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Thema: Fotografie: Grundlagen für Einsteiger und Kaufberatung

  1. #1

    Fotografie: Grundlagen für Einsteiger und Kaufberatung

    Du willst dir eine neue Kamera zulegen, weißt aber nicht welche? Du willst bessere Fotos machen weißt aber nicht wie? Du bist möglicherweise ein kompletter Fotografie-Neuling und möchtest ein paar Grundlagen erlernen und verinnerlichen?

    Wir haben für dich im Nachfolgenden ein paar solcher grundlegenden Informationen und Tipps zusammengestellt, die du jederzeit nachlesen kannst und dich bestmöglich auf deine Kamera und die Fotografie einstellen.



    Inhaltsverzeichnis:

    1.Kamerasysteme
    1.1 DSLR
    1.2 DSLM/Systemkamera
    1.3 Bridgekamera
    1.4 Kompaktkamera
    1.5 Sonstiges
    1.5.1 Der Sucher
    1.5.2 Die wichtigsten Modi

    2.Basisfunktionen und Informationen
    2.1 ISO
    2.2 Blende
    2.3 Verschluss- /Belichtungszeit
    2.4 Formate (JPEG-, RAW-Aufnahmen)

    3.Objektive
    3.1 Grundlegende Informationen
    3.2 Das Kit-Objektiv
    3.3 Das Teleobjektiv
    3.4 Das Weitwinkelobjektiv
    3.5 Das Festbrennweite
    3.6 Die Makroobjektiv

    4.Objektivfehler
    4.1 Grundlegende Informationen
    4.2 Verzeichnung
    4.3 Vignettierung
    4.4 Chromatische Aberration
    4.5 Streulicht und Blendenreflexe

    5.Filter
    5.1 Grundlegende Informationen
    5.2 Graufilter /Neutraldichte (ND-)Filter
    5.3 Pol- /Polarisationsfilter
    5.4 UV-Filter

    6. Bildsensor
    6.1 Farbige Aufnahmen
    6.1.1 CCD-Sensor
    6.1.2 CMOS-Sensor
    6.2 Sensorgrößen
    6.2.1 Cropfaktor


    7.Kaufberatungs-Leitfaden


    Update-Logbuch:
    12.07.15: Veröffentlichung
    01.12.17: Ergänzungen und Verbesserungen
    02.12.17: Erweiterung um Objektivfehler und Filter
    24.04.18: Erweiterung um Bildsensoren


    Hinweis: Dies ist kein Diskussionsthread. Bei Ergänzungen und Erweiterungsvorschlägen meldet euch bitte bei einem Moderator oder mir per PN. Für weitere Fragen oder Kaufberatungshilfen fahrt ihr am besten mit der Erstellung eines separaten Threads.



    Sobald du soweit bist und Interesse hast, würden wir uns natürlich freuen, wenn du deine Fotos mit uns in der Galerie teilst und vielleicht an den monatlichen Fotowettbewerben aktiv teilnimmst. Natürlich alles ohne Zwang, just4fun.
    Geändert von FrostAgent (24.04.18 um 18:35 Uhr)

  2. #2

    Re: Fotografie: Grundlagen für Einsteiger und Kaufberatung

    1.Kamerasysteme
    1.1 DSLR (digital single-lens reflex; digitale Spiegelreflexkamera)
    1.2 DSLM (digital single-lens mirrorless; Systemkamera)
    1.3 Bridgekamera
    1.4 Kompaktkamera
    1.5 Sonstiges
    1.5.1 Der Sucher
    1.5.2 Die wichtigsten Modi


    1.1 Digitale Spiegelreflexkamera - DSLR (digital single-lens reflex)

    Die digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) ist für viele wohl die erste Systemwahl, für die etwas ambitionierteren Hobby-Fotografen. Die vielen manuellen Einstellungsmöglichkeiten, die RAW-Aufnahmen, die Wechselobjektive und die mannigfaltigen Zubehörartikel und Filter sprechen klar für sich.

    DSLR-Interessenten sollte bewusst sein, dass mittel- bis langfristig weitere Kosten entstehen (können), beispielsweise durch weitere Objektive oder Filter. Darüber hinaus sollte bedacht werden, dass man sich mit seiner Kamera und der Materie zwingend und geduldig auseinandersetzen sollte, um gute und zufriedenstellende Ergebnisse erzielen zu können. Wie auch in vielen anderen Bereichen des Lebens ist in der Fotografie noch kein Meister vom Himmel gefallen und muss zu Beginn natürlich erst einmal das technische Grundverständnis und die Funktionen seiner Kamera kennenlernen und beherrschen.

    Ein weiterer Punkt ist die Nachbearbeitung, die nicht als Hindernis oder Last angesehen werden sollte, da sie in der DSLR-Fotografie quasi unabdingbar ist, wenn man das Hobby etwas intensiver verfolgen möchte. An der Nachbearbeitung führt quasi kaum ein Weg vorbei, insbesondere in der RAW-Fotografie. Auf die RAW-Fotografie gehen wir später noch einmal etwas genauer ein.


    1.2 Sytemkamera - DSLM (digital single-lens mirrorless)

    Mittlerweile ist sie zur wohl größten Konkurrenz der DLSR herangewachsen: Die Systemkamera. Anders als die DSLR kommt sie ohne Spiegel aus, ist dadurch etwas kompakter gebaut, hat aber dennoch ähnlich starke Sensoren verbaut und besitzt die Möglichkeit des Objektivwechsels und der Objektiverweiterung.

    Einen signifikanten Unterschied in der Bildqualität lässt sich nicht immer feststellen, in der Tendenz haben die DSLM mittlerweile die Nase aber vielleicht ein klein wenig vorn. Der Markt der Systemkameras wächst und floriert, belebt das gesamte Geschäft und gewinnt an immer mehr Beliebtheit. Die Systemkameras richten sich sowohl an potenzielle DSLR-Käufer als auch an Fotografen die an Wechselobjektiven interessiert sind und Möglichkeiten über die einer Kompaktkamera hinaus erwünschen.

    Dadurch, dass die Systemkameras noch verhältnismäßig frisch auf dem Markt sind, ist der Markt der Kameras und Objektive noch relativ klein. Dies überträgt sich selbstredend auf den Gebrauchtmarkt. Das muss allerdings kein Punkt gegen eine DSLM sein, denn durch verschiedene Adapter lassen sich an Systemkameras auch Objetive von Spiegelreflexkameras nutzen. Diese bieten sich besonders dann an, wenn man bereits eine Auswahl an Objektiven besitzt oder einen Systemwechsel anstrebt. Beachten sollte man, dass die Adapter selbst bis zu 300€ kosten.


