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Thema: Heimkino FAQ

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    Mitglied Avatar von HoneyBadger
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    Heimkino FAQ

    Heimkino FAQ


    Noch im Bau! Ich bitte um Nachsicht und Geduld!
    Ich könnte Hilfe bei Grafiken gebrauchen. Wer da nach Anleitung von mir schöne Skizzen mit Photoshop oder so erstellen kann und möchte, kann sich gerne per PN bei mir melden. Er/Sie wird natürlich am Ende mit erwähnt.




    1.Vorwort

    Mit diesem FAQ möchte ich einige Fragen klären, die aufkommen können, wenn man sich frisch mit dem Thema HiFi beschäftigen möchte. Ich beschränke mich dabei in erster Linie auf den Bereich des Heim- /Wohnkinos. Reines Musik hören (üblicherweise Stereo) sollte man getrennt betrachten, wenngleich es natürlich viele Schnittmengen gibt. Ich werde auf grundlegende Aspekte eingehen und auch subjektive Empfehlungen geben, wie man sich dem Kauf nähern kann und welche Produkte eine Wahl sein könnten. Es wird mir bei der schier unendlich großen Produktpalette jedoch nicht möglich sein, jeden Hersteller, jeden Typ und jedes Modell zu erwähnen. Auf Quellen werde ich überwiegend verzichten. Ich beziehe mich alleine auf meine Erfahrungswerte. Soll heißen, dass ich natürlich nicht fehlerfrei bin, aber mit gutem Gewissen beraten werde.

    Was befähigt mich dazu? Gute Frage. Beruflich eher nichts. Jedoch beschäftige ich mich seit einigen Jahren mit dem Thema, habe klein angefangen und inzwischen habe ich regelmäßig für Kinoabende die Hütte voll. Da sie alle wiederkommen, scheint das Ergebnis ganz brauchbar zu sein.

    2.Was für Geräte brauche ich für das Kinovergnügen?

    Abgesehen von den verschiedenen Zuspielmedien (Mediaplayer, Playstation, BluRay-Player, etc.), einem Bildgeber (TV oder Beamer und die ganzen Spielereien, mit denen man noch erweitern könnte, auf die ich jetzt nicht weiter eingehen werde.) ist ein Audio/Video-Receiver (AVR) die elementare „Schaltzentrale“ im Heimkino. Der AVR trennt das Signal des Zuspielers in die einzelnen Kanäle auf. Soll heißen, das Bild geht zum TV/Beamer, der Ton zu den einzelnen Boxen. AVR gibt es in unterschiedlichen „Gewichtsklassen“. Man kann bereits für 300,- € ganz brauchbare Geräte erstehen, nach oben sind jedoch (wie bei so ziemlich jedem Hobby) keine Grenzen gesetzt. Neben der einfachen Signalverteilung können diese Geräte natürlich einiges mehr. Angefangen bei einfachen Equalizern über Algorithmen, die das Bild/den Ton aufpolieren, bis hin zu komplexen Einmesssystemen gibt es hier viele Features, die das Erlebnis durchaus bereichern.

    3.Was ist denn ein Einmesssystem und wozu brauche ich das?

    Um dies vernünftig zu verdeutlichen, muss ich etwas ausholen.

    Das menschliche Gehör ist evolutionsbedingt darauf ausgelegt, den Klang im Freien als natürlich zu empfinden. Da wir uns üblicherweise beim Film schauen jedoch nicht draußen im Garten befinden, ist das aus akustischer Sicht ein Problem. Je nachdem, wie unser Hörraum aufgebaut ist (Materialen, die beim Bau verwendet wurden; Maße; Einrichtungsgegenstände; usw.), kann (und wird!) es hier zu großen Abweichungen vom Ideal kommen. Auch wenn wir nur zwei Ohren haben, ist das Gehirn in der Lage, Töne sehr präzise zu orten. Der Schall, der von einer Tonquelle ausgegeben wird, verpufft nicht einfach, wenn er auf einem Objekt auftritt, sondern er wird reflektiert. Je nach Material geschieht dies unterschiedlich stark. Sitzen wir also auf der Couch und schauen einen Film oder hören ein Konzert, erreicht uns der Schall, der von einer Box ausgegeben wird, nicht nur direkt aus Richtung der Box, was man erwarten würde, sondern zusätzlich aus der Richtung der Reflexionsflächen. Diese sind neben der Wand, die sich hinter uns befindet, auch die Seitenwände, der Fußboden und natürlich auch die Decke. Insbesondere die Decke stellt hier ein großes Problem dar, da diese i.d.R. unbehandelt ist.

