[Politik und Gesellschaft] Regensburger Domspatzen: 547 Chorknaben misshandelt

Die Opfer beschrieben es als "Gefängnis, Hölle und Konzentrationslager": Von 1945 bis Anfang der Neunzigerjahre wurden insgesamt 547 Chorknaben der Regensburger Domspatzen misshandelt. Das hat der Anwalt Ulrich Weber in seinem Abschlussbericht festgehalten. Weber wurde von Bistum und Chor mit der Aufklärung der Fälle beauftragt.

Demnach haben 500 Chorknaben körperliche Gewalt erlitten, 67 sexuelle. Vor allem in der Vorschule des Chores waren die Übergriffe massiv. Die Opfer sollen mit 5.000 bis 20.000 Euro pro Person entschädigt werden. 49 Beschuldigte konnten identifiziert werden.

Quellen: ,
 
Bis in die 90iger Jahre?
Zu der Zeit gabs doch das "Gartenschlauch Urteil" aus Karlsruhe, wo ein Vater seine Tochter mit einem Gartenschlauch grün und blau prügelte, das Bundesverfassungsgericht jedoch keinerlei Rechtsverstoß sah. In diesem Geiste handelten wohl die Herren - zum Wohle der Kinder. Natürlich nur wenn es um Schläge geht, alles andere geht ja nun gar nicht.

Wer ein bisschen Sarkasmus findet, der darf das Teil behalten.
 
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Das Bundesverfassungsgericht sitzt zwar auch in Karlsruhe, aber was Du meinst ist der Bundesgerichtshof. Und "kein Rechtsverstoß" ist auch nicht richtig. Es wurde das Urteil beanstandet und der Fall wurde wieder zurückverwiesen.

Was stimmt, ist, daß es das Recht auf gewaltfreie Erziehung erst seit 2000 gibt.
 
Das Bundesverfassungsgericht sitzt zwar auch in Karlsruhe, aber was Du meinst ist der Bundesgerichtshof.
Yep, richtig, war der BGH.

Und "kein Rechtsverstoß" ist auch nicht richtig. Es wurde das Urteil beanstandet und der Fall wurde wieder zurückverwiesen.
Da man den Vorinstanzen das Hauptargument unter dem Hintern weggezogen hat, wird wohl keine Verurteilung mehr zustande gekommen sein.
Hast du zufällig nähere Infos dazu, denn ich konnte vor einiger Zeit nichts mehr dazu finden. Verknackt, oder doch kein Rechtsverstoß?
 
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Was da in der 2. Runde rausgekommen ist, kann ich nicht sagen. Aber nach meinem Verständnis hatte der BGH ja nichts gegen die Strafen wegen Verletzung der Fürsorgepflicht in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung, sondern nur ein Problem mit der Gefährlichen Körperverletzung.

 
Auf die Körperverletzung kam es mir jedoch an, da es bei den Domspatzen ebenfalls um Misshandlungen ging.
Mir ging es um die damalige, auch höchstrichterliche abgesegnete, Gewalt gegen Kinder.
Die Fälle wären ja sowieso schon längst verjährt. Selbst nach heutigen gesetzlichen Regelungen wäre körperliche Gewalt an Kindern nach ein paar Jahren verjährt, es sei den es handelt sich um sexualisierte Gewalt. Hier hat der Gesetzgeber effektive Verjährungsfristen von mehreren Jahrzehnten geschaffen.
 
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  • #7
Belangt werden kann dafür keiner der Täter mehr. Rechtsanwalt Weber: „Sämtliche mir bekannten Taten sind vor den ordentlichen Gerichten verjährt und nicht mehr verfolgbar.“
 
Furchtbar, was da passiert ist und dass die Täter nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden können wegen Verjährung. :(

Die Opfer sollten alle Hilfen bekommen, die möglich sind.
 
Warum die Aufregung?
Das gehörte doch alles bestimmt zum Göttlichen Plan....
 
Und trotzdem bleiben Junge als Opfer wieder einmal (weitestgehend) unsichtbar.
1. Wir beginnen diesmal mit der Post. Einer meiner Leser schreibt mir:
Heute war überall die Meldung über den Abschlussbericht des Missbrauchs Skandale bei den Regensburger Domspatzen zu lesen.
Zuerst las ich es bei der Frankfurter Allgemeinen. Dank Genderama sensibilisiert, war ich verduzt, dass im Artikel ausschließlich von Domspatzen oder geschlechtsneutral den Opfern die Rede ist. Nie von Jungen. Sind nicht 100% der Domspatzen Jungen?

Ich schaue dann weiter. Spiegel Online spricht durchgehend von "Kindern". Süddeutsche und Welt finden viele Begriffe, vermeiden aber das Wort "Jungen".

Zufall? An diesen Punkt habe ich angefangen in den Abschlussbericht und damit der Quelle nachzuschauen.
...
Genderama hat, Menschenrechtlern wie Professor Adam Jones folgend, immer wieder darauf hingewiesen, dass in der Berichterstattung über weibliche Opfer das Geschlecht hervorgehoben wird, aber in der Berichterstattung über männliche Opfer unerwähnt bleibt.

Furchtbar, was da passiert ist und dass die Täter nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden können wegen Verjährung. :(
Können sie unter Umständen durchaus noch. Ich hab die genauen Zahlen jetzt nicht im Kopf, ich meine aber, die Verjährungsfrist beginnt mit Vollendung des 18. Lebensjahres und dann mit einer 20-jährigen Verjährungsfrist.
Zumindest für jüngere Missbrauchsfälle könnte der zeitliche Rahmen noch passen.
Schlimmer finde ich, was der Leser auf Genderama schreibt.

