien zu etwaigen künstlichen Intelligenzen werden dadurch auch realitätsnaher. Ich hoffe nach wie vor, dass es einfach ein Stück weit an meiner Kombination aus Menschen liegt und nicht an der Gesellschaft und Menschheit an sich.

    Grundsätzlich ein interessantes Thema, auch völlig losgelöst von (meinen) persönlichen Erfahrungen. Wie kommt es und wo könnte es mittel- bis langfristig hinführen.

    @godlike:

    Dafür musst du nicht entschuldigen, eine Freundin mit der ich mich in bestimmten Punkten tatsächlich noch sehr gut austauschen kann meinte zu mir auch schon, dass ich mich privat und beruflich fast permanent mit den falschen Menschen abgebe. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr denke ich darüber nach ihr zuzustimmen.

    Das was du berichtest gibt es bei mir eigentlich praktisch überhaupt nicht mehr, stellt sich halt die Frage ob zehn Jahre dabei dann durchaus einen entscheidenden Unterschied machen oder ob mein Umfeld tatsächlich zu "einfach und langweilig" gestrickt ist. Das eine schließt das andere natürlich nicht aus, vielleicht bin ich wie gesagt auch einfach selbst das Problem und sollte es einmal wieder mit komplett anderen Menschen versuchen.
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  5. #5
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    Re: Diskussionskultur in der "echten" und privaten Welt

    Im echten Leben diskutiere ich nicht gerne über politische Sachen, dass vergiftet meist den ganzen Raum.
    Selbst so ne Kleinigkeiten wie "Bundeswehr im inneren" kann ganz schnell eskalieren.

    Zum Diskutieren gehört aber auch die Frage:
    Was will man davon?

    Willst du was lernen, willst du überzeugen, oder magst du es einfach nur zu diskutieren?

    Für ertragreiche Diskussionen muss man irgendwo ja auch ein "common ground" finden.
    Ein ähnlicher Wissenstand ist da schon nötig.

    Ich brauch mit einem Elektriker nicht über Strom diskutieren, der weiß eh 100 mal mehr als ich.
    Da ist es eine einseitige Diskussion bei der ich nur Fragen stelle und er erklärt.

    Ich diskutiere lieber hier und an anderen Orten im Netz.
    Im echten Leben habe so 4-5 Leute mit denen es sich lohnt.
    Es ist aber auch schwer Leute zu finden die diskutieren und nicht einfach streiten wollen.

    Wobei es sich auch mal lohnt zu gucken ob das generationsbedingt ist.
    Mein Opa und meine Onkels haben stundenlang diskutiert und gestritten.
    Ist da eventuell ein bisschen Streitkultur verloren gegangen in den letzten Jahren?
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    Geändert von Seedy (03.12.17 um 08:07 Uhr) Grund: Fehler behoben
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  6. #6
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    Re: Diskussionskultur in der "echten" und privaten Welt

    Vielleicht sind sogar andere Fähigkeiten verloren gegangen.

    Wenn man zum Himmel schaut (und da sieht es so bedrohlich aus, wie zum Ende der Welt) und sagt, oh man, laß mal schnell zusammen räumen, es gibt gleich ein Mordsgewitter, der andere statt nach oben aber auf sein Smartphone guckt und mit Inbrunst verkündet,"Nein, es gibt heute keinen Regen" , dann ist der andere sicher keine Person, mit der ich diskutieren würde.

    Bei einer privaten Diskussion, bei der es nicht um zu treffende Entscheidungen geht, sollte es niemals darum gehen, wer Recht hat. schon gar nicht das Ziel, den anderen von seiner Meinung zu überzeugen, so daß er die eigene aufgibt.
    Besonders anregend kann es sein, wenn man einen Standpunkt nur für die Diskussion annimmt, die Debatte also rein als sportlichen Wettkampf.

    Ich nehme aber an, daß das Interesse an solchen Unterhaltungen allgemein mit den Jahren abnimmt, vor allem, wenn dann konkrete Themen wie Beruf, Haus, Kinder usw. aufkommen.

    Vielleicht findet sich mal ein Freund oder Kollege, der sich auch den Spaß am Debattieren bewahren konnte, aber in einem größeren Kreis sind allzu ernsthafte Gespräche wahrscheinlich wirklich nicht mehr opportun.