    Der Schall erreicht uns somit aus vielen verschiedenen Richtungen, obwohl beispielsweise bei Unterhaltung im Freien, die Sprache nur aus einer Richtung (hier von vorne) kommen würde, was der Natur entspricht und daher vom Gehirn erwartet werden würde. Zusätzlich treffen bei solchen Reflexionen die Schalwellen nicht nur aus verschiedenen Richtungen ein, sondern bedingt durch die Ausbreitungsgeschwindigkeit und die verschiedenen Abstände auch noch zeitversetzt. Das hat zum Ergebnis, dass die akustische Ortung verfälscht wird. Ein Einmesssystem kann diese Umstände nicht korrigieren. Jedoch kommt es neben diesen schon ohnehin unglücklichen Effekten zusätzlich zu Entstehungen von Raummoden. Raummoden sind konstruktive oder destruktive Interferenzen. Zum Verständnis: Schall ist eine Welle, wie beispielsweise Licht. Je nachdem zu welchem Zeitpunkt eine Welle auf eine schallreflektierende Oberfläche trifft, kann die Welle so reflektiert werden, dass sie entweder in derselben Phase oder der Phase entgegengesetzt zurückreflektiert wird. (Beim Minimum und Maximum der Amplitude.)

    Gehen wir davon aus, dass dem ersten Tonsignal direkt ein zweites der gleichen Frequenz folgt, so wird das Signal bei einer konstruktiven Interferenz (Mode) verstärkt und bei einer destruktiven Interferenz (Mode) abgeschwächt. Insbesondere im Bassbereich kann man dieses Phänomen stark beobachten und auch im eigenen Wohnzimmer ganz leicht nachvollziehen.

    Wer mag, kann an dieser Stelle mal einen Sinuston von sagen wir 60 Hz über sein Soundsystem (laut) wiedergeben und sich dann durch den Raum bewegen. Man kann dann feststellen, dass der Ton, je nachdem, wo man sich im Raum befindet, lauter und leiser wird. Dieses Verhalten kann so extrem sein, dass an einigen Stellen im Raum kaum etwas zu hören ist, während an anderen die Lautstärke kaum auszuhalten ist. Und das, obwohl man den Lautstärkeregler nicht angefasst hat. Es kommt also zur Entstehung von Basslöchern oder unangenehmen Dröhnen.

    Hier kommt das Einmesssystem ins Spiel. Das Prinzip hierbei ist, dass am Hörplatz ein Mikrofon aufgestellt und das komplette Frequenzband abgespielt wird. Das Einmesssystem sieht für den idealen Frequenzgang eine gerade Linie vor und misst dazu die Abweichungen (Berge und Täler im Frequenzgang) in der Lautstärke. Bei beispielsweise einer Überhöhungen wird dann einfach die Lautstärke bei der betroffenen Frequenz um einen entsprechenden Faktor abgesenkt. Als würde man den Hügel im Frequenzgang einfach „abschneiden“. Wir kommen dem idealen Frequenzgang somit ein Stückchen näher. Bei destruktiven Moden (Tälern) muss die Lautstärke an der entsprechenden Frequenz nach oben korrigiert werden. Das klappt zwar auch, hat jedoch leider negative Sideeffekts. Müssen Frequenzen nach oben korrigiert werden, hat das zur Folge ,dass der Lautsprecher (LS) bei der entsprechenden Frequenz mehr arbeiten muss. Das kann so weit gehen, dass man ein Flattern bei der Resonanzfrequenz im Subwoofer (Sub) wahrnehmen kann oder die Sicke anschlägt.

    Man könnte sich nun fragen, warum man dann überhaupt ein Einmesssystem braucht, wenn doch nur ein Teil der Probleme damit bekämpft werden können und dabei auch noch weitere, negative Effekte entstehen. Die positiven Effekte sind in der Regel deutlich größer, als die negativen. Das Hörerlebnis wird definitiv mit einem Einmesssystem verbessert. Ferner ist ein Einmesssystem nur ein Teil von vielen akustischen Maßnahmen, die man treffen sollte, wenn man sich dem Ideal nähern will. Einen absoluten Wert erreicht man ohnehin nicht. Man kann es also als Puzzleteil eines großen Ganzen sehen. Insbesondere bei weniger enthusiastischen Nutzern bringt einem ein Einmesssystem schon einen großen Mehrwert. Darüber hinaus korrigiert so eine Einmessung auch noch unterschiedliche Abstände der einzelnen Boxen zum Hörplatz durch verzögerte Ausgaben von Tonsignalen. Dadurch kommen Schallsignale dann am Ohr an, wann diese es die Tonquelle auch vorsieht.

