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Thema: DSL-Störungen: EMV-Störer - Funktionsweise, praktische Messungen und Tipps

  1. #1
    SYS64738

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    Avatar von thom53281
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    DSL-Störungen: EMV-Störer - Funktionsweise, praktische Messungen und Tipps

    Hallo zusammen.

    Leider findet man zu diesem Thema recht wenig Informationen im Internet. Fehler dieser Art sind zwar eher selten, durch die immer stärkere Zunahme von Schaltnetzteilen nehmen aber auch Probleme dieser Art zu. Wurde das Problem auf einen EMV-Störer eingegrenzt, werden leider sehr oft falsche Tipps gegeben. Was ein EMV-Störer genau ist und welchen Tipps man trauen kann, möchte ich in diesem kleinen Leitfaden aufzeigen.


    Was ist ein EMV-Störer?

    Als EMV-Störer bezeichnet man Elektrogeräte, die eine unerwünschte Störausstrahlung auf das Stromnetz haben und dadurch andere Dienste stören können. Davon betroffen können sämtliche Dienste sein, die per Modulation ein Nutzsignal übertragen bzw. empfangen. Beispiele sind Radio/UKW, Hifi-Verstärker, Ethernet, analoge Telefone, etc. Am öftesten dürften aber ADSL/ADSL2+ und VDSL von dem Problem betroffen sein.

    Ich beschreibe nun das Problem am einfachsten Fall, einem defekten Schaltnetzteil. In den meisten Fällen sind defekte Schaltnetzteile Verursacher solcher Probleme. Aber auch beispielsweise Kontaktfehler im Stromnetz oder gar Richtfunk haben bereits solche Probleme verursacht. Zunächst einmal sehen wir uns (grob vereinfacht) den Prinzipiellen Aufbau eines Schaltnetzteiles an.

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Name:	Schaltnetzteil.png 
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    Auf der Eingangsseite passiert die Netzspannung von 230V~ 50Hz ein Filternetzwerk und wird daraufhin gleichgerichtet und noch einmal gesiebt. Dann kommt die "Magie", eine Transistor-Schaltstufe zerhackt die gleichgerichtete Netzspannung zu einer Wechselspannung von beispielsweise 230V mit 1000kHz. Je höher die Frequenz, desto effektiver wird der Transformator und kann so deutlich kleiner ausfallen. Gängige Frequenzen von Schaltnetzteilen befinden sich im Bereich von 500-2000kHz. Im Transformator wird dann von 230V 1000KHz auf 12V 1000KHz heruntertransformiert. Nach dem Transformator wird die Wechselspannung erneut gleichgerichtet und gesiebt und kann dann als 12V Gleichspannung verwendet werden.

    Allgemeines Problem bei Schaltnetzteilen ist, dass durch das "Zerhacken" der zuvor gleichgerichteten 230V Netzspannung starke Oberwellen entstehen. Man kann sich die Transistor-Schaltstufe so ungefähr vorstellen wie mit einer Schleuse, die in der Sekunde tausendmal geöffnet und geschlossen wird.

    Links kommen die 230V Gleichspannung an, rechts kommen 230V mit 1000kHz heraus.

    Name:  Schleuse.gif
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    Daher muss jedes Schaltnetzteil mit einem ausgeklügelten Filternetzwerk ausgestattet sein, da es sonst auf das Stromnetz stört. Probleme verursachen Schaltnetzteile, welche ab Werk unzureichend entstört wurden oder defekt sind (z. B. Kondensator des Filternetzwerks defekt). Dann passiert folgendes:

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    Dieses Netzteil liefert aber weiterhin problemlos Strom. Es fällt meist dem Betreiber gar nicht auf, dass dieses Netzteil nun defekt ist und stört.


    Auswirkungen auf Breitbanddienste/DSL

    Zunächst stört ein solches defektes Netzteil nur auf das Stromnetz. In der Regel liegen Strom- und Telefonkabel im Boden aber nebeneinander. Dort überträgt sich nun das Störsignal vom Strom- auf das Telefonkabel und stört den DSL-Anschluss. Eine Beeinflussung passiert in den wenigsten Fällen im Haus, da die Wege, in denen Strom- und Telefonkabel nebeneinander laufen, zumeist zu kurz sind um ein ausreichendes Nebensprechen zu ermöglichen.