    Also Jugendlicher bedeutete "über Gott und die Welt" noch, daß an alles hinterfragen konnte und dies auch getan hat.
    Später bedeutet "über Gott und die Welt" nur noch "beliebig" oder "nichts besonderes"
    J'irai pisser sur votre bombes
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  7. #7
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    Re: Diskussionskultur in der "echten" und privaten Welt

    Ich weiß nicht ... Ich bewege mich wahrscheinlich in einer krassen Blase mit dem Namen "Institut für Philosophie". Dabei ist es weniger so, dass die Meinungen dort nicht divergieren, sondern dass es völlig normal ist, nicht dieselben Ansichten zu haben. Und davon unterschieden ist noch, dieselben Ansichten auch zu vertreten. Wer ein gewisses Maß an Kontingenz (die Abwesenheit von Notwendigkeit) bewältigen muss, um überhaupt durch das Studium zu kommen, entwickelt wohl die nötige Gelassenheit im Umgang mit anderen Ansichten. Über die Zeit hinweg wurde schon so ziemlich alles vertreten, und die Philosophie ist erstaunlicherweise dann doch meistens mitten drin. Wer Aristoteles nicht lesen will, weil Sklaverei für Aristoteles keine schreckliche Sache ist, ist hier schlichtweg falsch. Die Gelassenheit moderiert selbst die Kommunisten, (Neo-)Liberalen und die übrigen Spezialisten, die nach dem Seminar natürlich gerne über ihre politischen Themen streiten. Wobei das meinem Eindruck nach zurückgegangen ist. Politik ist in den letzten Jahren unwichtiger oder privater geworden.

    Ich denke, Gelassenheit ist trotzdem der Weg. Solange das Selbstbild daran hängt, dass irgendeine These wahr oder eine Ideologie die richtige ist, klappt das nicht. Vielleicht gelingt es, die Blockade zu durchdringen, indem man deutlich macht, dass es nicht um die Frage geht, ob die These wahr ist. Stattdessen geht es darum, ob es möglich ist zu zeigen, dass sie wahr ist. Dann lässt man dem anderen die Freiheit, auch im negativen Fall noch an etwas zu glauben. So stellt man auch die beteiligten Leute in den Vordergrund, weil es um ihre Fähigkeiten und ihr Wissen geht. Ob etwas tatsächlich wahr ist, können die Anwesenden ja sowieso selten zeigen oder widerlegen.

    Wenn sich jemand darauf einlässt, hat man die Chance, dessen Weltbild einschließlich Lücken und Schwächen kennenzulernen. Ich finde, da kann man sich ein Vorbild an Tilo Jung und seinen Interviews nehmen; der lässt die Leute ihr Weltbild schamlos ausbreiten. Wer gleich Einspruch erhebt, macht die Chance zunichte, weil die wenigsten Leute ihr Weltbild wirklich verteidigen können. Also, eine Diskussion kann auch einfach ein Austausch sein. Dass die Interviews von Tilo Jung gerade deswegen ankommen, lässt hoffen.

    Man muss sich einfach vor Augen halten, dass in gewissem Sinn das Überleben von Menschen davon abhängt, ob ihre "Erzählung" wahr ist. Wer feststellen muss, dass alles falsch ist, was das Leben bisher zusammengehalten und geordnet hat, fällt doch in ein tiefes Loch. Die daraus folgende Krise kann fruchtbar sein, aber zunächst ist es ein schlimmes Erlebnis, das man um jeden Preis vermeiden will. Was würde es für jemanden bedeuten, Zweifel daran zu haben, sein Leben lang auf der richtigen Seite gestanden zu haben? Irgendwo liegen auch die Grenzen dessen, was Gelassenheit noch leisten kann. Sobald es um den Kern der Identität eines Menschen geht, ist das kaum noch zu leisten.

    Jetzt, wo ein Grundkonsens zu vielen politischen und moralischen Fragen nicht mehr als selbstverständlich vorausgesetzt werden kann, nimmt wohl auch die Angst zu, sein Selbstbild revidieren zu müssen. Dagegen ist es recht folgenlos, von denselben moralischen Voraussetzungen aus eine Diskussion zu beginnen; selbst wenn man sich nicht einig ist, bleibt es doch eher im technischen Bereich. Das ist jetzt anders.

  8. #8
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    Avatar von Seedy
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    Re: Diskussionskultur in der "echten" und privaten Welt

    @Munro:
    wo du grade Aristoteles sagst.
    Ich hatte Politik und Philosophie unterricht.
    Grade Philosophie hat mir viel gebracht, weil ich gelernt habe über komplizierte Dinge zu resümieren*.
    Ich hab manchmal das Gefühl das es zu schnell geht.
    Manchmal muss man einen Gedanken 3 mal lesen, 3 Stunden verdauen und sich 3 Tage ne Antwort überlegen.

    Ich glaub das die heutige Hektik sofort zu antworten und sofort am ball zu sein da ein Faktor ist.
    Schwierige Dinge brauchen manchmal Zeit und die nimmt sich halt keiner mehr.
    Emotionalität spielt wohl auch eine Rolle.