    1.3 Bridgekamera

    Bei der Bridgekamera handelt es sich um eine Kamera ohne Wechselobjektiv, die sich von ihrem äußerlichen Erscheinungsbild stark an der Spiegelreflexkamera orientiert. Dies ist allerdings auch der einzige Schnittpunkt mit der DSLR, zuzüglich des Suchers mit dem einige, aber nicht alle Bridgekameras ausgestattet sind.

    Der Vergleich zwischen Bridgekamera und DSLR hinkt und ist unpassend. Bridgekameras siedeln sich von ihrer Qualität eher in Umgebung von Kompaktkameras an. Sie sind etwas stattlicher gebaut, dadurch weniger kompakt und nicht selten weniger günstig als gleichwertige Geräte aus dem kompakten Segment.

    Eine wirkliche Empfehlung für Bridgekameras kann an dieser Stelle, bei aller Ehrlichkeit, nicht ausgesprochen werden. Für den Gelegenheits- und Urlaubsfotografen macht in neun von zehn Fällen eine Kompaktkamera mehr Sinn und auch einsteigenden Hobby-Fotografen empfiehlt sich eher eine DSLR oder Systemkamera.

    Wenn du dich trotzdem für eine Bridgekamera entscheiden solltest, dann lasse dich nicht blenden von großen Brennweiten und Superzooms. Die Qualität der Bilder wird meist nicht den Erwartungen entsprechen und das Verhältnis zwischen Preis und Leistung sind oft nur befriedigend bis ausreichend.

    1.4 Kompaktkamera

    Die Kompaktkamera ist die heutzutage wohl weitverbreitetste Form der Fotokamera (Smartphones an dieser Stelle einmal außer Acht gelassen). Sie ist klein, passt oft in die Hosen- oder Jackentasche und ist für viele Menschen ein Begleiter im Urlaub und auf Feiern. Eine Kompaktkamera kommt, wie die Bridge, ohne Wechselobjektiv aus und erfüllt ihren Sinn und Zweck meistens ohne Folge-Investitionen. Einmal angeschafft, gibt es nicht mehr viel nachzurüsten.

    Die Funktionen und Bildqualität der Kompaktkameras haben sich in den letzten Jahren deutlich zum Positiven entwickelt. Aufgrund der geringeren Sensorgröße und des festverbauten Objektivs reihen sich die kompakten Kameras dennoch hinter den DSLR und DSLM ein. Allerdings sind dafür Preise und Bauweisen oftmals attraktiver. Darüber hinaus kann man sich auf die Automatikprogramme beschränken, da manuelle Modi recht selten und von geringerer Notwendigkeit sind.

    Möchte man lediglich hübsche Fotos am Strand, auf Geburtstagen oder im Garten machen, kann eine Kompaktkamera vollkommen ausreichen. Sie ist ideal für Fotografen mit einem geringen Budget und eher geringerem Interesse an manuellen Einstellungen und umfangreichen Funktionalitäten oder Nachbearbeitungen.

    1.5 Sonstiges

    1.5.1 Der Sucher

    Ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen DSLR und DSLM ist der Sucher. Sind DSLR in aller Regel mit einem festverbauten optischen Sucher versehen, bieten Systemkameras maximal einen digitalen elektronischen Sucher. Sollte man auf einen Sucher bestehen muss man deshalb beim Kauf genau darauf achten, ob die Kamera einen solchen besitzt oder ob er sich , falls nicht, ggf. nachrüsten ließe. Systemkameras im günstigeren Einsteigerbereich besitzen nicht selten weder einen elektronischen Sucher, noch eine Möglichkeit diesen nachzurüsten. → Aufpassen!

    Der elektronische Sucher entscheidet sich nicht nur im Namen vom optischen (DSLR-)Sucher, sondern auch in seiner Funktionsweise. Ein Blick durch den elektronischen Sucher lässt das gleiche Bild, wie es auf dem Kamera-Display im LiveView ausgegeben wird erspähen. Die Auswirkungen von Blende, ISO, Belichtungszeit und Fokus sind je nach Modell ebenfalls direkt samt Wirkung sichtbar, im Gegensatz zum einfachen optischen Sucher.

    Beim optischen Sucher visierst du mit dem Auge an und siehst 'lediglich' den späteren Ausschnitt. Angaben zu Blende, ISO und sonstigem findest du beim optischen Sucher jedoch auch vor, allerdings sehr viel weniger ausführlich und auf das Nötigste beschränkt.

    1.5.2 Die wichtigsten Modi

    Viele Kameras besitzen eine Reihe an Modi und Teilautomatiken, die wir euch nicht vorenthalten möchten.
    Hinweis: Wir nehmen im Folgenden keine Rücksicht auf die Vollautomatikprogramme, da diese in der Regel keine brauchbaren Fotos auswerfen (Kompaktkameras ausgenommen) und für den interessierten Fotografen von wenig bis keinem Nutzen sind. Wir beschränken uns ausschließlich auf die wirklich sinnvollen und empfehlenswerten Modi.

    Zeitautomatik (AV; A; Aperture Value)

    Bei der Zeitautomatik, wird die Belichtungszeit automatisch über die Kamera bestimmt. Die Lichtempfindlichkeit des Sensors (ISO) und die Blendenöffnung müssen hingegen in Eigenverantwortung manuell festgelegt werden. Die Zeitautomatik berechnet nach dem gewählten ISO-Wert, der präferierten Blende und den vorliegenden Lichtverhältnissen, die notwendige Belichtungszeit für ein optimal belichtetes Bild.

    Blendenautomatik (TV; S; Time Value)

    Das Prinzip ist das Gleiche wie bei der Zeitautomatik. Die Blendenautomatik sorgt für eine automatisch angepasste Blende. Die Belichtungszeit und der ISO-Wert müssen selbst eingestellt werden. Die gewählte Blende richtet sich genau wie bei der Zeitautomatik nach den manuell-gewählten Werten, in diesem Fall ISO und Verschlusszeit und dem einfallenden Licht.