    4.Wie kann ich die Akustik denn noch weiter verbessern bzw. was muss ich beachten, damit es überhaupt gut klingt?

    Nun, im Grunde kann man hier bei den einfachen Dingen anfangen, die einen nichts kosten, aber dennoch Einfluss auf die Akustik haben. In erster Linie ist die Aufstellung der Boxen wichtig. Hierbei kommt es jedoch auf die Art (und auch auf die Leistung) des Lautsprechers an. Lautsprecher (LS), die nach dem Dipolprinzip arbeiten, stellt man üblicherweise wandnah auf. Diese nutzen unter anderem Seiten/Rückwände, um den Schall zu verbreiten. Direktstrahler stellt man hingegen mit Abstand (ca. 1 m, gerne auch mehr, wenn das bei einem möglich ist) auf. Bei diesen verzerren Reflexionen direkt hinter dem Lautsprecher eher. Hat man jedoch ein destruktives Modenproblem am Hörplatz (Punkt 3), welches man in den Griff bekommen möchte, empfiehlt es sich bei Direktstrahlern, den Abstand zu unterschreiten. Raumecken begünstigen aus physikalischen Gründen das Entstehen von Moden. Man erzielt also eine Überhöhung bei den gut laufenden Frequenzen und bei den konstruktiven Moden (HÄ!?) und hebt die Täler im Frequenzgang nach oben. Warum macht man das? Wie unter Punkt 3 schon beschrieben, ist es leichter „Berge abzuschneiden“ als Täler nach oben zu korrigieren. Ergo erzielt man eine Verbesserung der Akustik, ohne die Leistung der LS erhöhen zu müssen. Das was zu viel ist, korrigiert das Einmesssystem dann wieder nach unten. Wir nähern uns also wieder ein Stück dem Ideal. Hat man seinen LS-Typ nun gefunden und weiß, wie man diesen grundsätzlich aufstellen sollte, kann man auch schon beginnen. (Siehe Punkt 6)

    Nach der Aufstellung der LS (und des Subs) kann man mit weiteren noch einfachen Mitteln arbeiten. Den Nachhall, also das Echo, kann man reduzieren, indem man einfach alle möglichen Dinge in den Raum stellt/hängt. Jeder Gegenstand im Raum hat einen Einfluss auf die Akustik. Je nach Größe, Volumen, Material und Positionierung ist dieser Einfluss natürlich unterschiedlich stark. Eine Zimmerpflanze hat sehr, sehr wenig Einfluss auf die Akustik. Ein Sofa „leistet“ da schon deutlich mehr. Aber auch hier gilt, dass gewissen Gegestände sich auch negativ auf die Akustik auswirken können. Hat man in seinem Wohnzimmer noch einen Essbereich mit entsprechenden Möbeln (großer Schrank mit viel Porzellan darin), können diese durch tiefe Frequenzen angeregt werden. Die für das Möbelstück individuelle Resonanzfrequenz sorgt also dafür, dass das Möbel und/oder dessen Inhalt selbst anfängt zu schwingen und somit zur Schallquelle wird. Dieses Prinzip kann man sich sogar aktiv zu Nutzen machen. (Stichwort: Helmholtz Resonator) Teppiche, Bilder, Gardinen usw. wirken sich ebenfalls positiv auf den Nachhall aus. Zusätzlich bedämpfen sie gleichzeitig den Hochtonbereich. Generell gilt, je niedriger die zu bedämpfende Frequenz ist, desto größer ist der Aufwand, um die Mode zu beseitigen. Der Hintergrund hierzu lässt sich einfach physikalisch erklären.