    Viele nehmen es persönlich, wenn sie intellektuell aufs Maul bekommen.
    Mein Vater ist Ingenieur, für uns sind Probleme was gutes und Diskutieren ich familiäre wärme.
    Andere sehen das ehr als Streit und fühlen sich persönlich angegriffen.

    ich hab schon eine gute Freundin verloren, weil ich gerne diskutiert und gestritten hab und nie verstand das sie sich persönlich Angriffen fühlte
    Für diesen Beitrag bedankt sich alter_Bekannter
    Geändert von Seedy (05.12.17 um 02:06 Uhr)
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  9. #9
    trollig Avatar von Trolling Stone
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    Re: Diskussionskultur in der "echten" und privaten Welt

    Zitat Zitat von FrostAgent Beitrag anzeigen
    Verschiedene Menschen haben verschiedene Meinungen das ist sehr gut und wichtig, aber ebenso wichtig sind der Wille des eigenen Hinterfragens, die Selbstreflektion und die Fähigkeit sachliche Kritik auszuüben und anzunehmen.
    Das sehe ich genau so wie du, aber so manch anderer versteht das nicht und ist auch nicht willens, so zu agieren.
    Anders ist allerdings keinerlei Entwicklung an sich selbst möglich, und nur so kommt man auf andere, meist bessere Bewusstseinsebenen.
    Das ist zumindest meine Auffassung.

    Starker Eingangspost.

    Bezüglich der Diskussionskultur fällt mir auch auf, dass Menschen bei schwierigen Themen eher abblocken und kein Interesse daran haben. Das ist auch ein Problem der Gesellschaft in Deutschland, das ich so sehe.
    Geändert von Trolling Stone (05.12.17 um 12:52 Uhr)
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  10. #10
    Mitglied Avatar von versatile
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    Re: Diskussionskultur in der "echten" und privaten Welt

    Zitat Zitat von Seedy Beitrag anzeigen
    Ich diskutiere lieber hier und an anderen Orten im Netz.
    Im echten Leben habe so 4-5 Leute mit denen es sich lohnt.
    Es ist aber auch schwer Leute zu finden die diskutieren und nicht einfach streiten wollen.
    Sehe ich teils genau so, teils auch etwas anders. Es geht nichts darüber, mit Freunden zu diskutieren. Mann kennt sich und kann den anderen gut einschätzen, ebenso wird man seltener missverstanden. Diskussionen mit Fremden sind dagegen schon fast "abenteuerlich", helfen aber immens dabei den eigenen Horizont zu erweitern.
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  11. #11
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    Avatar von FrostAgent
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    Re: Diskussionskultur in der "echten" und privaten Welt

    Zitat Zitat von Seedy Beitrag anzeigen
    Im echten Leben diskutiere ich nicht gerne über politische Sachen, dass vergiftet meist den ganzen Raum.
    Selbst so ne Kleinigkeiten wie "Bundeswehr im inneren" kann ganz schnell eskalieren.
    Aber warum? Warum kann man solche Dinge scheinbar mit anonymen und völlig fremden Menschen besser diskutieren?
    Gerade wenn man sich kennt und zu schätzen weiß, sollte man doch über alles reden können. Ich habe auch nie verstanden, warum es manchmal heißt oder früher hieß, dass man über Dinge wie Politik und Religion besser nicht reden sollte.

    Es hat doch niemand etwas zu befürchten, wenn jemand an etwas glaubt, die eine oder die andere Position vertritt oder Partei X wählt. Es ist doch nichts dabei und es hat doch jeder seine ganz persönlichen Gründe dafür. Sind diese Gründe nicht fundamentiert genug, dass die Leute es sich nicht trauen darüber zu sprechen, weil ihr Weltbild durch eine andere Meinung oder ein kritisches Nachfragen direkt zerfällt oder ist es eine grundsätzliche Scheu gegenüber möglichen Konflikten und Reibungspunkten?

    Den Faktor der Zeit finde ich tatsächlich interessant, hier habe ich mehr Zeit zu überlegen und auszuformulieren. Im echten Leben hat man diese Zeit meist nicht, ich persönlich versuche dann einfach laut und offen, ggf. fragend zu denken, wenn ich nicht direkt die optimale Stellungnahme parat habe, um Offenheit zu signalisieren und vielleicht auch gemeinsam an einer Antwort zu arbeiten.