    Manueller Modus (M)

    Im manuellen Modus werden sämtliche Einstellungen selbst getroffen, von ISO, über Blende bis hin zur Verschlusszeit, du stellst also sämtliche Werte eigenhändig ein.
    Für diesen Beitrag bedanken sich zuckerschnute, U.S.C.H.
    Geändert von FrostAgent (07.12.17 um 17:31 Uhr)

  3. #3

    Re: Fotografie: Grundlagen für Einsteiger und Kaufberatung

    2.Basisfunktionen und Informationen
    2.1 ISO
    2.2 Blende
    2.3 Verschluss- /Belichtungszeit
    2.4 Formate (JPEG-, RAW-Aufnahmen)


    2.1 Was ist ISO und welche Auswirkungen hat es auf mein Foto?

    ISO steht für International Organisation for Standardisation und beschreibt in Kameras die allgemeine Lichtempfindlichkeit. In der Regel findet man Werte im Bereich von 100-6400 ISO. Es gibt allerdings auch zahlreiche Kameras mit einem noch breiteren Spektrum.

    Die Einstellung des ISO-Werts hängt unter anderem mit dem verfügbaren Licht bei einer Bildaufnahme zusammen. Fotografierst du in einem gut ausgeleuchteten Raum oder eine Blume im Garten, so wirst du meistens mit ISO 100 sehr gut fahren. Fotografierst du hingegen im Dunkeln oder einen Sonnenauf oder -untergang, kann es sein, dass die Lichtverhältnisse in deiner Umgebung nicht gerade ideal sind und die Lichtempfindlichkeit deines Sensors leicht erhöhen musst. Zum Beispiel auf einen Wert von ISO 400/800. Möchtest du Sterne fotografieren wird der ISO-Wert natürlich noch höher eingestellt, da die Lichtsituation in diesem Fall noch einmal deutlich schlechter ist.

    Übrigens: Folgerichtig beeinflusst der ISO-Wert auch die Belichtungszeit, denn je lichtempfindlicher deine Kamera ist, desto kürzer fällt die Belichtungszeit aus. Genauso lässt sich natürlich die Blendenzahl mit einem veränderten ISO variieren.

    Wo möglich empfiehlt es sich in aller Regel jedoch, den möglichst niedrigsten ISO-Wert auszuwählen, da damit das Bildrauschen und sicherlich bekannte 'Krisseln' im Bild minimiert wird. (siehe Beispielbilder)

    Ausgenommen sind natürlich bewusste Entscheidungen und Situationen die nicht mehr hergeben. Am Ende des Tages ist ein Foto mit einem leichten Rauschen schließlich immer noch besser als gar kein Foto.

    Zusammenfassung:

    → Kleiner ISO-Wert = geringe Lichtempfindlichkeit = viel Licht vorhanden

    → Großer ISO-Wert = hohe Lichtempfindlichkeit = wenig Licht vorhanden


    2.2 Was ist die Blende und wie beeinflusst sie das Bild?

    Die Blende befindet sich im Objektiv und bestimmt den Lichteinfall auf den Sensor. Sie besteht aus einer Vielzahl von Lamellen, die sich je nach Einstellung ineinanderschieben und somit den Lichteinfall erhöhen oder beschränken.

    Bei Objektiven wird anhand der Blendenzahl deshalb oft auf die Lichtstärke geschlossen: Je kleiner die Blendenzahl (z.B. f/1.8) desto lichtstärker das Objektiv. (siehe Objektive)

    Je größer die Blendenzahl ist, desto weniger Licht fällt ein, desto kleiner ist die Öffnung der Blende. Umgekehrt sorgt eine kleinere Blendenzahl für einen stärkeren Lichteinfall, da die Blende weiter geöffnet wird und den Kamerasensor weniger verdeckt bzw. "verblendet". Je ganzer Blendenstufe wird die einfallende Lichtmenge verdoppelt (kleinere Blendenzahl) oder halbiert (größere Blendenzahl).

    Skala üblicher, ganzer Blendenstufen (Lichteinfall fallend mit steigender Blendenzahl:

    1,4 | 2 | 2,8 | 4 | 5,6 | 8 | 11 | 16 | 22 | 32

    Eine Änderung der Blendenzahl kann auch eine Änderung der Belichtungszeit erfordern: Mehr Lichteinfall (z.B. f/2.8) verkürzt die Verschlusszeit und weniger Lichteinfall (z.B. f/22) erhöht sie, da mehr Zeit benötigt wird, um eine je nach Situation ausreichende Menge an Licht absorbieren zu können. Neben der Belichtungszeit kann die Veränderung des einfallenden Lichtes aber auch durch die Sensorempfindlichkeit bzw. ISO hergestellt werden. Da ein hoher ISO-Wert oftmals ein großes Bildrauschen zur Folge hat, schwören viele Fotografen auf lichtstarke Objektive mit möglichst großer Offenblende, um den ISO-Wert gering halten zu können


    Darüber hinaus hat die Blende einen wichtigen Einfluss auf die Tiefenschärfe bzw. Tiefenunschärfe (Schärfentiefe/Schärfenuntiefe). Darauf wie weit etwas scharf ist. Bei kleinen Blendenzahlen ist die Tiefenschärfe meistens relativ kurz, sprich bis auf den Fokuspunkt ist der Hauptteil des Bildes unscharf.

    Anwendungsbeispiel: Portraits und Nahaufnahmen - das Motiv soll sich merklich vom Hintergrund abheben und hervorgehoben werden.

    Umgekehrt ist ein Großteil des Fotos scharf, fotografiert man mit größeren Blendenzahlen und schließt die Blendenöffnung.

    Anwendungsbeispiel: Landschaften und helle Lichtsituationen - das Motiv ist relativ weitläufig und muss sich nicht vom Hintergrund abheben, es soll möglichst viel scharf sein.

    Zusammenfassung:

    → Kleine Blendenzahl = große Blendenöffnung = viel Licht = geringere Tiefenschärfe

    → Große Blendenzahl = kleine Blendenöffnung = wenig Licht = höhere Tiefenschärfe

    Die Blende hilft bei der Freistellung von Motiven und den Übergang vom scharfen fokussierten, in den unscharfen nicht-fokussierten Bereich (Bokeh).


    2.3 Was macht die Verschluss- /Belichtungszeit?

    Bei der Belichtungs- oder auch Verschlusszeit handelt es sich, wie dem Namen bereits zu entnehmen ist, um die Zeitspanne, die deine Kamera nutzt um das spätere Foto zu belichten. Wie wir bereits gelernt haben, sind die Blende und der ISO-Wert voneinander abhängig und variieren und verändern den Einfluss ihres Gegenübers bei Variation der Werte. Die Verschlusszeit reiht sich dort ein und hängt ebenfalls immer ein Stück weit vom ISO-Wert und der Blendenzahl ab. An dieser Stelle konzentrieren wir uns allerdings auf die Einstellung der Belichtung und leiten uns daraus die Veränderungen von Blende und ISO her.

    Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass längere Belichtungszeiten in eher schlechten Lichtsituationen benötigt werden, um der Kamera und vor allem dem Sensor genügend Zeit zu geben um möglichst viel vom verfügbaren Licht aufzunehmen. Kurze Belichtungszeiten kommen hingegen in tendenziell besser belichteten Momenten zum Einsatz.
    Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.

    Im manuellen Modus ist der zusätzliche Blick auf die Kamera immer sehr hilfreich, um feststellen zu können, ob die ausgewählte Zeit den vorliegenden Lichtverhältnissen entspricht oder ob das Bild über- oder unterbelichtet ist.

    Zusammenfassung:

    → Je heller die Umgebung desto kürzer die Belichtungszeit

    → Je dunkler die Umgebung desto länger die Belichtungszeit

    Weitere tendenzielle Abhängigkeiten und Aufgriff bereits gelernten Wissens:

    Blenden-Abhängigkeit

    → Je kleiner die Blendenzahl, desto mehr Licht, desto geringer die Belichtungszeit

    → Je größer die Blendenzahl, desto weniger Licht, desto höher die Belichtungszeit

    ISO-Abhängigkeit

    → Je geringer der ISO-Wert, desto geringer die Lichtempfindlichkeit des Sensors, desto höher die Belichtungszeit

    → Je höher der ISO-Wert, desto höher die Lichtempfindlichkeit des Sensors, desto geringer die Belichtungszeit

    Zusatztipp: Bis zu einer Verschlusszeit von 1/30s lässt sich noch relativ problemlos aus der Hand fotografieren, bei höheren Belichtungszeiten sollte man zu einem Stativ greifen, um das Bild nicht zu verwackeln und einen optimalen Schärfegrad zu erhalten.


    2.4 Worin besteht der Unterschied zwischen JPEG- und RAW-Aufnahmen?

    Gleich vorweg, als Besitzer einer Kompaktkamera kann diese Frage ausgeklammert werden, da sie sich in aller Regel nicht stellen wird. Sie richtet sich vor allem an die DSLR- und DSLM-Fotografen.

    Der größte und prinzipiell einzige Unterschied zwischen JPEG- und RAW-Fotos liegt in der Komprimierung. Das fällt bereits bei der Dateigröße auf. Eine RAW-Aufnahme ist bis zu fünfmal größer, als ein JPEG-Foto. Fotografieren wir in JPEG, komprimiert die Kamera das Foto direkt auf die wichtigsten Informationen und gibt quasi ein „fertiges“ Foto aus. Bei RAW-Aufnahmen werden die Bilder unkomprimiert ausgegeben, vergleichbar mit einem Negativ aus der Analog-Fotografie.

    Der Vorteil der „Roh“-Aufnahme ist, dass deutlich mehr Spielraum bei der Nachbearbeitung vorhanden ist und dadurch noch mehr aus dem Bild herausgeholt werden kann. Komprimiert die Kamera das Foto direkt in JPEG, fehlen mitunter sehr wichtige Informationen, die eine qualitätsverbessernde Nachbearbeitung einschränken und erschweren.

    Grundsätzlich empfiehlt es sich daher immer, im RAW-Format zu fotografieren, da wir schließlich das bestmögliche aus der Kamera und unseren Fotos herausholen möchten. Eine Nachbearbeitung wird dadurch zwar zwingend erforderlich, aber das sollte man sich ohnehin schon bei der Systemwahl bewusst gemacht und berücksichtigt haben.

    Für diesen Beitrag bedanken sich zuckerschnute, U.S.C.H.
    Geändert von FrostAgent (18.04.18 um 18:51 Uhr)

  4. #4

    Re: Fotografie: Grundlagen für Einsteiger und Kaufberatung

    3.Objektive
    3.1 Grundlegende Informationen
    3.2 Das Kit-Objektiv
    3.3 Das Teleobjektiv
    3.4 Das Weitwinkelobjektiv
    3.5 Das Festbrennweite
    3.6 Die Makroobjektiv


    3.1 Grundlegendes, Erklärungen von Abkürzungen, Zahlen etc.

    Das Objektiv ist das vermutlich wichtigste Utensil einer Kamera, völlig unabhängig vom System, da es die Hauptverantwortung dafür trägt, dass der Sensor einer Kamera die entsprechenden Informationen erhält, um ein Foto produzieren zu können.

    In Kompakt- und Bridgekameras befinden sich festverbaute Objektive und bei DSLR und DSLM handelt es sich um Kamerasysteme mit Wechselobjektiven.

    Diese Wechselobjetive lassen sich in verschiedene Kategorien und Spezialisierungen unterteilen. Am geläufigsten und nennenswert sind dabei Kitobjektive, Teleobjektive, Weitwinkelobjektive, Festbrennweiten und Makroobjektive.

    Eine ausführliche Erläuterung der Brennweite würde an dieser Stelle zu weit führen, bei Interesse hilft euch Wikipedia selbstverständlich aus.


    → Wichtige Abkürzungen:


    Objektive beheimaten eine Vielzahl an Kurzbezeichnungen und Zahlen, die anfangs verwirrend sein können. Wir haben eine kleine Übersicht über die wichtigsten Punkte zusammengestellt, die häufig auftauchen und im Wissensschatz eine nachweisbare Daseinsberechtigung besitzen.

    Allgemein:
    18-55mm Kürzeste Brennweite: 18mm; Längste Brennweite: 55mm
    f/3.5-5.6 Kleinste Blendenzahl bei kürzester Brennweite: 3.5; Kleinste Blendenzahl bei längster Brennweite: 5.6
    AF Autofokus
    MF Manueller Fokus
    Canon:
    IS Bildstabilisator (Image Stabilizer)
    EF Objektiv für Vollformat und APS-C Kameras
    EF-S Objektiv ausschließlich für APS-C Kameras
    STM Integrierter Schrittmotor; kontinuierliche Fokussierung während Videoaufnahmen, leise und schnell
    USM Integrierter Ultraschallmotor; schnell und leise, manueller Eingriff trotz Autofokus möglich
    Nikon:
    VR Bildstabilisator (Vibration Reduction)
    IF Innenfokussierung; fährt beim Fokussieren nicht aus
    Sigma:
    DG Objektiv für Vollformat und APS-C Kameras
    DC Objektiv ausschließlich für APS-C Kameras
    HSM Integrierter Ultraschallmotor; schnell und leise, manueller Eingriff trotz Autofokus möglich
    Tamron:
    VC Bildstabilisator (Vibration Control)
    Di Objektiv für Vollformat und APS-C Kameras
    Di-II Objektiv ausschließlich für APS-C Kameras


    3.2 Was ist ein Kit-Objektiv?

    Das Kitobjektiv umfasst keine bestimmten Brennweitenbereiche wie beispielsweise ein Teleobjektiv (große, lange Brennweiten) oder ein Weitwinkelobjektiv (kleine, weitwinklige Brennweiten). Das Kitobjektiv, ist wie der Name schon verlauten lässt ein, Objektiv im Kit, in einem Set.