    Name:  Erdkabel.png
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    Die Auswirkungen auf DSL können ganz unterschiedlich sein. Viele Störungen, die vom Stromnetz kommen, können vom DSL problemlos kompensiert werden. Ist die Störung aber zu stark und im passenden Frequenzbereich, so bekommt DSL aber ein Problem. Von leicht erhöhten Werten bei den FEC-Fehlern, gelegentlichen Abbrüchen bis gar zum Totalausfall kann alles passieren. Zum Teil wurden mit defekten Netzteilen auch bereits ganze Straßenzüge und Ortschaften lahmgelegt. Das ist aber eher die Seltenheit.


    Beispielanschluss ADSL2+ mit EMV-Störer

    Um den Einfluss auf einen DSL-Anschluss noch zu verdeutlichen, habe ich einmal bei mir im Haus einen EMV-Störer in Betrieb genommen. Disclaimer: Ich habe dieses Netzteil mit Bedacht ausgesucht. Es handelt sich dabei um einen relativ leichten EMV-Störer. Die Anschlüsse in der Nachbarschaft waren zu keinem Zeitpunkt gestört.

    Das hier ist der Bastard (festhalten!):



    Entspricht der hochsicheren "China Export"-Norm, nur chinesische Schriftzeichen. Transformiert 230V~ 50Hz auf 48V- (Kaltgerätestecker) herunter und wird beispielsweise mit günstigeren Elektrorollern ausgeliefert. Empfindliche Gemüter sollten dieses Netzteil nicht aufschrauben, geschweige denn, betreiben. Messungen mit dem Spektrumanalysator (Frequenzbereich von ADSL2+, 0-2,2MHz) an der Steckdose bestätigen, dass dieses Netzteil stört (freie Steckdose in der Nähe, PE-Leiter):

    Störer aus Störer ein
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    Es wurden jeweils das konkrete Spektrum und das Geräusch asymmetrisch und symmetrisch gemessen. Mit letzterem meine ich folgendes:

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    Messungen am APL auf einer freien Ader:

    Die freie Ader liegt dabei in der Muffe vor dem Haus Reserve, ist daher ca. 20m lang.

    Störer aus Störer ein
    asymmetisch Klicke auf die Grafik für eine größere Ansicht 

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    symmetrisch Klicke auf die Grafik für eine größere Ansicht 

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    Bei der symmetrischen Messung erkennt man hier recht schön das Nebensprechen durch den Upload der aufgeschaltenen DSL-Anschlüsse. Bei der asymmetrischen Messung ist aber der Einfluss durch den EMV-Störer deutlicher erkennbar.

    Beispielanschluss ist ein gewöhnlicher ADSL2+-Anschluss (Profil 6J) der Telekom auf Basis von Annex J. Router ist eine Fritzbox 3270 mit aktueller Firmware.


    Anschluss in ungestörtem Zustand:
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    Der DSL hat hervorragende Werte und genügend Reserve. Bei der asymmetrischen Messung fällt aber auf, dass bereits ein leichtes Geräusch auf dem Kabel ist, welches aber keinerlei Probleme bereitet. Bei der symmetrischen Messung kann man noch gut den Upstream- und Downstream-Bereich erkennen, während der Downstream-Bereich bei der asymmetrischen Messung schon fast nicht mehr feststellbar ist (durch die weite Entfernung zur Vermittlungsstelle schon relativ schwach).