    Zitat Zitat von KaPiTN Beitrag anzeigen
    Besonders anregend kann es sein, wenn man einen Standpunkt nur für die Diskussion annimmt, die Debatte also rein als sportlichen Wettkampf.
    Nicht nur das, ein anderer, dem eigenen vielleicht fremden Standpunkt, kann doch super das Denken aller Gesprächsbeteiligten anregen, mal ganz abgesehen davon, dass man damit seine eigene Meinung direkt selbst schon beginnt zu hinterfragen. Allerdings erfordert dies beim Gegenüber auch eine gewisse Offenheit und Akzeptanz, ich mache das nämlich auch sehr gerne, aber dann kommen häufig die emotionalen und rechthaberischen Antworten, als dass vielleicht aktiv und gemeinsam nachgedacht wird, ob an dem anderen Standpunkt vielleicht tatsächlich etwas dran sein könnte.


    Ich kann mir auch vorstellen, dass das wie so vieles mit der Erziehung und generellen Bildungserfahrung zu tun hat.
    Ich wurde sehr kritisch erzogen, hatte auch ein zwei Lehrer die mich darin bestärkt haben und bin durch hobbybezogene Engagements (und Forenaktivitäten) auch in meiner Freizeit immer irgendwie im Bereich der Debatten und Stellungnahmen unterwegs gewesen, was mich persönlich dahingehend glaube ich alles ganz gut geprägt hat. In die andere Richtung geht es sicherlich genauso, auch wenn es für mich persönlich bis zu einem gewissen Grad eine Selbstverständlichkeit sein sollte, in der Hoffnung nicht zu viel zu verlangen.
    Für diesen Beitrag bedankt sich theSplit
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  12. #12
    The REAL Cheshire Cat Avatar von TBow
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    Re: Diskussionskultur in der "echten" und privaten Welt

    Zitat Zitat von FrostAgent Beitrag anzeigen
    Aber warum? Warum kann man solche Dinge scheinbar mit anonymen und völlig fremden Menschen besser diskutieren?
    Weil man anonym etwas aussprechen kann, was man im realen Leben nicht so einfach dem Mitdiskutanten an den Kopf werfen kann.
    Schon aus Rücksicht auf die Befindlichkeiten des Gegenübers sind manche Argumente zu unterlassen. Wer will schon Freunde brüskieren, indem er sie in Verlegenheit bringt?
    Viele fühlen sich eben persönlich angegriffen, wenn man gewisse Aspekte anspricht.

    Es hat doch niemand etwas zu befürchten, wenn jemand an etwas glaubt, die eine oder die andere Position vertritt oder Partei X wählt.
    Mach einfach mal einen Selbstversuch und vertritt in manchen Gesprächen eine sehr extreme Position.
    Wie wäre es zB mit einer Position, die sogar das Bundesverfassungsgericht noch vor 50 Jahren vertreten hat. Kann doch nicht so falsch sein.
    "Das ausleben homosexueller Praktiken ist gesellschaftszerstörend und einer strafrechtlichen Verfolgung dieser Personen steht nichts im Wege".
    Auch wenn deine Gesprächspartner dein Ansinnen tolerieren, dann heißt das noch lange nicht, dass deine Ansichten nicht anderen zur Kenntnis gebracht werden. Schon bist du in einer Schublade gefangen und andere Äußerungen deinerseits werden dann so interpretiert, dass sie zur Schublade passen. Das werden dich dann auch deine Bekannten spüren lassen. Im Berufsumfeld spürt man das wahrscheinlich auch. Dein engster Freundeskreis, wird vielleicht/wahrscheinlich mehr Facetten deiner Persönlichkeit kennen und dich vielschichtiger beurteilen, andere jedoch nicht. Dann bist du und bleibst du der Homofeind von nebenan. Um das los zu werden, hast du dich lange Zeit bei vielen Gelegenheiten zu erklären und zu rechtfertigen.
    Für diesen Beitrag bedankt sich FrostAgent
    Geändert von TBow (06.12.17 um 22:59 Uhr)
    Danke Edward Snowden, DANKE!

  13. #13
    \''; DROP TABLE user; --

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    Avatar von electric.larry
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    Re: Diskussionskultur in der "echten" und privaten Welt

    Ich bemerke auch in meinem Umfeld, dass wirklich spannende Diskussionen in großer Runde seltener geworden sind. Anfang/Mitte Zwanzig sind wir oft stundenlang mit ein paar Flaschen Wein im Gepäck im Park gesessen und haben über Gott und die Welt diskutiert. Inzwischen haben die Leute Familie und vielfach Jobs, bei denen sie ohnehin den ganzen Tag kommunizieren müssen und entsprechend wenig Bedürfnis verspüren, nach der Arbeit weiter zu diskutieren.