    Wenn vom Kitobjektiv die Rede ist, spricht man in der Regel vom Objektiv, das als Standardobjektiv beim Neukauf einer Kamera im Preis inbegriffen und mitgeliefert wird. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Objektive mit einem Brennweitenbereich von 18-55mm/16-50mm. Es gibt allerdings auch Kits mit sogenannten Superzoomobjektiven, die Bereiche von 18-105mm anfahren.

    Entgegen vieler „Experten“-Meinungen genügt das Kitobjektiv in aller Regel vollkommen für den Anfang und Einstieg in die Fotografie und kann bei richtigem Gebrauch sehr vorzeigbare Ergebnisse liefern.

    Fazit: Ich benötige ein Kitobjektiv, wenn ich ein Einstiegs- und Allround-Objektiv bevorzuge, mit dem ich relativ flexibel bin und verschiedene Themengebiete abdecken und fotografieren kann.


    3.3 Was ist ein Teleobjektiv?

    Ähnlich wie ein Teleskop, ermöglicht auch ein Teleobjektiv durch seine großen Brennweiten einen weiteren Blick in die Ferne. Je größer die Zahl, desto näher kommt das Objektiv an das Motiv heran. Normale Teleobjektive bewegen sich in einem Bereich von 135-300mm, ab einer Brennweite von 300m spricht man von einem Superteleobjektiv. Zu beachten bei Teleobjektiven ist in jedem Fall die höhere Verwacklungsgefahr im hohen Brennweitenbereich. Der Einsatz eines Stativs bei erhöhten Belichtungszahlen ist daher oftmals zu empfehlen.

    Fazit: Ich benötige ein Teleobjektiv, wenn ich große Entfernungen überbrücken und Motive in der Ferne ablichten möchte. Beispiel: Tier- oder Sportfotografie.


    3.4 Was ist ein Weitwinkelobjektiv?

    Ein Weitwinkelobjektiv zeichnet sich durch seine sehr weiten und demzufolge kleineren Brennweiten aus. Einer besonderen Beliebtheit erfreuen sich Weitwinkelobjektive bei Landschafts- und Architekturfotografen, die möglichst „viel Motiv“ auf ihre Fotos bekommen möchten.

    Fazit: Ich benötige ein Weitwinkelobjektiv, wenn ich möglichst viel auf meine Bilder bekommen möchte ohne dabei die Entfernung zum Motiv exorbitant erhöhen zu müssen. Beispiel: Landschafts- oder Architekturfotografie.


    3.5 Was ist eine Festbrennweite?

    Der Name verrät es uns bereits: Eine Festbrennweite umfasst einen festen Brennweitenbereich und besitzt keine Möglichkeit des Zooms oder Brennweiten-Veränderungen. Festbrennweiten sind die idealen Objektive zum Lernen und Ausbauen seiner fotografischen Fähigkeiten, da man sich voll und ganz auf den Bildausschnitt fokussieren muss und sich dabei nicht von Zoom-Möglichkeiten ablenken lassen kann. Profiteur ist dadurch auch zweifelsohne die Kreativität.
    Feste Brennweiten zeichnen sich vor allem durch ihre gute Lichtstärke und Abbildungsqualität aus, die mitunter deutlich stärker daherkommt als die der Zoomobjektive.

    Fazit: Ich benötige eine Festbrennweite, wenn ich einen besonders hohen Wert auf die Bildqualität und Lichtstärke lege und ich für den vorgesehenen Verwendungszweck keine weiteren Zoommöglichkeiten brauche. Beispiel: Portrait- oder Produktfotografie.


    3.6 Was ist ein Makroobjektiv?

    Das Makroobjektiv ist eine besondere Art der Festbrennweite und findet vor allem Gebrauch, wenn es um Nah- und Makroaufnahmen geht. Hierbei ist zu bedenken, dass man trotz des Makroobjektivs nicht über eine gewisse Entfernung zum Motiv hinausgehen darf, da sonst Details verloren gehen.
    Makroobjektive finden, ähnlich wie gewöhnliche Festbrennweiten auch einen guten Gebrauch in der Portraitfotografie von Menschen, sowohl bei detailreichen als auch ganzheitlichen Aufnahmen.

    Fazit: Ich benötige ein Makroobjektiv, wenn ich möglichst nahe und detaillierte Aufnahmen von meinen Motiven anfertigen möchte und diese bestenfalls sehr detailliert sein sollen. Beispiel: Detailaufnahmen oder Portraitfotografie.
    Für diesen Beitrag bedanken sich zuckerschnute, Cazawhi, U.S.C.H.
    Geändert von FrostAgent (01.12.17 um 19:37 Uhr)

  5. #5

    Re: Fotografie: Grundlagen für Einsteiger und Kaufberatung

    4.Objektivfehler
    4.1 Grundlegende Informationen
    4.2 Verzeichnung
    4.3 Vignettierung
    4.4 Chromatische Aberration
    4.5 Streulicht und Blendenreflexe


    4.1 Grundlegende Informationen

    Verschiedene Objektive bieten nicht nur verschiedene Bildausschnitte, sie sind auch anfälliger für bestimmte nicht immer positive Nebeneffekte, die man als Objektivfehler bezeichnet und nicht mit einem Defekt des Objektivs zusammenhängen müssen.

    Um sich dieser etwaigen Auswirkungen auf unsere Bilder bewusst zu machen, beschäftigen wir uns nachfolgend mit der Verzeichnung, der Vignettierung, der chromatischen Aberration und Blendenreflexen.

    Kleine Faustregel: Je hochwertiger die Verarbeitung und Vergütung eines Objektivs, desto geringer oder weniger auffällig sind in aller Regel gängige Objektivfehler.