    Störer aktiv:
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    Das in der Fritzbox angezeigte Spektrum wird etwas rauher im Bereich um 1,2MHz. Die Leitungskapazität nimmt um ca. 500KBit/s ab, der SNR um 1dB. Bitswap ist nun plötzlich eingeschaltet, d. h. Bits wurden vom DSL von den gestörten auf weniger gestörte Trägerfrequenzen umverteilt. Bei der asymmetrischen Messung hat das Geräusch deutlich zugenommen, während die Auswirkungen bei der symmetrischen Messung kaum erkennbar sind. Bei einer einwandfreien symmetrischen Verdrahtung haben viele EMV-Störer kaum eine Auswirkung. Interessant daran ist auch: Obwohl das Netzteil im kompletten Frequenzbereich von 0-2,2MHz stört, wirkt es sich nur bei 1,2MHz besonders stark aus.
    Geändert von thom53281 (06.06.18 um 18:01 Uhr) Grund: Typo

  2. #2
    SYS64738

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    Re: DSL-Störungen: EMV-Störer - Funktionsweise, praktische Messungen und Tipps

    Wie wir gesehen haben, wirkt sich zumindest dieser Störer relativ wenig aus, da die vorhandene Verdrahtung einwandfrei ist. Im zweiten Schritt möchte ich daher nun auch zeigen, was passiert, wenn die Verkabelung einmal nicht einwandfrei ist. Ich habe daher den folgenden Fehler einmal künstlich nachgestellt und einen Nebenschluss im APL gelegt:

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    Ein solcher Fehler kann auch in der Praxis jederzeit auftreten, beispielsweise wenn das Kabel nicht sauber abgemantelt wurde (in die Adern geschnitten) oder wenn es zu stark erhitzt wurde (Isolierung geschmolzen).

    Auswirkungen dieser Verdrahtung auf den DSL:

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    Wie man sieht, ist die Leitungskapazität des DSL bereits jetzt deutlich niedriger als mit einwandfreier Verdrahtung. Beim kompensierten Leitungsstörer handelt es sich aber nicht um das o. g. Netzteil, sondern vermutlich möglicherweise um die Resonanzfrequenz der Nebenschluss-Ader. Der Anschluss hat in dieser Form zwar eine geringere Bandbreite, es treten aber kaum FEC- und CRC-Fehler auf. Würden die Rahmenbedingungen so bleiben, könnte man durchaus behaupten, dass dieser Anschluss in der Form funktionieren würde. Vermutlich gibt es in Deutschland tausende Anschlüsse, die mit diesem Problem funktionieren und es nie jemandem auffällt.

    Nun denn, was passiert jetzt wenn wir den EMV-Störer in Betrieb nehmen?

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    Das Spektrum ist deutlich gestört. Die Leitungskapazität nimmt um 700KBit/s ab, der SNR sinkt auf 5dB und die Fehlerzähler zählen deutlich rauf. Die Fritzbox gibt auf, Neusynchronisation.

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    Der gestörte Bereich von 1,2MHz wird nun vom DSL komplett gemieden. Die Leitungskapazität sinkt erneut deutlich aufgrund der Störungen. Der DSL würde in dieser Form nun ebenfalls wieder (halbwegs) problemlos arbeiten. Allerdings, wie schon zu Anfang gesagt, haben wir es hier mit einem relativ schwachen EMV-Störer zu tun. Wäre es ein stärkerer Störer, würde der DSL sehr wahrscheinlich nun gar nicht mehr funktionieren. Vor allem: Jedes Mal, wenn das Netzteil ein- und wieder ausgesteckt wird, fliegt dieser DSL nun unweigerlich heraus.


    Was sollte ich tun, wenn mein DSL nun immer gelegentlich ausfällt? Ist das nun ein EMV-Störer?

    Zunächst ist es natürlich immer richtig, eine Störung beim Internetanbieter zu melden. Wie bereits weiter vorne gesagt, viele Fehler sind immer noch auf fehlerhafte oder defekte Verdrahtung zurückzuführen. Vielleicht kann bereits der Routinetest der Hotline einen offensichtlichen Fehler feststellen. Wenn dieser Test keinen Fehler anzeigt, muss die Leitung aber noch lange nicht fehlerfrei sein. Dennoch sollte man vielleicht zunächst vielleicht noch mit einem zweiten DSL-Router gegentesten, ob damit ebenfalls ähnliche Probleme auftreten. Wenn das der Fall ist, sollte man trotz einwandfreier Messung der Hotline auf einen Außendiensttechniker bestehen.