    Spoiler: 

    Die Einheit Hertz (Hz) wird auch Schwingungen pro Sekunde genannt.

    f (Hz) = 1 / T (Periode)
    oder
    f (Hz) = c / λ = Wellengeschwindigkeit c (m/s) / Wellenlänge λ (m)

    Die Frequenz, die Wellengeschwindigkeit und die Wellenlänge korrelieren also miteinander. Ferner gilt:

    E(Energie) = h(Plancksches Wirkungsquantum)*c / λ

    Daraus lässt sich (kurz gesagt) ableiten, dass mit steigender Frequenz die Wellenlänge abnimmt und die daraus resultierende Energie steigt. Höhere freie Energien, brauchen folglich einen höheren Aufwand, sie wieder loszuwerden.


    Um diese Energien zu bekämpfen kann man verschiedene Methoden anwenden. Beispielsweise kann man mit Absorbern arbeiten. Hierfür benötigt man Materialien, die die Strömungsgeschwindigkeiten herabsetzen und somit den Schall bremsen. Das geht vorzugsweise mit sehr porösen Materialien, die innerhalb ihrer Struktur für Verwirbelungen sorgen. Hier wird der Schall in Wärme umgewandelt. (Bitte nicht so vorstellen, als würde man hier ein Heizkraftwerk entwickeln. Selbst bei hohen Pegeln reden wir hier von Temperaturerhöhungen, die wir nicht einmal mit der Hand erfühlen könnten.) Geeignete Materialien wären zum Beispiel Steinwolle, welche man eher zum Auskleiden von abgehängten Decken nimmt, Polyurethanschaumstoffe (PUR) (z.B. hier zu bekommen) oder aber die gängigsten Vertreter - Basotect-Schaumstoffe (ein Melaminschaumstoff), welche es beispielsweise hier oder hier gibt.
    Zusätzlich kann man bei Akustikproblemen im Raum mit Diffusoren arbeiten. Diese „verwirbeln“ den Schall. Da die Decke auf Grund der üblichen Nacktheit immer sehr problematisch ist, empfehlen sich eigentlich immer als erste „bauliche“ Maßnahme ein Deckensegel, welche es in allen Formen und Farben gibt. Diese bekämpfen sehr gut den Nachhall und die frühen Reflexionen. Ich persönlich nutze übrigens keine gekaufte Variante. Das hat den Hintergrund, dass das a) ganz schön ins Geld geht (1 qm kosten schnell 250,-€) und b) konnte ich keins finden, dass meinem Anspruch genügte. Ich benötigte 4 qm und wollte darauf noch Lichttechnik (8 m hiervon) installieren. Das lässt sich leider nicht sehr gut mit Fertiglösungen umsetzen.
    Bassfallen (auch Basstraps) genannt, sind dann die nächste Eskalationsstufe. Wie jedoch in dem kleinen physikalischen Exkurs beschrieben (s.o.), müssen diese entsprechend groß sein, um Wirkung zu zeigen und sind somit nur äußerst begrenzt wohnraumtauglich. Eine Variante, die einige wenige Partnerinnen noch akzeptieren könnten, wäre der Lösungsansatz von HOFA. Diese Variante ist jedoch eher klein und daher auch nur im kleinen Rahmen wirkungsvoll. Wenn diese gut wirken sollen, braucht man schon eher solche Kaliber und meist auch mehrere davon. Wem das noch nicht reicht, der kann dann noch einen Helmholtz-Resonator bauen.

    Spoiler: 


    Für die, die vielleicht irgendwann ein Haus bauen wollen und sich einen Raum für ein Kino reservieren wollen, möchte ich noch die Info auf den Weg geben, dass Moden begünstigt werden, wenn der Raum quadratisch ist oder eine Seitenlänge um einen geraden Faktor (2x, 4x, etc…) länger ist, als die Breite beträgt. Gleiches gilt natürlich für die Höhe des Raumes. Hier können sich longitudinale (am stärksten ausgeprägt), tangentiale und diagonale Moden in Anlehnung an die Ordnungen n optimal entwickeln.


    5.Höre ich denn noch etwas, wenn ich alles bedämpfe etc.?

    Ja natürlich! Man versucht ja nur die störenden, also verfälschenden Reflexionen zu eliminieren.
    Zu viele Maßnahmen sind natürlich nicht gut. Wer einen Raum überdämpft, sorgt für ein „totes“ ebenso unangenehmes Klanggefühl. Ein schönes ganzheitliches Gesamtkonzept ist übrigens das LEDE-Prinzip. (Live End Dead End). Hierbei wird im vorderen Teil des Raumes alles totgedämpft, während man im rückwertigen Teil mit Diffusoren arbeitet, um natürliche Streuungen zu erreichen. Würde man sich als Urmensch betrachten, steht man ja auch noch im Wald o.ä. wo Bäume Einfluss auf die Akustik haben.