    4.2 Verzeichnung

    Einer der bekanntesten und auffälligsten Objektivfehler ist die Verzeichnung. Eine Verzeichnung macht sich dadurch bemerkbar, dass gerade Linien nicht gerade sondern gebogen abgebildet werden. Oft tritt dieser unerwünschte Bildeffekt an den Bildrändern auf. Gerade Linien in der Bildmitte werden sind von dieser Verzeichnung nicht betroffen, jedoch wird das Bild in seiner Gesamtheit verzerrt dargestellt, durch die Veränderung an den Bildrändern.

    Unterschieden wird bei der Verzeichnung zwischen der kissenförmigen und der tonnenförmigen Verzeichnung.

    Verzeichnungen treten meistens bei Zoom-Objektiven mit einer sehr kleinen oder großen Brennweite auf. Weitwinkeleinstellungen begünstigen tonnenförmige Verzeichnungen, wodurch das Bild einen leicht-gewölbten Charakter bekommt.

    Längere Brennweiten und Teleobjektive hingegen neigen eher zur kissenförmigen Verzeichnung, im Gegensatz zur Weitwinkelverzeichnung wirkt das Foto eher nach innen gewölbt.

    Verzeichnungen entstehen bedingt der Konstruktion eines Objektivs, beeinflusst durch die Position der Blende zu den Linsen im Zoomobjektiv. Dadurch dass die Blende in ihrer Position immer fest und statisch bleibt, die Linsen sich bei einer Veränderung der Brennweite allerdings verschieben, kommt es bei der Bildausgabe, je nach Brennweite, zu eine der besagten Verzeichnungen.


    4.3 Vignettierung

    Die Vignettierung dürfte den meisten auch bekannt sein, sie beschreibt die Abschattung in einem Bild zum Rand hin. Sie entsteht dadurch, dass die Blendenöffnung nicht für sämtliche Lichtstrahlen ausreicht die auf das Objektiv treffen. Direkte Lichtstrahlen die frontal auf die Linse treffen sind bevorteilt und blockieren die Strahlen an den Kanten teilweise, weshalb Ecken und Kanten einen Lichtmangel aufweisen und so die Vignettierung erzeugen.

    Abhilfe kann man sich mitunter mit einer Öffnung der Blende beschaffen, da dadurch die Lichtstrahlen über die Kanten mehr Möglichkeiten erhalten auf den Sensor zu treffen und weniger blockiert werden.


    4.4 Chromatische Aberration

    Die chromatische Aberration ist auch unter dem Namen Farblängsfehler bekannt und erzeugt vor allem an Kanten und Bildrändern farbige Säume, bedingt durch die Brechung des Lichts beim Einfall am Linsenrand des Objektivs. Besonders gut erkenntlich werden sie bei einem dunkleren Motiv vor einem helleren Hintergrund.

    Ein Abblenden kann chromatischen Aberrationen vorbeugen, da vor allem das Licht das am Rand des Objektivs eintrifft zur Erzeugung des oftmals unerwünschten Bildeffekts beiträgt.


    4.5 Streulicht und Blendenreflexe

    Streulicht entsteht oft durch starke Lichtquellen die sich außerhalb des Bildausschnitts befinden wie zum Beispiel die Sonne. Bei Streulicht handelt es sich um Lichtstrahlen die sehr stark sind und nicht auf direktem Wege den Weg zum Sensor finden und im Objektiv reflektiert werden.

    Die Folge von Streulicht ist oft eine Verringerung des Kontrasts oder eine partielle Überstrahlung des Bildes.

    Vermeiden lässt sich Streulicht durch die Verwendung einer zum Objektiv passenden Streulicht- bzw. Gegenlichtblende, die die Lichtreflektionen im Objektiv vermindern und verhindern soll. Oftmals reicht während des Fotografierens auch schon ein Schritt nach vorn oder zurück und das Streulicht wird durch ein Hindernis oder einen veränderten Winkel daran gehindert ein Bild zu beeinflussen.

    Für Blendenreflexe oder auch Lensflares gilt eigentlich das Gleiche. Sie lassen sich bei starken Lichtquellen im Bild allerdings nur durch eine Positionsveränderung der Kamera vermeiden oder reduzieren.

    Vorbeugen lassen sich Streulicht und Blendenreflexe mitunter mit einer Veränderung von Blende, Brennweite oder Kameraposition. Eine Aufnahme aus dem Schatten heraus kann nach Möglichkeit auf jeden Fall sehr hilfreich sein.
    Für diesen Beitrag bedanken sich fr0st, zuckerschnute
    Geändert von FrostAgent (02.12.17 um 20:00 Uhr)

  6. #6

    Re: Fotografie: Grundlagen für Einsteiger und Kaufberatung

    5.Filter
    5.1 Grundlegende Informationen
    5.2 Graufilter /Neutraldichte- (ND-)Filter
    5.3 Pol- /Polarisationsfilter
    5.4 UV-Filter

    5.1 Grundlegende Informationen

    Objektiv-Filter gibt es in Form von Folien und Gläsern, die sich direkt an das Objektiv schrauben lassen. Wie der Name vielleicht bereits erahnen lässt, sorgen Filter dafür, dass sich das Licht, dass durch das Objektiv auf den Kamerasensor trifft verändert und auf verschiedene Weisen gefiltert wird.

    Auch wenn ein Filter meistens aus einem reinen Glas besteht, bedeutet er immer eine leichte Verschlechterung der Abbildungsqualität, da das Licht auf dem Weg zum Sensor ein weiteres Hindernis überqueren muss. Bei hochwertigen Filtern ist dieser Qualitätsverlust in aller Regel aber zu vernachlässigen, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass der Einsatz eines Filters für manche Effekte oder Bildwünsche nicht vermeidbar ist.

    Die bekanntesten Filter in der Fotografie sind der ND-/Graufilter, der Polfilter und der UV-Filter, auf die wir jetzt noch einmal genauer zu sprechen kommen. Ferner folgt noch eine Ergänzung zu Infrarot- und Verlaufsfiltern.