    Wenn bereits mehrere Außendiensttechniker keinen Fehler finden, dann kann es durchaus sein, dass der Anschluss von einem Störer betroffen ist. Einen solchen Fehler haben viele Techniker aufgrund der Schwierigkeit und Komplexität leider nicht auf dem Schirm. Leider ist es nicht immer zweifelsfrei anhand des DSL-Spektrums zu erkennen, ob ein EMV-Störer vorliegt oder nicht. Sichere Anzeichen sind aber zumeist plötzlich auftretende Einbrüche in bestimmten Frequenzbereichen oder dauerhaft vorhandene starke Kerben (nicht mit DPBO verwechseln). Nicht jedes störende Elektrogerät ist dauerhaft eingesteckt. Daher ist es bei einem zeitweisen Fehler sehr schwierig, dass der Außendiensttechniker ausgerechnet dann kommt, wenn der Fehler auch gerade vorhanden ist. Oftmals werden solche Fehler auch falsch eingegrenzt: "Kabel defekt - vorne schick ich's rein und hinten kommt's nicht mehr raus."


    Mir wurde in einem Fachforum zu XY geraten, ist das ein sinnvoller Tipp?

    Gerade in einschlägigen Fachforen gibt es viele Profis, Semiprofis und Laien. Viele davon basteln und experimentieren mit ihren Anschlüssen herum und geben dann auch gerne Tipps, wenn der Fehler einmal auf einen EMV-Störer eingegrenzt wurde. Die meisten dieser Ratschläge basieren auf eigenen Erfahrungen und wurden von den entsprechenden Personen zumeist nur an einem oder wenigen Anschlüssen angewendet. Die Tipps, die bei EMV-Störern gegeben werden, sind aber oftmals totaler Quatsch! Erfolge basieren meist auf der Tatsache, dass der Router nach einer Neusynchronisation leicht anders synchronisiert und man daher denkt, dass der Tipp etwas gebracht hat, obwohl es keinen Unterschied macht. Daher möchte ich hier ein wenig damit aufräumen.

    • Schirm durchverbinden, Kabel schirmen, geschirmte Innenleitung verwenden/austauschen

      Bringt zumeist gar nichts. Wie weiter oben bereits beschrieben, passiert eine Beeinflussung bereits fast immer im Boden vor dem Haus. Die Innenleitung im Haus ist meist zu kurz um überhaupt ein ausreichendes Nebensprechen neben dem Stromkabel zu haben und auch oftmals nicht in der Nähe von Stromkabeln verlegt. Eine geschirmte Innenleitung kann hier keine Abhilfe schaffen. Vor allem: Ein durchverbundener Schirm kann zum Teil sogar mehr Probleme bereiten, als man damit lösen möchte (Erdschleife, Brummschleife, Ausgleichsstrom, Spannungsverschleppung, Antennenwirkung). Ein im Kabel vorhandener Schirm sollte statisch wirken, also beidseitig isoliert sein. Einzig an einem geerdeten APL kann der Schirm einseitig angeschlossen werden, macht aber meist keinen Unterschied.
      
    • APL erden

      Laut offizieller Bauweise sollte der APL an der Potentialausgleichsschiene geerdet werden. In den meisten Hausinstallationen ist der APL aber erfahrungsgemäß nicht geerdet. Auch hier gilt das selbe wie beim Kabelschirm. Das Erden kann mehr Probleme bringen, als es lösen sollte. In den meisten Fällen macht es aber einfach keinen Unterschied, was sich hier in meinem konkreten Fall auch messtechnisch beweisen lässt:

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      Wenn man es ganz genau nehmen möchte, dann hat das Geräusch nach dem Erden in den niedrigeren Frequenzbereichen etwas abgenommen und in den höheren zugenommen. Ich persönlich würde das aber auf Messungenauigkeiten schieben, da diese Messung ja immer nur eine Momentaufnahme ist.