    6.Wie stelle ich Lautsprecher denn am besten auf?

    Grundsätzlich sollte man versuchen, ein Stereodreieck mit den Fronlautsprechern zu konstruieren. Da man alleine mit diesem Thema eine Menge Zeit verbringen kann, verzichte ich zumindest vorerst auf weitere Details. Wann immer möglich sollte man symmetrisch (links/rechts) arbeiten. Wenn man von absoluter Symmetrie abweichen muss, was quasi immer so ist, so sollten man wenigstens versuchen, dass sich die Abweichung auf die Front- & Rearachse bezieht. Damit meine ich, dass die LS (Front & Rear) auf der rechten Seite nicht an einer Wand stehen sollten, während links die LS (Front & Rear) frei im Raum stehen, weil dort noch ein Essbereich ist. Dieses Problem hatte ich beispielsweise in meinem Wohnzimmer. Nun ist es so, dass meine Couch als Raumteiler fungiert. Die Fronts stehen in den Ecken, die Rears hingegen frei im Raum. Hat man eine akustisch transparente Leinwand (Ja, das gibt es !), kommt der Center mittig hinter die Leinwand. So erreicht man es, dass die Sprache aus der vom Gehirn erwarteten Position kommt. Hat man dieses nicht, sollte man den Center so dicht es eben geht, zur Mitte des Bildes stellen. Direkt unter dem TV ist hierbei gängige Praxis. Einige stellen ihn auch darüber. Das ist dann aber Geschmackssache. Den Subwoofer kann man wiederum frei im Raum positionieren. Warum ist das so? Unter 200 Hz ist das Gehör nicht mehr in der Lage, Schallquellen zu orten. Den Bass hört man zwar, woher dieser kommt, wissen wir allerdings nicht. Insofern könnte das nach Gusto geschehen. Da bei dem Subwoofer jedoch Raumprobleme am deutlichsten auftreten und auch gehört werden, klingt das leider erst einmal leichter als es am Ende ist. Wie unter Punkt 4 bereits beschrieben wurde, begünstigen Eckaufstellungen Moden, was wir uns hier unbedingt zu Nutzen machen sollten. Ein vernünftiges Einmesssystem setze ich an dieser Stelle voraus. Das wird am Ende des Tages die wenigsten Probleme generieren. Die richtige Ecke für die Position des Subs lässt sich, sofern man kein Messequipment sein Eigen nennt, recht zuverlässig über die Krabbelmethode herausfinden. (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. In meinem Fall hat es dazu geführt, dass ich am Hörplatz quasi immer in einem Bassloch gesessen habe, sodass ich die Position des Subs letztlich durch Raumsimulation ermitteln musste und glücklicherweise auch sehr zufriedenstellend konnte.) Bei der Krabbelmethode stellt man den Subwoofer auf seinen späteren Hörplatz und spielt möglichst gleichmäßige, basslastige Musik (Minimal-Techno ginge exemplarisch…). Dann krabbelt man über den Fußboden in die Ecken und horcht, wo es am Lautesten ist. Genau an diese Stelle gehört dann der Sub.

    7.Kann ich denn im ganzen Raum das gleiche Klangerlebnis erreichen?

    Das ist sehr schwer möglich. Um einen Raum soweit perfektionieren zu können, muss man sich allen Tricks der Physik bedienen, über ein ausreichendes Taschengeld verfügen und einen geeigneten Raum von Grund auf darauf konzipieren. Selbst professionelle Kinos bekommen das in der Regel nicht hin. Üblicherweise konstruiert man sich daher lediglich einen Sweet Spot, welcher auch im Heimkinobereich entsprechend an das Stereodreieck angelehnt sein sollte, jedoch müssen hier auch noch die diversen Effektlautsprecher betrachtet werden. Je nach Hardware und Setup fällt dieser unterschiedlich groß aus. Bei mir im Wohnkino beschränkt sich dieser auf meinen Sitzplatz. Daneben ist es natürlich nicht gleich schlecht. Aber eben auch nicht mehr ganz so gut.

    8.Was für Aufstellungskonstellationen gibt es überhaupt?