    Dass über grundlegende Fragen weniger gesprochen wird, liegt wahrscheinlich auch am Alter - sprich: der Summe der Erfahrungen -
    der Leute in meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Während man als Teenie auf der Suche nach einem Selbstbild viele Themen streift, immer neue Inputs in Gesprächen bekommt und das eigene Weltbild über den Haufen wirft, hat man mit Mitte/Ende 30 doch schon vieles erlebt, die meisten tiefgründigen Fragen für sich selbst beantwortet und eine mehr oder weniger gefestigte Persönlichkeit mit zugehörigen Ansichten - man könnte es auch Vorurteile nennen - entwickelt.
    Und diese "Vorurteile" müssen nicht zwangsläufig negativ konnotiert sein. Sie sind die Summe aller Erfahrungen und Erwartungshaltungen in der Lebenswelt eines Menschen. Wir befinden uns in einer höchst komplexen Welt und haben scheinbar so viele Möglichkeiten, dass es schwer ist, zu entscheiden, wer man denn eigentlich sein möchte. Auf uns prasseln ständig von allen Seiten Informationen und Meinungen ein. Ohne unsere Vorurteile - eine ausgeprägte Persönlichkeit - wären wir einen Großteil des Tages damit beschäftigt unser Weltbild zu hinterfragen und würden uns wahrscheinlich schwer tun, uns selbst in der Gesellschaft einzuordnen. Dementsprechend schwierig ist es aber auch, diese gefestigten Persönlichkeiten in einer Diskussion von einer anderen Meinung zu überzeugen.

    Aber auch wenn die Diskussionen über - nennen wir es - philosophische Themen rar geworden sind, könnte ich mich nicht über die Diskussionskultur an sich beschweren. Gerade in meinem "angestammten" Freundeskreis, wo sich die Leute zum Teil seit Jahrzehnten kennen - weiß man, dass man ohne belegbare Argumente niemanden von seiner Meinung überzeugen kann. Liegt vielleicht mitunter daran, dass viele Leute Unternehmer geworden sind, die gelernt haben, Gespräche mit Mitarbeitern und Kunden zu führen oder sie sind Lehrer oder in der Wissenschaft, wo man Informationen einigermaßen klar formulieren und belegen muss. Wird eine Behauptung aufgestellt, die in der Runde angezweifelt wird, wird schnell die Wikipedia am Handy bemüht oder irgendwelche Zeitungsartikel im Netz ausgegraben. Natürlich unterbricht man einen Freund schneller, oder wirft ihm ruppige Worte zu, schließlich kennt man in den meisten Fällen seine Ansichten bereits und hat weniger Hemmung, als einem Fremden gegenüber.
    Gerade in diesem Kreis ist es aber einfach zu diskutieren, weil man in einer gemeinsamen Filterblase sitzt und über viele Jahre eine gewisse Gleichschaltung unter den Leuten passiert ist.

    Durch meinen Beruf habe ich aber auch regelmäßig mit Leuten zu tun, denen ich "in der freien Wildbahn" niemals begegnen würde, bzw. solche, um die ich auf einer Party einen großen Bogen machen würde, weil sie mir vom Auftreten her unsympathisch wären. Am Ende eines Meetings geht man dann gemeinsam auf einen Kaffee oder ein Bier und man hört Meinungen, die Leute innerhalb meiner Blase nicht teilen würden. Aber gerade das sind die Diskussionen, die mir einen Einblick in die Realität z. B. einer anderen Gesellschaftsschicht geben. Ich bin auch nicht selten überrascht darüber, wie Leute, die sich eigentlich auf gleichen Orten wie ich bewegen, die Welt wahrnehmen. Irgendwie geht man doch davon aus, dass wir in der selben Stadt leben, durch andere Augen sieht die gleiche Realität jedoch manchmal ganz anders aus.
    Unlängst hat mir ein Gesprächspartner erklärt, wie gefährlich Wien geworden ist, dass die U-Bahn inzwischen so furchtbar ist, dass er nur noch mit Taxi oder Car2Go unterwegs ist und dass er in manchen Bezirken nachts nicht alleine unterwegs sein möchte. Ich musste lachen, schließlich lebe ich seit Jahren in diesem Bezirk, spaziere fast täglich mit meinem Kind in der Dunkelheit durch die engen Straßen hinter dem Bahnhof und fahre mit der "abscheulichen" U-Bahn ins Büro ohne mich zu ekeln. Noch nie hatte ich hier eine gefährliche Situation oder musste mich gegen irgendwelche Angreifer zur Wehr setzen.
    Dennoch finde ich es hilfreich, diese Meinungen zu hören, erklärt es schließlich, wie es z. B. zu politischen Meinungen vieler Menschen kommt. Sie haben ein gewisses Bauchgefühl, werden durch irgendwelche Facebookpostings oder reißerische Artikel in populistischen Zeitungen bekräftigt und übernehmen eine Ansicht, ohne sich jemals selbst ein wirkliches Bild davon gemacht zu haben. Und das passiert nicht nur "den Anderen", auch ich selbst sehe oft auch nur das, was ich gerne sehen möchte und nicht, was eigentlich vor mir liegt.