      Während sämtlicher der oben gezeigten Messungen war der APL nicht geerdet. Nicht falsch verstehen, es gibt durchaus Gründe, warum der APL geerdet sein sollte (z. B. Ableiten von Überspannung über den Kabelschirm) aber bei einem solchen Fehler bringt es nichts, z. B. krampfhaft eine Erdung quer durch das Haus zu ziehen. Man kann dieses Problem nicht durch Erden des APL beheben.
      
    • Netzfilter, Drosseln, Störfilter

      Kann etwas bringen, wenn man es denn eben richtig macht. Die meisten Erfolge in dem Bereich, wenn es sie denn gibt, basieren aber höchstens auf Zufall. Fakt ist: Der EMV-Störer sendet in einem bestimmten Frequenzbereich. Allerdings auch im selben Frequenzbereich wie der DSL arbeitet. Will man den EMV-Störer ausfiltern, so filtert man gezwungenermaßen auch automatisch das Nutzsignal des DSL aus. Es funktioniert daher nur höchstens, wenn ein etwaiger Störer ziemlich schmalbandig und pulsierend ist (einen normalen schmalbandigen Störer kann DSL auch so kompensieren). Dann kann es funktionieren, dass man diesen Frequenzbereich künstlich bedämpft und somit verhindert, dass DSL in diesem Frequenzbereich Träger belegt. Als Laie: Keine Chance.
      
    • Hochwertiges Netzteil am Router verwenden

      Oftmals wird argumentiert, dass die Störungen vom Stromnetz über das Routernetzteil in den Router übergreifen. Das ist totaler Quatsch! Wenn man sich die oben aufgezeigte Funktionsweise eines Schaltnetzteils (wie sie zu 90% mittlerweile an jedem DSL-Router sind) ansieht, dann erkennt man sicherlich auch, dass in einem solchen Schaltnetzteil mehr Störungen passieren, als sie von der Netzseite her überhaupt kommen können. Das Austauschen des Routernetzteils bringt nur dann etwas, wenn eben dieses auch defekt und der EMV-Störer ist. In diesem Fall ist es aber auch bereits ausreichend, das Netzteil durch ein passendes handelsübliches neues Schaltnetzteil zu ersetzen. Es muss kein hochwertiges Netzteil sein.


    Kann ich selbst auch etwas tun?

    Schwierig. Aufgrund der Komplexität und Seltenheit des Fehlers hat man als Experte oft bereits damit zu kämpfen.
    Sinnvoll ist es auf jeden Fall, sofern der DSL-Router die Möglichkeit hat, das DSL-Spektrum über einen längeren Zeitraum zu beobachten, ggf. Screenshots anfertigen. Treten beispielsweise bei einem zeitweisen Fehler plötzlich Einbrüche in bestimmten Bereichen des Spektrums auf, so kann das die Ursache für das Problem sein. Man kann dann versuchen, ein batteriebetriebenes Lang-/Mittel-/Kurzwellenradio auf die entsprechende Frequenz einzustellen. An Steckdosen oder zumindest dem APL sollte im Radio ein starker Brumm feststellbar sein. Mit dem Radio kann man dann versuchen, das entsprechende störende Gerät zu suchen. Am schnellsten geht es, wenn man das ganze Haus stromlos macht. Brumm weg, Haus gefunden, Brumm da, anderes Haus. Kommt der Störer nicht aus dem eigenen Haus, sollte man die Ortung den Technikern von der Telekom (bzw. anderem ISP) überlassen, es sei denn, man hat ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn (oftmals haben die erfahrungsgemäß auch Probleme ).

    Auch kann es sinnvoll sein, den Anschluss temporär von der Hotline in der Bandbreite herunterstufen zu lassen, zumindest bis der Fehler gefunden wurde. Je geringer die zu übertragende Bandbreite, desto weniger stark müssen die einzelnen Trägerfrequenzen belegt werden. Der DSL hat dann die Möglichkeit, gestörte Frequenzen zu meiden und andere ungestörte Träger stärker zu belegen.

