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Thema: Verstärker reparieren.

  1. #1
    Board Kater Avatar von Cybercat
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    Verstärker reparieren.

    Das in China Plagiate produziert werden ist ja nichts neues.

    Ich habe von einem Freund (Fan von lauter Technomucke) einen Vollverstärker hier stehen.
    Ein Widerstand verschmort und ein Entstufentransistor durch.
    Der Verstärker ist ein Eagle A7600. Also schon fast eine Antiquität. Der Transistor ist ein 2SD427 von Toshiba.
    Die einzige Quelle die ich gefunden habe war halt ein Händler aus China. Habe da gleich mal 5 Paare geholt.
    Resultat: Verstärker lief wider. Wurde alles wider im Partykeller angeschlossen, nach gerade mal einer Stunde knistern, eine Rauchwolke und ende.
    Wider der Transistor durch und hat noch weitere Bauteile mit ins Grab genommen. Noch mal getauscht gleich bei mir getestet. Lief ganze 5 Minuten auf mittlerer Lautstärke und wider ende.
    hatte keine Ahnung warum der wider abgeraucht ist.
    Habe dann mal den alten originalen Transistor (TO-3 Gehäuse) und den neuen aufgesägt.
    Der Chip war bei dem neuen aus China gerade mal halb so groß.

    Eine erste Internetrecherche lieferte Zu Tage das die sogar Transistoren fälschen.

    Habe dann meine Sammlung durchsucht und einen 2N3055 gefunden. Ist Pinkompatibel. Zu Testzwecken ein eingebaut und läuft damit.

    Daten: 2SD427: 120 Volt, 8 Ampere, 80 Watt. 2N3055: 100 Volt, 15 Ampere, 117 Watt.

    Die Betriebsspannung der Endstufe liegt bei +/- 45 Volt.

    Spricht was dagegen alle 2SD427 gegen 2N3055 und die 2SB557 gegen den MJ29555 auszutauschen?

    Vom Rauschverhalten sollen die schlechter sein.
    Aber wer laute Technomusik hört, sollte da doch keinen Unterschied raushören?
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  2. #2
    offizielles GEZ-Haustier Avatar von Pleitgengeier
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    Re: Verstärker reparieren.

    Ich nehme mal an wir reden hier von einem analogen AB-Verstärker.

    Prinzipiell tun sich Bipolartransen im NF-Bereich nicht viel, solange sie die Leistung abkönnen.
    Da sich die Ub/Ib-Kurve unterscheiden wird, musst du vll den Ruhestrom neu einstellen, das ist wirklich kritisch bei solchen Stufen da ein zu hoher Ruhestrom in einen Teufelskreis führt, der erst mit dem Tod der Stufe endet: Zu viel Ruhestrom -> Mehr Hitze an den Transistoren -> mehr Ruhestrom ->...

    Falls die Endstufe von einem Differenzverstärker gesteuert wird, auf die der Ausgang rückgekoppelt ist, musst du auch auf den Stromverstärkungsfaktor (IC/IB) der Transistoren achten, da bei einem wesentlich kleineren B durch die Gegenkopplung sonst das gegrillt wird, dass direkt vor den Transistoren hängt (meist ein kleinerer Transistor in Darlington-Schaltung)

    Edit: Die Vorspannung für den Ruhestrom wird meist über einen Halbleiter erzeugt der mit den Transistoren thermisch gekoppelt ist, zB am gleichen Kühlkörper montiert (damit die Vorspannung sinkt wenn sich der Transistor erwärmt, das wirkt dem Teufelskreis da oben entgegen).
    Du musst also darauf achten, diese thermische Kopplung nicht stören.

    Edit2: und prinzipiell ist das Bauteilefälschen nichts neues, besonders "dicke" Transistoren (To3 ist glaube ich sogar das häufigste Opfer) sind da betroffen.
    Das plagieren wäre nur für den Originalhersteller ein Problem, sondern dass die Fälschung nicht mit dem original mithalten kann ist das Problem für den Anwender.

    Man findet da auch recht exotische Bilder im Netz: Große Elkos, die aber hohl sind und einen kleineren beinhalten, der auf die Pins gelötet ist. Große Transistorgehäuse mit kleineren Transistoren drin, usw.
    Ein kleiner Transistor in großem Gehäuse oder ein ElKo mit gleicher Kapazität, niedrigerer Spannung und mieser Qualität schlüpft durch manche nachlässige Stichprobe...
    Geändert von Pleitgengeier (19.09.13 um 00:28 Uhr)
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  3. #3
    Board Kater

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    Avatar von Cybercat
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    Re: Verstärker reparieren.

    Ist ein analoger AB Verstärker.
    Jeweils zwischen den beiden NPN und PNP befindet sich ein "kleiner" auf auf dem selben Kühlkörper.

    Muss nach dem ausschlafen mal nach den passenden Datenblättern suchen.
    Meine alte Vergleichstabelle von 1984 (von ECA) liefert nur die mageren Werte die ich oben mit angegeben habe.
    Die originalen Transistoren sind leider nicht mehr zu bekommen. In China bestelle ich keine mehr.