    Der Begriff „5.1-System“ ist neben Stereo und dicht gefolgt von Mono wohl der bekannteste. Doch was heißt das überhaupt? Grundsätzlich verbirgt sich hierhinter ein einfaches Schema, welches sich innerhalb der letzten Jahre um eine dritte Stelle erweitert hat.

    X.X.X

    Die erste Stelle der Nummerierung gibt die Anzahl der LS auf der Ebene (zumindest mehr oder weniger) des Hörers wieder. Bei 5.X wären das also der Center (1), Front Left (2), Front Right (3), Rear Left (4) und Rear Right (5). Die zweite Stelle steht für die Anzahl der Subwoofer. X.1 wären also ein Subwoofer. Die dritte und jüngere Stelle der Ziffernfolge gibt die Anzahl der Deckenlautsprecher wieder. Bei X.X.4 wären das folglich 4 Deckenlautsprecher. Innerhalb dieses Schemas sind diverse Konstellationen möglich. Es gibt durchaus Enthusiasten, die ein System 11.4.4 aufbauen. Hier gibt es dann aber noch die Besonderheit, dass bei 11.X.X auch etwas in die Höhe gegangen wird. Das benennt man beispielsweise Front Left High für eine weitere Box über dem linken Frontlautsprecher. Wide ist eine Zwischenposition zwischen Front und Rear. Diese nennt sich dann z.B. Right Wide.

    9. Welche Lautsprechertypen gibt es denn?

    Grundsätzlich gibt es verschiedene Grobtypen, die sich auf Grund ihrer Bauart noch weiter klassifizieren lassen. Bezieht man sich "einfach" nur auf ein kleines Heimkinosystem, hat man üblicherweise Standlautsprecher (Fronts), Satellitenlautsprecher (Rears), den zentralen Lautsprecher (Center) und einen Subwoofer (Sub) im Einsatz. Die Standlautsprecher sind hier im Normalfall vollwertige Lautsprecher. Soll bedeuten, dass diese das "ganze" Frequenzspektrum wiedergeben. (Das stimmt jetzt nicht 100%ig) Die Rears sind insb. im unteren Frequenzbereich nicht mehr aktiv. Meist haben diese auch keinen extra Tieftöner mehr und beschränken sich rein auf Mittel- und Hochton. Der Center ist oft baugleich, jedoch häufig anders angeordnet. Hat man beispielsweise ein System mit Bändchenhochtönern, welche ein sehr breites Abstrahlverhalten in der Vertikalen bieten, dafür jedoch in der Horizontalen stark bündeln, muss das Bändchen um 90° gedreht werden. Hintergrund ist, dass man den Center üblicherweise auf die Seite legt. Möchte man weiter in die Tiefe gehen, kann man bei der Klassifizierung direkt bei den Hochtönern weiter machen. Hier gäbe es auszugsweise die oben beschriebenen Bändchen, Kalotten, Hörner, Plasmaflammen usw.. Die Subwoofer kann man zum Beispiel in Direktstrahler oder Downfire einsortieren. Dann gibt es welche mit Bassreflexrohr, geschlossene Subwoofer oder auch welche, die beides durch optionale Stopfen bedienen. Alleine mit diesen einzelnen Themen kann man sich Stunden beschäftigen, daher möchte ich es bei diesen groben Auszügen belassen.

    Studiomonitore bedeuten übrigens nicht gleich, dass diese eine besonders gute Qualität haben, da diese "ja in Tonstudios verwendet werden". Es ist richtig, dass diese hauptsächlich für die Musikproduktion hergestellt werden und daher einen analytischen Frequenzgang (also linear) haben sollten. Allerdings werden auch diese Boxen für jeden Geldbeutel produziert. Das Hauptmerkmal ist erst einmal, dass diese im Nahbereich stark bündeln und sehr punktuell ihr Optimum haben. Das ist einfach damit begründet, dass man beim so genannten Abhören meist am PC oder vor einem Mischpult sitzt und die Boxen recht dicht vor einem stehen. Für dein Heim-/Wohnkinobereich sind diese Lautsprecher eher ungeeignet.