    In den meisten Fällen kommt man aber nicht darum herum, das störende Gerät zu orten und außer Betrieb zu nehmen. Das ist vor allem dann ein Problem, wenn sich die entsprechende Person, die die Störung verursacht, querstellt: "Hab kein DSL, interessiert mich nicht."


    Verbreitete DSL-Störer, "alte Bekannte"

    • Netzteil Speedport W503 Typ A. Da wurde anscheinend mal eine Serie mit schlechten Netzteilen ausgeliefert. Netzteil raucht nach Unwetter ab, legt dann ganze Straßenzüge lahm, zum Teil sogar ISDN.
    • Netzteil AVM04047. Selbiges wie bei Speedport W503, nur nicht ganz so schlimm.
    • Netzteile von Elektrorollern, 230V->48V. Nicht nur das im Beispiel, hab schon mehrere von den Dingern außer Betrieb genommen. Hier ein weiteres Beispiel, wo so eines vorgekommen ist.
    • DLAN-Adapter Devolo 1200+ in Kombination mit Vectoring-VDSL bzw. allgemein dLAN-Adapter (erstere treten aber besonders oft in Verbindung mit Störungen auf). Siehe hier.
    • Multiswitch SAT-Anlage. Diverse Hersteller. Laufen 20 Jahre im Dauerbetrieb, dann plötzlich defekt.
    Geändert von thom53281 (15.06.17 um 09:38 Uhr) Grund: Netzteil AVM04047

  3. #3
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    Re: DSL-Störungen: EMV-Störer - Funktionsweise, praktische Messungen und Tipps

    PowerLINE, PowerLAN, dLAN

    Anbei nochmal kurz ein Exkurs zu den Devolo 1200+ dLAN Adapter bzw. allgemein zu dLAN-Adaptern. Vom Prinzip her passiert hier etwas ähnliches wie auch beim klassischen EMV-Störer. Allerdings sind doch einige Punkte im Detail unterschiedlich.

    Zunächst einmal: Was passiert in diesem Fall konkret?

    Bei dLAN passiert die Beeinflussung im Gegensatz zum klassischen EMV-Störer in erster Linie nicht im Boden/Erdkabel sondern vielmehr meistens im Haus - einfach durch die Tatsache, dass in vielen Häusern die Telefonkabel neben Stromkabeln liegen. Zudem wird in den meisten Fällen direkt die Steckdose neben dem Router verwendet. Die Adapter sind also vom DSL oft räumlich sehr wenig getrennt. Daher stören dLAN-Adapter meist nur den eigenen DSL bzw. Anschlüsse im selben Haus.

    Name:  Erdkabel.png
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    Aber auch hier passiert im Grunde das selbe: Störfrequenz auf dem Stromnetz, überträgt sich auf das Telefonkabel und stört den VDSL. Nur mit dem Unterschied, dass die Störfrequenz hier gewollt ist um Daten zu übertragen.


    MIMO- und SISO-Betrieb

    Einen sehr erheblichen Unterschied macht es, welche PowerLAN-Adapter man einsetzt und auf welche Art und Weise diese das Signal übertragen. Es gibt nach derzeitigem Stand zwei Betriebsarten:

    SISO (Single Input Single Output) - Übertragung nur über L- und N-Leiter.
    MIMO (Multiple Input Multiple Output) - Übertragung über L-, N- und PE-Leiter.

    Adapter mit höheren Bandbreiten werden immer verbreiteter und setzen fast immer auf MIMO-Betrieb um überhaupt auf die angestrebte Bandbreite zu kommen. Allerdings ist gerade der MIMO-Betrieb sehr problematisch, wie diese Grafik aufzeigt:

    Name:  sisomimo.png
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    Durch die Hohe Unsymmetrie von PE gegenüber L und N streut ein PowerLAN-Adapter im MIMO-Betrieb besonders stark im Vergleich zum SISO-Betrieb.


    Mein alter DSL lief ohne Probleme, mein neuer nun nicht mehr. Kann dLAN das Problem sein?