    Den Link habe ich noch gefunden: http://www.hifi-wiki.de/index.php/EAGLE_A7600

    Aufgeben möchte ich den noch nicht.
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  4. #4
    offizielles GEZ-Haustier Avatar von Pleitgengeier
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    Re: Verstärker reparieren.

    Ich habe selbst mal etwas gesucht.
    Die schlechte Nachricht ist, RS hat ihn nicht.
    Edit: Farnell, Reichelt und Conrad auch nicht

    Also bei 5A hat er B>=20

    Hast du ein Multimeter dass kleine Spannungen messen kann?
    Normalerweise haben die Transistoren bei AB-Stufen eine Stromgegenkopplung, ausgeführt als sehr kleiner Widerstand (meist <1Ohm) am Emitter.
    Den kannst du als Shunt für den Ruhestrom missbrauchen, dann kannst du ja sehen was passiert

    Speicheroszi wäre noch besser wenn es genau ist, leider bräuchtest du da ein "potentialfreies", also eines wo die Masse nicht fix auf Erde hängt...
    Geändert von Pleitgengeier (19.09.13 um 09:56 Uhr)
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  5. #5
    Board Kater

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    Re: Verstärker reparieren.

    Die Widerstände haben 5W 0,47Ohm.
    Digital-Multimeter habe ich (fängt bei 0,1mV an). Was das Oszi angeht habe ich nur ein altes Hameg HM604.

    Ein Transistor aus der Vorstufe ist nach dem letzten Misserfolg geplatzt.
    Werde gleich mal alles was zum Brikett geworden ist tauschen. (Gut das die Platine spiegelbildlich aufgebaut ist.)
    Die Linke Seite ist noch original. Ich setzte mal die anderen Leistungstransistoren ein und messe mal beide Seiten. Dann habe ich auch einen Vergleichswert.
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  6. #6
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    Re: Verstärker reparieren.

    Das Multimeter würde dann ab ~210µA funktionieren, fragt sich nur mit welcher Messgenauigkeit.
    Dass du die andere Seite komplett hast ist sehr gut, dann kannst du dort den Ruhestrom rausmessen und vergleichen.
    Wenn du Glück hast, gibt es Potis auf der Platine mit denen man den Ruhestrom einstellen kann. Wenn du noch mehr Glück hast, ist das gar nicht nötig weil er auch mit den neuen Transen passt

    --- [2013-09-19 19:43 CEST] Automatisch zusammengeführter Beitrag ---

    Schreib doch bitte rein wie er läuft mit den neuen Transen
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  7. #7
    Board Kater

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    Re: Verstärker reparieren.

    Die Potis sind da. Jetzt weiß ich auch wofür die gut sind
    Wenn ich noch etwas Glück habe brauche ich da auch nicht dran.

    Habe heute erst mal Bauteile bestellt. Man kann ja nicht alles zu hause haben. (Auch wenn es schön wäre)
    Wenn das Teil wider läuft gebe ich mal nen Bericht ab.

    Mehrere Elektronik-Krauter in der Nähe haben schon vor Jahren dicht gemacht und ich habs verpennt.
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  8. #8
    Board Kater

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    Re: Verstärker reparieren.

    Das nächste Problem. Einer der Transistoren die den Ruhestrom regeln ist "geplatzt" Es steht "FG 9013" drauf. Denke mal FG (Steht über der Zahl) ist ein Herstellerkürzel.
    Ein 2SC9013 ist es nicht. den gab es 1979 noch nicht.
    Habe noch SS9013 C9013 STS9013 KTC9013 gefunden. alle sind im TO-92 Gehäuse, haben ähnliche Werte und ein identisches Pinning. (Auch der 2SC9013)
    Da stelle ich mir erst mal die dumme Frage ob es egal ist welchen ich nehme.
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  9. #9
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    Re: Verstärker reparieren.

    Was meinst du genau mit Ruhestrom regeln?

    Stromgegenkopplung am Emitter = Stromquelle/Stromsenke?

    Ist der Teil komplementär aufgebaut? Also Stromquelle und Stromsenke in jedem Zweig?
    Dann würde ich den Komplementärtransistor zum anderen nehmen...
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  10. #10
    Board Kater

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    Re: Verstärker reparieren.

    Der Transistor ist nur einmal pro Seite vorhanden. Sitzt in der Mitte zwischen den Leistungstransen.
    Klicke auf die Grafik für eine größere Ansicht 

Name:	P1010747.JPG 
Hits:	698 
Größe:	224,2 KB 
ID:	6054

    Auf dem Bild ist der schon ausgelötet und halt zerbröselt. Der wurde nur noch von dem kleinen Kühlblech zusammengehalten mit dem er auf dem großen geschraubt war.
    Der Scheibenkondensator hängt zwischen Collector und Emitter. die Basis führt zu dem Poti unter dem Kondensator.
    Man sieht noch die Brandspuren von den weg geglühten Widerständen. Bei der intakten Seite war auch schon einer braun verfärbt so das ich mal zur Vorsicht alle 4 gewechselt habe.
    Von den beiden im TO-220 war der Linke nur defekt und vom rechten war die Hälfte weg geflogen.
    Mittlerweile ist der Verstärker 34 Jahre alt. Ist jetzt der letzte Anlauf.