    5.2 Graufilter /Neutraldichte (ND-)Filter

    Der Graufilter oder auch ND-Filter ist dafür vorgesehen, das Bild abzudunkeln und hat die explizite Aufgabe den Lichteinfall auf den Kamerasensor durch das Objektiv zu verringern.
    ND-Filter sind farbneutral und beeinflussen das Bild nur in seiner Helligkeit, es gibt sie in verschiedenen Ausführungen, wobei der Unterschied darin in ihrer Intensität der Abdunkelung liegt.
    Je nach Hersteller wird die Licht-Durchlässigkeit in verschiedenen Zahlen angegeben. Als Faustregel lässt sich jedoch festhalten, dass die Lichtdurchlässigkeit mit einer steigenden Zahl immer mehr abnimmt.
    Die gängigste Angabe ist die des Verlängerungsfaktors der Belichtungszeit (8x, 64x, 1000x). Anhand dieses Werts lässt sich feststellen, wie viel Licht auf den Sensor trifft. Je nach Filter erhöht sich die Belichtungszeit dann beispielsweise jeweils um ein achtfaches, ein 64- oder gar 1000-faches.
    Im Zweifel hilft immer nochmal ein Blick auf die sehr umfassende Wikipedia-Tabelle, viele Hersteller legen ihren Filtern allerdings auch eine passende Übersicht bei.

    Wann und wozu benötige ich einen Grau- bzw. ND-Filter?
    Ganz einfach dann, wenn es zu hell ist und du die Blende nicht weiter schließen kannst oder aus gestalterischen Gesichtspunkten nicht weiter schließen möchtest. Typische Einsatzgebiete sind zum Beispiel Langzeitbelichtungen von mehreren Sekunden während des Tages oder anderen Situationen sehr starken Lichteinfalls.

    5.3 Pol- /Polarisationsfilter

    Der Polarisationsfilter oder auch kurz: Pol-Filter kann einfallende Lichtstrahlen zu polarisieren. Am Objektiv festgeschraubt besitzt er weiterhin die Möglichkeit sich nach links und rechts zu drehen, was dazu dient, eine Polarisation zu verstärken oder zu blockieren.

    Im Bild wirkt sich das Ganze dann beispielsweise so aus, dass eine stark reflektierende Motorhaube eines Autos deutlich matter wird und Lichtreflexionen zum Großteil unterdrückt. Gleiches gilt natürlich auch bei Spiegelungen in Fensterscheiben oder Wasser. Eine weitere Wirkung des Polfilters ist, dass das Bild durch seinen Einsatz Farben satter und Kontraste stärker machen kann. Polfilter sind farbneutral und beeinflussen ähnlich wie der ND-Filter nur den Lichteinfall auf den Kamerasensor.

    Wann und wozu benötige ich einen Polfilter?
    Der Einsatzzweck sollte bereits klar sein: In erster Linie setze ich einen Polfilter dann ein, wenn ich Reflexionen und Spiegelungen vermeiden möchte, ganzgleich ob im Wasser oder in Fensterscheiben.

    5.4 UV-Filter

    UV-Filter sollen bzw. waren in der Vergangenheit dafür vorgesehen, das Eindringen von ultravioletten Lichtstrahlen auf den Kamerasensor zu verhindern, dass starke chromatische Aberrationen auftreten und einen Schärfeverlust zur Folge haben.

    Aufgrund des technologischen Fortschritts und der Verarbeitung der meisten Objektive und Kameras ist der UV-Filter in der heutigen Zeit in aller Regel jedoch überflüssig. Er wird in aller Regel mehr zum Objektivschutz, als zur konkreten Blockierung von UV-Strahlen verwendet.

    Wann und wozu benötige ich einen UV-Filter?
    Einen UV-Filter wird im Gebrauch einer modernen Kamera de facto nicht mehr benötigt, da die Verarbeitung von Kamera und Objektiven einen Standard erreicht hat, der die für das menschliche Auge nicht sichtbare Lichtstrahlen bereits blockiert. UV-Filter werden daher häufig eingesetzt um das Glas teurer Objektive besser zu schützen, da sie ansonsten keinerlei Auswirkungen auf das Bild haben.
    Zu beachten ist jedoch, dass wie bereits erwähnt jedes weitere Glas, dass vor Kamerasensor und Objektiv gelegt wird eine Verminderung der Bildqualität zur Folge hat.
    Für diesen Beitrag bedanken sich zuckerschnute, LadyRavenous

  7. #7

    Re: Fotografie: Grundlagen für Einsteiger und Kaufberatung

    6. Bildsensor
    6.1 Farbige Aufnahmen
    6.1.1 CCD-Sensor
    6.1.2 CMOS-Sensor
    6.2 Sensorgrößen
    6.2.1 Cropfaktor


    6. Bildsensor

    Es kommt nicht auf die Größe an, sondern auf die Technik. Ja und nein, wenn es um den Bildsensor geht. Egal ob CCD-Chip, CMOS oder 3-Chip-Technologie, alle Sensoren erfüllen eine Aufgabe, sie wandeln einfallendes Licht in elektrische Signale um, aus den später unser Foto- und Videomaterial entsteht.

    Je länger und mehr Licht einfallen kann, desto besser können die Signal verarbeitet werden, desto mehr Informationen sind gegeben und je mehr Information ein Bild hat, desto besser die Qualität des selbigen. Der Sensorchip ist maßgeblich für die spätere Qualität einer Aufnahme.

    Es gibt verschiedene Größen und Typen von Sensoren, wir möchten uns erst mal mit den wichtigsten und geläufigsten Varianten beschäftigen, wie sie grob funktionieren, wofür sie sich eignen und wo sie verbaut werden.


    6.1 Farbige Aufnahmen

    CCD- und CMOS-Sensoren liefern erst einmal ein farbloses Schwarz-Weiß Bild, bevor wir nun bei den verschiedenen Sensortypen etwas ins Detail gehen erst einmal eine kurze Erklärung zur Farbgebung.

    Eine Methode, dass ein Kamerasensor eine farbige Aufnahme liefert ist die 1-Chip-Technik. Hierbei arbeitet der verbaute CCD- oder CMOS-Sensor mit Filtern, die abwechselnd vor jeden einzelnen Bildpunkt geschoben werden. Die Filter durchlaufen dabei zeilenweise folgende Reihenfolge: Blau - Grün - Rot - Grün [..]. Man muss nun kein Mathematik-Genie sein, um festzustellen, dass Grün häufiger auftaucht als Rot und Blau. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass das menschliche Auge auf Grüntöne deutlich empfindlicher reagiert.

    Nachdem die Filter durchlaufen sind, berechnet die Kameraelektronik die entsprechenden Farben. Wie wir an anderer Stelle bereits gelernt haben: Alles was vor dem Sensor sitzt, beeinflusst die Qualität, so auch die winzigen Farbfilter. Die Auswirkung ist nicht zwingend der Rede wert, hat aber zur Folge, dass die reine Helligkeitsinformation stärker ist als die Farbinformation, da eine farblose Aufnahme folgerichtig auch keine Farbfilter benötigt, die das Licht zu passieren hat.