    10. Ich habe 500,-€ Budget und hätte gern ein Sahne-7.1-System. Was soll ich mir kaufen? Bestimmt Bose, oder?

    Diese Art der Herangehensweise ist gerade bei Neulingen der Thematik sehr beliebt. Es spielt eigentlich keine Rolle, ob man zufällig im Freundeskreis auf das Thema kommt oder in irgendeinem Forum darüber liest. Ein verbreiteter Irrglaube ist, dass man mit solchen Startsummen viel erreichen wird. Natürlich sind 500,- € eine Menge Geld. Im HiFi-Bereich sind das (leider) Peanuts. Und das hat nichts damit zu tun, dass man Unsummen ausgeben muss, um gute Lautsprecher zu bekommen. Eigentlich kann man sich das mit Grundschulmathematik selbst durchdenken. Bleiben wir bei dem in der Überschrift gewählten Beispiel.
    Eine grobe Faustformel für die Investition, die man betreiben sollte, ist das man etwa 1/3 des Gesamtbudgets für den AVR verwendet. (LS, SUB & AVR –ohne den restlichen „Kleinkram“ und mögliche Passivmaßnahmen, Punkt 4,.) Der Rest ist für die Boxen. Bei 500,-€ wären somit 333,-€ für sieben LS und einen SUB übrig. Macht knapp 42,-€ pro Box. Das der Sub dabei oft mit mehr als dem durchschnittlichen Preis der restlichen LS zu Buche schlägt, ist da noch nicht einmal berücksichtigt. Damit der Hersteller eine BWL-freundliche Marge erzielt, kalkuliert dieser mit grob 2/3 auf Material- und Herstellungskosten, um ein Produkt kapitalistisch ökonomisch vermarkten zu können. Das bedeutet, dass etwa 14,-€ pro Box aufgewendet werden dürften, um diesem Wunsch nachkommen zu können. Natürlich gibt es Produkte, die dieses Ziel erreichen. Nur was man da an Qualität und folglich Spaß/Genuss erwarten darf, sollte man sich spätestens jetzt vorstellen können.

    Es ist wirklich völlig in Ordnung, sich ein kleines Budget zu setzen, nur wäre dann meine ehrliche Empfehlung, dass man sich auf ein gutes 2.0-Set beschränken sollte. Lieber ein schönes Stereoerlebnis, als ein miserables Surroundgrauen! LS kann man übrigens auch sehr gut gebraucht kaufen. Im HiFi-Gebrauchtmarkt ist es auch durchaus üblich, dass die Verkäufer ein Probehören ermöglichen, um einen einwandfreien Zustand vorzuführen. Insofern kann das durchaus ein Weg sein, sein Budget zumindest theoretisch zu verdoppeln.

    Als nächstes ist im Volksmund „Bose“ ein Name der bekannt ist und daher besonders gut sein muss. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich nicht behaupte, dass Bose ein schlechter Hersteller ist. Was Bose gut kann, ist Active Noise Cancellation (ANC) im Kopfhörerbereich. Nur ist es eben nicht die absolute Messlatte bei Lautsprechern im Vergleich zu allen anderen Herstellern. Insbesondere nicht bei Preis/Leistung. Das glauben leider sehr viele. Wer ein Surroundsystem sein Eigen nennen möchte, das gut (sofern es gefällt) aussieht und kompakt ist, der kann auf Grund der Wohnraumtauglichkeit durchaus zu Bose blicken. (Stichwort: WAF, Punkt 11) Dieser Hersteller steckt jedoch viel Geld in Marketing. Das will auch bezahlt werden. Ferner nutzt Bose gerne „Brüllwürfel“ in seinen Systemen.
    Was man bei diesem Hersteller auch oft beobachten kann, ist, dass hier separierte Hörbereiche verwendet werden. Auch wenn Mediamarkt und Co. keine geeignete Location darstellt, sich im HiFi-Bereich hochwertig beraten zu lassen, kann man diese hierfür gut als Beispiel heranziehen. In der Regel gibt es dort einen Raum/Bereich, indem alle möglichen massentauglichen Hersteller vertreten sind. Nur Bose hat einen eigenen Bereich, der oft auch nicht direkt daneben ist. Das macht den direkten Vergleich unmöglich. Ferner sind in den Bose-Bereichen gerne diverse futuristisch aussehende Elemente verbaut. Das sind passive Elemente (Punkt 4), die die Akustik optimieren. Zusätzlich habe ich es bei Bose noch nicht erlebt, dass man seine eigene Musik oder seinen eigenen Film mitbringen kann, um diesen probezuhören. Es sind immer vorgefertigte Stücke. Die Vorführung ist somit sehr verfälscht, aufpoliert und Schwächen werden kaschiert. Alleine für sich, klingen deren System nicht schlecht. Zumindest besser als der LS des TV. Nur im direkten Vergleich mit anderen Herstellern, die erheblich preiswerter sind, wird hier schnell deutlich, wo sinnvoller investiert werden könnte. Ferner sollte man bedenken, dass wirklich jeder seriöse Hersteller das Mitbringen von bevorzugter/n Musik/Filmen erlaubt, sondern wünscht es sogar. Schließlich muss einem der eigene Geschmack am Ende gefallen. Man kann es letztlich mit dem iPhone vergleichen. Es ist sicherlich ein Produkt, dass besser ist als manch andere. Wer allerdings Ahnung von der Materie hat,….