    In China bestelle ich mir in Zukunft nichts mehr.
    Nur dadurch ist aus einem Defekt ein kapitaler Schaden geworden.
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  11. #11
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    Re: Verstärker reparieren.

    Hast du die Vorstufe wieder hinbekommen?

    Wie dem auch sei, der Transistor am Kühlkörper wird eigentlich nur als temp.abhängiger Spannungsabfall missbraucht, für diese Funktion werden auch oft Leistungsdioden gewählt. Am besten sind Leistungstransistoren mit integrierten Dioden geeignet, die kosten aber...
    Die Grundidee ist, wenn sich die Leistungstransistoren erwärmen, erwärmen sie über den Kühlkörper auch den kleinen Transistor dessen U_BE dann um ca 1,8mV/K sinkt, wodurch auch die Vorspannung sinkt.
    Wenn die TO220er mit den Leistungstransen in Darlington ist, geht das Konzept davon aus, dass dieser sich nicht oder in konst. Verhältnis zum TO3 erwärmt - interessant.

    Ich weiß nicht wie er genau beschaltet ist (das müsstest du dir ansehen), aber wenn ich keinen Denkfehler habe müsste jeder Bipolartransistor passen der sich nicht durch den Ruhestrom selbst stark erwärmt (das würde aber "nur" den Ruhestrom verringern und irgendwann (wenn dieser aufhört zu fließen) zu einem echten Sprung am Nulldurchgang des Ausgangssignals führen, das wäre eine Art thermische Gegenkopplung des Ruhestromes...
    Geändert von Pleitgengeier (21.09.13 um 17:06 Uhr)
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  12. #12

    Re: Verstärker reparieren.

    PA Endstufen gibts bereits in der Einsteigerklasse für 200€ und sogar noch einigermaßen gut verarbeitet...
    Und sowas wird ein paar Technonächte auch problemlos überstehen...

    Den 2n3055 haben wir vor 35 Jahren in unsere ersten selbst gebastelten Endstufen gebastelt.
    Der Freund ist einfach zu langsam...
    Irgendwann sind wir dann auf den 2n3773 umgestiegen - der war gut und was wir für die Endstufen ausselektiert hatten wanderte in Netzteile.

    Aber wie gesagt, für 200€ bekommt man heute schon was wo nicht ganz so verkehrt ist und für 500-700€ bekommt man schon was sau gutes mit moderater Leistung.
    Wenn man das nur mal im Verhältnis sieht, wie es mit den Kosten eines Wocheneinkaufs für eine Familie aussieht, dann sieht man sofort das Elektronik eigentlich nichts mehr kostet.
    In meiner Endstufenbauzeit war das anders - da haben wir auch noch repariert und linear geregelte Netzteile gebaut anstatt für billiges Geld Schaltnetzteile zu kaufen...
    Für diesen Beitrag bedankt sich Captain Iglo

  13. #13
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    Re: Verstärker reparieren.

    Wo kann man denn für günstige Schaltnetzteile kaufen?
    Vor allem bei größerer Leistung wäre das interessant
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  14. #14
    Board Kater

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    Re: Verstärker reparieren.

    Würde mich mal so am Rand auch interessieren
    Bis jetzt nehme ich schon mal hier und da kleine Schaltnetzteile von Handys und Notebooks von Flohmärkten mit, wenn die Ausgangsspannung/Leistung irgendwie brauchbar ist. (1- max. 5 Euro)
    Irgendwie auf Dauer angenehmer als immer kleine Linear-Netzteile selber zusammen zu löten.
    Nur welche für hohe Leistungen und "billig" bekommen kriege ich nicht auf die Reihe.
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  15. #15
    Board Kater

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    Avatar von Cybercat
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    Re: Verstärker reparieren.

    So, gestern ist eine Tüte Bauteile eingetroffen.
    Mit dem 2SC9013 funktioniert das Teil jetzt wider.

    Alt ------> Neu
    2SD427 -> 2N3055
    2SB557 -> MJ2955
    2SA815 -> BC240C
    2SC1625 ->BC239C

    Mit dem Poti konnte wirklich der Ruhestrom eingestellt werden.
    Musste etwas nachregeln. c.a. 122mV über den 0,47Ohm-Widerstand.

    Das einzige was auffällt ist, dass selbst bei Lautstärke-Stufe 0 ganz-ganz Leise was zu hören ist.
    Beim Hochgegeln hat Rechts und Links aber den gleichen Pegel.
    Klanglich war jetzt auch kein nennenswerer Unterschied festzustellen. (Boxen untere Preisklasse zum testen)

    Bei der Musik die da drüber wider abgespielt wird sollte es eh keiner merken
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