    Anders ist das bei der 3-Chip-Technik: Hier werden drei zusätzliche Chips verbaut, vor denen jeweils ein Filter für Rot-Grün-Blau liegt. In diesem Szenario muss das Licht nicht drei Filter durchqueren, was eine volle Nutzung der Farbinformationen zur Folge hat. Mit Hilfe eines Prismas wird das Licht auf die drei verschiedenen Sensoren verteilt.


    6.1.1 CCD-Chip (Charge Coupled Device)

    Der CCD-Chip basiert auf miteinander verschaltete Fotozellen, welche die Pixel des späteren Bildes repräsentieren. Das Licht was während der Aufnahme auf sie trifft, wird in elektrische Ladung umgewandelt. Nach der Belichtung werden die einzelnen Punkte seriell ausgelesen, danach elektrisch verstärkt und anschließend in Helligkeitswerte gewandelt, um letztendlich ein Bild zu erhalten.
    CCD-Sensoren sind überwiegend in Broadcast-Kameras und Camcordern verbaut, selten bis gar nicht in System- oder Spiegelreflexkameras. Im Vergleich zu CMOS-Sensoren sind sie allerdings etwas empfindlicher, was im Umkehrschluss für ein besseres Rauschverhalten sorgt.


    6.1.2 CMOS-Sensor (Complementary Metal Oxide Semiconductor)

    Beim CMOS-Sensor werden ebenfalls einfallende Lichtstrahlen in elektrische Signale umgewandelt, im Gegensatz zum CCD-Sensor werden sie hier jedoch unmittelbar durch einen Transistor verstärkt und können daher besser weiterverarbeitet bzw. ausgelesen werden, was sich unter anderem positiv auf die Geschwindigkeit des Autofokus und den Belichtungsmesser auswirkt.

    Ferner besitzen CMOS-Sensoren einen spürbar größeren Dynamikumfang, was der Bildqualität zu Gute kommt, auch sind sie kostengünstiger in der Produktion und effizienter beim Stromverbrauch, weshalb der CMOS auch im Broadcast-Bereich den CCD-Chips immer mehr Konkurrenz macht.


    6.2 Sensorgrößen

    Wie bereits erwähnt, je mehr Fläche für einfallendes Licht geboten werden kann, desto mehr Informationen können verarbeitet werden - Mehr Bildinformationen = bessere Bildqualität. Hier eine kleine Übersicht der geläufigen Sensorgrößen im Foto- und Bewegtbild.


    Für die meisten am relevant sind an dieser Stelle vermutlich die MFT-, APS-C und Kleinbild/Vollformat-Sensoren, da wir es mit genau diesen Typen zu tun haben, wenn wir uns im normalen Consumer-Spektrum bewegen.

    Zum Vergleich: Im TV-Bereich werden häufig 2/3" Sensoren verwendet. Filmkameras wie die ARRI Alexa hingegen arbeiten mit einem Super35-Sensor.
    Entscheidend für die Qualität ist in nicht zu geringem Teil die Sensorgröße, deshalb sind die meisten APS-C Kameras auch günstiger als die Vollformat-Modelle. Größere Sensoren bedeuten auch größere Kosten.


    6.2.1 Cropfaktor

    Es gibt Objektive deren Mount sowohl mit Vollformat- als auch mit APS-C-Kameratypen kompatibel ist. Bei einem direkten Vergleich des selben Objektivs an einer Vollformat- und einer APS-C-Kamera wird aber schnell festzustellen sein: Die Vollformat-Kamera liefert beim gleichen Objektiv einen größeren Bildausschnitt.

    Hier kommt der Crop-Faktor ins Spiel, er ist der Beschneidungsfaktor, der die Unterschiede der verschiedenen Sensorgrößen in einem Verhältnis angibt. Das Verhältnis wird immer zum Vollformat angegeben, sprich 30mm Brennweite an einer Vollformatkamera entsprechen 30mm.

    Drehen wir das selbe Objektiv nun allerdings auf eine APS-C Kamera, multiplizieren wir die Brennweite mit dem Crop-Faktor eines APS-C Sensors. In diesem Fall beträgt der 1,62.

    Cropfaktor 1,62 x Brennweite 30mm = etwa 50mm
    -> Ein 30mm Objektiv an einer APS-C Kamera entspricht in etwa dem 50mm an einer Vollformatkamera.

    Für den normalen Alltag und Hobbyfotografen und -filmer ist das exakte Wissen um Umrechnen des Cropfaktors nicht zwingend erforderlich, es ist aber zu wissen, dass es ihn gibt und im Prinzip nicht mehr als ein Verhältnis angibt.
    Für diesen Beitrag bedanken sich Buschfunk, zuckerschnute, LadyRavenous
    Geändert von FrostAgent (24.04.18 um 18:33 Uhr)

  8. #8

    Re: Fotografie: Grundlagen für Einsteiger und Kaufberatung

    7. Kaufberatungs-Leitfaden

    Du möchtest dir eine neue Kamera zulegen und dich dabei nicht ausschließlich auf die "Profis" im Elektrofachhandel verlassen, sondern weitere und eventuell ausführlichere Beratungen von anderen Fotografen erhalten? Kein Problem, wir helfen dir gerne!

    Um dich bestmöglich unterstützen zu können, stellen wir dir hier einen kleinen Fragebogen bereit, der die Kaufberatung für alle Parteien sehr vereinfacht. Aus diesem Grund bitten wir dich, möglichst viele dieser Fragen in deinem Kaufberatungsthread zu beantworten.


    Kaufberatungs-Fragebogen:

    1. Womit und was hast du bisher fotografiert oder bist du ein kompletter Neuling?
    Was hat dir bisher an deiner Kamera gefallen und was nicht?

    2. Was möchtest du fotografieren?
    Beispiele: Landschaften, Menschen, Tiere, Sport, bei Nacht, auf Partys

    3. Wie viel Geld möchtest du ausgeben? (ohne Zubehör)

    4. Besteht Interesse an austauschbaren Objektiven?

    5. Sollte deine Kamera einen Sucher besitzen, falls ja, elektronisch oder optisch?


    Weiterführende Erklärungen und Informationen kannst du den obigen Beiträgen entnehmen.
    Für diesen Beitrag bedankt sich zuckerschnute

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