    Wenn ich genau darüber nachdenke, bin ich sogar überrascht darüber, wie gut es um die Diskussionskultur im persönlichen Umgang steht, obwohl es stark an positiven Rolemodels in der Öffentlich mangelt. Wenn ich mir Fernsehdiskussionen zwischen Politikern - unseren "Volksvertretern" - ansehe, möchte ich manchmal nur noch kotzen. Obwohl den Beteiligten klar sein muss, dass ihr Gespräch von hundertausenden Zusehern verfolgt wird, schreien sie so wild durcheinander, dass es unmöglich ist, der Diskussion zu folgen und auch die Moderatoren scheinen manchmal dabei überfordert, dieses Verhalten, das man sich eher in einem Kindergarten erwarten würde, zu unterbinden.

    Wie sehr sich die Streitkultur, vor allem zwischen hochrangigen Persönlichkeiten des öffentlichen Interesses geändert hat, wurde mir im letzten Jahr bewusst. Der Fernsehsender ATV hat 2016 in Anlehnung an eine historische TV Konfrontation von 1970 zwischen den Bundeskanzler-Kandidaten Klaus und Kreisky, die ohne jegliche Moderation ein ernsthaftes und verständliches Gespräch führten, ein sogenanntes TV-Duell zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten, Van der Bellen und Hofer, inszeniert. Während es die Herren in den 70ern schafften, ein vernünftiges Gespräch ohne grobe Beleidigungen zu führen, blamierten sich die Kandidaten von 2016 während ihrer Diskussion so sehr, dass man sich nur noch mit Fremdschämen vor den Fernsehschirmen helfen konnte und hoffte, dass doch endlich ein Moderator dazwischen gehen möge.
    Und das Gespräch zwischen Klaus und Kreisky war kein Einzelfall. Schaut man auf eine Diskussion knapp 15 Jahre später zwischen Kreisky und Mock (1983), kommt auch diese ohne Moderation und persönliche Beleidigungen aus. Diskutiert wurde nicht mit Angstmache und unüberpüfbaren Behauptungen, sondern auf einem Niveau, das man im heutigen Fernsehen viel zu oft vermisst.

    Freilich, die Schuld ist nicht nur bei den Diskutanten zu suchen. Medien leben vielfach von Aufregern, das schlägt sich schon alleine in der Inszenierung von derartigen Diskussionen nieder. Die Sendungen nennen sich nicht "Diskussion zwischen X und Y" oder "Gespräch von Partei X und Y", man nennt diese medialen Veranstaltungen TV-Duell, TV-Konfrontation oder Streitgespräch. Der Veranstalter und der Zuseher erwarten beinahe eine öffentlichen Kleinkrieg, einen medialen Gladiotorenkampf. Diejenigen, die es in der Hand hätten, ein vernünftiges Gespräch zu führen, wissen, dass der Lauteste mit den meisten Schlagzeilen gewinnt, egal ob diese positiv oder negativ sind.

    Und wenn es an positiven Vorbildern - sei es in der Spitzenpolitik, den Medien, der Familie oder dem Freundeskreis - fehlt, ist es wenig verwunderlich, dass Leute verlernen, vernünftig miteinander zu diskutieren, egal ob sie der selben oder einer anderen Meinung sind.

    Die Schuld alleine auf die "sozialen" Medien zu schieben, finde ich persönlich aber viel zu kurz gegriffen. Das Medium selbst, seien es Facebook und Twitter, oder die philosophische Stammtischrunde, können maximal den Rahmen vorgeben, die Verantwortung, respektvoll miteinander umzugehen, liegt bei den Teilnehmern.

  14. #14
    1998

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    Avatar von theSplit
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    Re: Diskussionskultur in der "echten" und privaten Welt

    Auch wenn ich selbst in einem anderen Thema "herumheule", so möchte ich mich doch zu Wort melden.

    Ich sehe eine "mit 40?" Dame jeden Morgen, verheiratet, Kinder, die mit mir die Busstrecke teilt, das ist an sich auch nichts merkwürdiges, wenn man feste Zeiten hat und regelmäßig dort unterwegs ist.

    Irgendwann hat sie mich, nicht ich Sie.... angesprochen. Wir sind dann so ins Gespräch gekommen...