    Ja, auf jeden Fall. Warum das so ist, dazu muss man sich genau ansehen, welche Frequenzbereiche ADSL2+, VDSL und dLAN verwenden.

    Name:  Frequenzen.png
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    Wie man sieht, wird das Frequenzband von 0-2,0 MHz von den meisten dLAN-Adaptern ausgespart. Daher können "alte" (langsame) ADSL2+-Anschlüsse prinzipbedingt wenig bis gar nicht gestört werden (Frequenzband bis 2,2 MHz). Warum nur das Frequenzband bis 2,0 MHz ausgespart wird, hat meiner Meinung nach vor allem einen Grund:

    ADSL2+ lässt sich meist deutlich leichter stören als VDSL durch die zumeist längere Anschlussleitung bzw. höhere Signaldämpfung -> schwächeres Signal (sofern der Anschluss von der Vermittungsstelle auch weiter entfernt ist).
    Die Adapter sind so ausgelegt, dass sie bei den meisten Benutzern keine Probleme verursachen sollten. Grundlage dafür ist eben die Annahme, dass die meisten Benutzer ADSL2+ verwenden, was sich aber durch den voranschreitenden VDSL-Ausbau immer mehr ändert. Die Probleme durch dLAN-Adapter nehmen also mit der Zunahme hochbitratiger Anschlüsse auch zu.

    Viele haben daher den dLAN-Adapter als Problemquelle gar nicht auf dem Schirm, da viele dieser Adapter bereits vor der Umstellung auf VDSL schon Jahre in Betrieb sind. Besonders betroffen ist VDSL mit Vectoring.

    Warum wird das Frequenzband nicht einfach bis 17MHz ausgespart?

    Vom Prinzip her eine vollkommen berechtigte Frage. Würden die Hersteller das Frequenzband bis 17MHz aussparen, würden die Adapter mit VDSL keine Probleme machen. In der Praxis wird das aber bislang nicht gemacht. Das hat vor allem den Grund, dass man mit den Adaptern auch irgendwo noch Daten übertragen möchte und daher auch in irgendeinem Frequenzbereich senden muss. Man könnte schon ausschließlich die höheren Frequenzen verwenden aber gerade die niedrigeren Frequenzbereiche haben eine geringe Dämpfung und dadurch auch eine höhere Reichweite. Zudem befinden sich in den höheren Frequenzbereichen auch wieder Dienste, die zum Teil noch leichter zu stören sind (z. B. UKW).

    Vor allem interessant ist auch noch die Tatsache: Viele der Adapter stören den VDSL im Leerlauf nicht. Sie stören erst dann, wenn über den Adapter auch Daten übertragen werden. Wenn also z. B. der Telekom-Techniker vor Ort ist, den Router abklemmt und sein Prüfgerät anschließt, fließen über die Adapter zumeist keine Daten. Folglich passieren zu dem Zeitpunkt dann auch wenig Störungen. Und das jedes Mal wenn der Telekom-Techniker da ist. Und wieder mal findet niemand den Fehler.


    Was kann ich tun, wenn mein dLAN-Adapter das Problem ist bzw. sein könnte?

    Für einige Adapter gibt es vom Hersteller eine alternative Firmware bzw. Einstellmöglichkeiten in der Firmware. Den weit verbreiteten Devolo dLAN 1200+ kann man mittlerweile in aktuellen Firmwareversionen für VDSL-Vectoring und VDSL-Super-Vectoring konfigurieren, wie es hier beschrieben wird.

    Dies geht allerdings einher mit einer Verringerung der Bandbreite des Adapters, da der verwendete Frequenzbereich für die Datenübertragung geschmälert wird.

    Am besten ist es aber immer noch, solche Adapter gar nicht zu verwenden und ein Kabel zu legen.
    Für diesen Beitrag bedanken sich Pleitgengeier, LadyRavenous, BurnerR, cokeZ
    Geändert von thom53281 (23.09.18 um 11:16 Uhr) Grund: Devolo dLAN 1200+ neue Firmware

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