    Natürlich ist auch das meine subjektive Meinung. Ich empfehle daher generell, verschafft euch grundsätzlich ein eigenes Bild.

    11. Was ist denn der WAF?

    Der Woman Acceptance Factor (WAF) ist ein Faktor, mit dem sich fast alle HiFi-Enthusiasten beschäftigen „dürfen“. Auch wenn es ein Klischee ist, so kann man doch sehr häufig beobachten, dass Männer auf Leistung und Klang stehen, während für Frauen Boxen entweder super chic sein müssen oder vorzugsweise gar nicht erst zu sehen sind. Diesen Punkt sollte man nicht unterschätzen. Die Hersteller beschäftigen sich natürlich ebenso mit diesem Aspekt. ASW beispielsweise bietet bei seinen Lautsprechern eine große Palette an Furnierungen. Da ist so ziemlich für jeden Geschmack etwas dabei.

    12. Welche Hersteller gibt es denn?

    Die Auswahl ist wirklich groß. Für jeden Geschmack und Geldbeutel lässt sich etwas finden. Hier mal ein paar Beispiele, bei denen ihr euch für euer Kinoerlebnis umsehen könnt:




    12. Welches System kann man mir empfehlen?

    Grundsätzlich hängt es, wie zuvor schon beschrieben, stark vom Geldbeutel ab. Je größer das Budget ist, desto mehr kann man natürlich machen. Bei den nachfolgend aufgezeigten Empfehlungen berücksichtige ich im Budget ausschließlich den AVR und die Lautsprecher. Zu bedenken ist hier immer noch, dass man Kabel in der Regel dazu kaufen sollte. Hier empfiehlt es sich Meterware zu nehmen. 2,5 mm² Kupferquerschnitt sind ein gängiges Maß. Dickere Kabel braucht man eigentlich nur bei wirklich leistungsstarken Kabeln. Es müssen auch keine Vodookabel von Oehlbach sein. Hier zahlt man eigentlich nur viel Geld für den Namen. Soetwas ist beispielsweise völlig ausreichend. Ich habe damit ein 40 m² großes Wohnzimmer problemlos mit einem 5.1-System ausgestattet. Ferner werden je nach Bedarf auch noch Anschaffungen wie Kabelkanäle, Bananas, Kabelschläuche, Spikes, etc. fällig.

    12.1: 500,-€

    In dieser Preisklasse würde ich empfehlen, mich auf ein 2.0-System zu beschränken.
    Mögliche Lautsprecher wären zum Beispiel die Jamo S 626, die Quadral Argentum 450 oder wer es etwas kleiner mag, könnte sich die Elac Debut B6 ansehen. Als AVR könnte man den Harman-Kardon AVR 151S nehmen. Grundsätzlich kann man hier aber auch nach Abverkäufen von Vorjahresmodellen Ausschau halten. Ein AVR für 350,-€ des aktuellen Jahrs kann beim Abverkauf im Folgjahres durchaus 100,-€ günstiger zu bekommen sein. Die Ausgabetechnik ist ausgereift genug, dass man hier nicht mehr von Jahr zu Jahr "die Neuerung" erwarten kann. Auf Grund der Tatsache dass große Neuerungen wie z.B. Dolby Atmos oder Auro 3D, größere Investitionen (hier neuer AVR und zusätzliche Lautsprecher) bei den Heimanwendern nachsich ziehen, ziehen solche Neuerungen nur schleppend in die Heimkinos ein. Daher ist auch nicht zu erwarten, dass eine Technologie nach der anderen nachgeschoben wird. Folglich kann man ohne schlechtes Gefühl durchaus bei "älteren" Modellen zugreifen.

    To be continued...
    Geändert von HoneyBadger (24.01.17 um 11:38 Uhr)
    ngb HiFi-FAQ

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