    Erst heute haben wir über Arbeit, Alter, Wohnung, Rente, Jugend und deren Verhalten (einer Nachbarstadt, wir sind beide von unterschiedlichen Dörfern), den Weihnachtsmarkt, Kirche/Religion, Konzerte gesprochen und noch irgendwelchen anderen Sachen, was sie für 17 Jahre gemacht hat, damals in Rumänien und das sie eingebürgert wird und ihr Mann eh schon Deutsch ist, das sie ein Ferienhaus dort haben was sie selbst renovieren usw usw..... und und und....

    Ich meine, das ist, so irrwitzig es erscheint, ein Zeichen dafür, es "geht noch". Man kann sich auch mit Fremden gut unterhalten, wobei ich die Dame nie nach Ihrem Namen gefragt habe... wir sehen uns und wir quatschen einfach. Das ist etwas komisch vielleicht, aber das ist auch so, wir beide warten doch eh darauf endlich in die Stadt zu kommen, damit wir beide zu unseren Arbeitsplätzen - ich weiß wo sie ihre Weihnachtsfeier hatte, was sie beruflich gemacht hat und macht und das "morgen" eine Kita Gruppe zu Besuch kommt, die sie indirekt bei Ihrer Arbeit unterstützen. Die Frau steht eigentlich meiner Meinung nach voll im Leben.

    Es ist in so fern interessant, ich muss die Frau nicht kennenlernen, ich höre ihr zu, sie hört mir zu - und eigentlich merkt man "hey, man kann sich unterhalten" und die Busfahrt ist auch nicht mehr so dröge. Ich bin manchmal schon ein wenig traurig, wenn sie "nicht" mitfährt weil sie Spätschicht hat....

    Wie dem auch ist. Man kann mit "Fremden" zum Teil sogar besser reden, zeigt mir diese Erfahrungen, eben weil man eine gewisse Distanz hat auf der einen Seite, auf der anderen Seite habe ich doch auch nichts zu beweisen, ich kenne sie ja nicht "Privat" - und eigentlich mag ich dieses "lockere" Verhältnis.

    ---

    Etwas zu "neuen Medien": Wir leben halt in einer etwas schnelleren Zeit, ich glaube man muß nicht zwingend einen Philosophie Kurs miterlebt haben um Gedanken formulieren zu können. Aber die Zeit wird nur "schneller" - alles wird rasanter, wir schreiben jemanden auf dem Handy, die Nachricht ist in Sekunden übermittelt, egal wo diese Person ist - gefühlte 2 Sekunden später haben wir eine Antwort.

    Und da "könnte" ein Problem liegen, wir sind gewohnt fast "instantly" also direktes Feedback zu erhalten. Schnelllebig. Egal was wir tun, getan haben oder gerade denken oder sagen wollen. Die mobile Kommunikation und damit die "Freunde" sind immer in der Hosentasche und die Antwort auf die Frage ist so gut wie "eingeplant".

    Kommunikation kann aber be- oder entschleunigen - lasse ich mir, das meinte ich mit dem Philosophie Kurs der hier angesprochen wurde, mit meiner Antwort Zeit - oder tippe ich schnell etwas in die Tasten damit "das erledigt" oder "kommentiert" ist?

    Es geht mir ja zum Teil selbst so, es gibt einige Momente, da will man lustig sein und quatsch allen erdenklichen "geistigen Müll" - ganz einfach weil es Spaß macht, ohne darüber nachzudenken, "meine ich das wirklich so", "ist die Antwort überhaupt korrekt", "habe ich andere Erfahrungen das ich das so nicht schreiben sollte", "sollte ich das dieser Person jetzt wirklich sagen" ?

    Denkt man noch nach? - Will man das oder will man Spaß haben und einfach das erzählen was einem gerade in den Kopf kommt?

    Und ich glaube, in diesem Umfang und was das "Ausformulieren und "Über"denken von Worten oder Gedanken sind" daran haben die neue Medien schon schuld. Nicht nur in Bezug auf Konsum, aber wir alle miteinander das wir auf den "Speed-Train" aufsteigen.
    Gruß theSplit
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  15. #15
    Warp drölf

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    Avatar von godlike
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    Re: Diskussionskultur in der "echten" und privaten Welt

    @theSplit: Herzlichen Glückwunsch, du hast den Smalltalk entdeckt

    Zitat Zitat von electric.larry Beitrag anzeigen
    Ich bemerke auch in meinem Umfeld, dass wirklich spannende Diskussionen in großer Runde seltener geworden sind. Anfang/Mitte Zwanzig sind wir oft stundenlang mit ein paar Flaschen Wein im Gepäck im Park gesessen und haben über Gott und die Welt diskutiert. Inzwischen haben die Leute Familie und vielfach Jobs, bei denen sie ohnehin den ganzen Tag kommunizieren müssen und entsprechend wenig Bedürfnis verspüren, nach der Arbeit weiter zu diskutieren.
    Dem kann ich jetzt nicht ganz zustimmen. Also die Themen verschieben sich sicherlich etwas, man hat auch nicht immer die Kraft eine erneute Grundsatzdiskussion über XY zu führen, im Großen und Ganzen hat sich bei mir und meinem Umfeld aber wenig verändert. Man hat - im Gegenteil zu früher in jungen Jahren, auch mehr Ahnugn von Allem. Kann sich so noch differenzierter austauschen. Und ich habe wie weiter Oben schon erwähnt auch Bekannte und Freunde die jenseits der 50 sind. Mit denen kommt es auch mal vor das man sich 5 Stunden über Politik unterhält und es auch mal hitziger wird.

    Aber ja, ab und an kenne auch ich die Situation das ich einfach keinen Bock habe groß auf etwas ein zu gehen, auch wenn ich komplett anderer Meinung bin, und so einfach zustimme Ist auf jeden Fall ab und an einfacher. Hat dann halt nichts mehr mit Austausch zu tun oder einer Entwicklung - ist dann halt das klassische Ja und Amen sagen.

    Zitat Zitat von electric.larry Beitrag anzeigen
    Durch meinen Beruf habe ich aber auch regelmäßig mit Leuten zu tun, denen ich "in der freien Wildbahn" niemals begegnen würde, bzw. solche, um die ich auf einer Party einen großen Bogen machen würde, weil sie mir vom Auftreten her unsympathisch wären. [...]
    In ähnliche Situationen kann man sich auch mit Absicht begeben und das ist wirklich ganz interessant. Habe mich auch schon mal einen Abend mit obdachlosen Osteuropäern an einem Platz in Stuttgart quasi unterhalten und nebenher getrunken. So oft wurde ich noch selten von der Polizei kontrolliert in den paar Stunden. Das ist dann schon recht krass wie es sich mal aus deren Perspektive anfühlt. Oder in ner schönen Kaschemme mit den seltsamsten Menschen ins Gesüräch kommen. Oder das Gegenteil auf einer Partymeile mit den ganzen Schickimickis... Ab und an sollte das Jeder mal machen, einfach um seinen Blickwinkel auch mal verlassen zu können und alles aus einer anderen Perspektive sehen zu können. Kann ungemein lehrreich sein für sein eigenes Leben.

    Zitat Zitat von theSplit Beitrag anzeigen
    Etwas zu "neuen Medien": Wir leben halt in einer etwas schnelleren Zeit, ich glaube man muß nicht zwingend einen Philosophie Kurs miterlebt haben um Gedanken formulieren zu können. Aber die Zeit wird nur "schneller" - alles wird rasanter, wir schreiben jemanden auf dem Handy, die Nachricht ist in Sekunden übermittelt, egal wo diese Person ist - gefühlte 2 Sekunden später haben wir eine Antwort.
    Dem kann man aber zum Glück entgegen wirken. Ich wurde auch schon gefragt warum ich in WA nicht gleich antworte. Wenn man dann erklärt das man nicht alle 2 Minuten auf sein Handy schaut kapieren es die Meisten auch sehr schnell. Im Gegenteil, viele meiner Kontakte sind eher Menschen die mehrere Stunden oder auch mal 2 Tage brauchen bis sie antworten Das mag auch am Alter liegen, k.A. Wenn etwas wichtig ist ruft man eh besser kurz an.

    Zitat Zitat von theSplit Beitrag anzeigen
    Denkt man noch nach? - Will man das oder will man Spaß haben und einfach das erzählen was einem gerade in den Kopf kommt?
    Na ich hoffe doch! Nur weil man etwas per Whattsapp oder SMS oder sonst wie sagt muss es ja nicht gleich schlecht formuliert sein. Dieses ganze HDL, FDH und wie der Dreck auch heiß kann an sich auch sparen bei Menschen die einem wichtig sind. Ich rotz denen ja auch nicht einfach so ins Auto. Wenn mir jemand etwas Wert ist behandle ich ihn mit Respekt und da gehört es auch dazu sich einigermaßen vernünftig zu Unterhalten. Wobei man sich über diese Kanäle doch eh nur zum Unterhalten verabredet oder? Also mehr als ein paar Sätze schreibe ich da selten. Aber das kann auch an mit liegen.
    Für diesen Beitrag bedankt sich Snake Pilsken
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