Hierzu ist bereits an dieser Stelle anzumerken, dass die Straftatbestände des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in §176 a StGB erst am 01.04.1998 und die Vergewaltigung (§ 177 StGB) von männlichen Opfern erst am 05.07.1997 ins Strafgesetzbuch aufgenommen wurden.
 
Das, was da ganz offensichtlich steht, man aber nicht begreifen kann, wenn man es nicht begreifen will. Wundert mich bei dir aber nicht so wirklich. :rolleyes:
 
Können sie unter Umständen durchaus noch. Ich hab die genauen Zahlen jetzt nicht im Kopf, ich meine aber, die Verjährungsfrist beginnt mit Vollendung des 18. Lebensjahres und dann mit einer 20-jährigen Verjährungsfrist.
Die Verjährungsfristen zum Tatzeitpunkt gelten. Damals waren die Verjährungsfristen für sexuellen Missbrauch noch nicht erweitert worden.
Nun ist es so, dass erst ab Vollendung des 30 (glaub ich ist die neue Grenze) Lebensjahres bei sexuellen Missbrauch die Verjährungsfristen zu laufen beginnen. Bei körperlicher Misshandlung gilt das jedoch nicht.
Trotz merhfacher Erweiterung bei sexueller Gewalt an Kindern hielt es der Gesetzgeber nie für nötig, bei körperlicher Gewalt nachzubessern. Auch ein Grund, wieso ich Politiker für ... im Anzug halte.

EDIT: Quelle zur neuen Verjährungsfrist
 
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Das, was da ganz offensichtlich steht, man aber nicht begreifen kann, wenn man es nicht begreifen will. Wundert mich bei dir aber nicht so wirklich. :rolleyes:

Du behauptest das Jungen als Opfer unsichtbar bleiben bei einem Titel welcher da lautet 547 ChorKNABEN misshandelt. :unknown:

Daher sehe ich das Problem wirklich nicht.

(Mein letztes Wort dazu, ich finde es schon eklig genug das du das hier her ziehen musstest)
 
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  • #15
@bevoller: Du bist schlimmer als jeder Feminist, überall muss es was mit dem Geschlecht zu tun haben :rolleyes: Kinder wurden missbraucht? Egal, Hauptsache man schreibt das Wort Jungen, damit sich die Penisträger dieser Gesellschaft in dem selben Opfertum wühlen dürfen wie Frauen, Migranten, AfDler, Muslime, Hartzer, Schwule, Veganer, Abgehängte, Trumps, Konservative, Mittelschichtler, Fleischesser, Steuerzahler, Christen und all die vielen anderen echten und vermeintlichen Opfergruppen. Den wenn wir eins brauchen, dann mehr Opfer.

Die SZ und die Welt schreiben im ersten Satz von Chornknaben, bei der Zeit steht Chorknaben in der Überschrift, hier auch. Das Problem existiert nicht. Das wahre Problem ist die jahrzehntelange Misshandlung von Kindern, völlig unabhängig vom Geschlecht.
 
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Diese ganze Gender-Scheiße artet mittlerweile aus, genau wie der Bullshit mit den Feministinnen und den sich ach so unterdrückt fühlenden "Männern"...
 
Dass die Domspatzen durch die Bank ein Spätzchen haben ergibt sich doch schon allein durch den Namen. :rolleyes:
Es wird dem Ernst des Themas nicht gerecht, wenn man hier die lustige Genderschiene fährt. Dafür haben wir hier einen eigenen högschd putzigen Thread.

Die hohe Zahl der Missbrauchsfälle hat mich sehr erschreckt. Die Dunkelziffer dürfte hoch liegen.
Wir reden hier über die winzige Spitze eines riesigen weltumfassenden Eisbergs. Nach wie vor wird systematisch geleugnet, verharmlost, behindert und vertuscht. Auch Müllers Nachfolger als oberster Gralshüter und Wahrer der reinen Glaubenslehre steht schon unter Beschuss.

Die Domspatzen und hier vor allem die kleinen Spätzchen der Vorschule haben die Zeit als "Hölle auf Erden" beschrieben und sich wie in einem KZ gefühlt. Ihnen wurden durch die Dreckspatzen erheblicher Schaden zugefügt. Dass man ihnen jetzt ein paar Euro nachwirft, empfinde ich als zynisch. Dann lieber keine Entschädigung als das.

Müller hat vom Papst bereits vorher seine Quittung in Form einer roten Karte erhalten. Gegen Ratzinger wurden früher wiederholt Prügelvorwürfe erhoben. Der Bericht hat es nach meiner Kenntnis nicht bestätigt. Er soll die Sauerei "lediglich" unter den Teppich gekehrt haben, um die "Institution" zu schützen.

In der Quinta und Sexta waren wir Buben massiven sexuellen Belästigungen eines schwulen Lehrers ausgesetzt. Auch nach der Pensionierung hat er einige von uns mit Briefen und Anrufen verfolgt. Der alte Drecksack hat Deutsch unterrichtet und -ratet mal- Katholische Religion. Hatte die Sache jahrzehntelang sehr erfolgreich verdrängt. Erst als der Skandal um die Odenwaldschule bekannt wurde, ist sie mir wieder in Erinnerung getreten. Dann aber mit voller Breitseite. Seitdem reagiere ich äusserst sensibel auf das Thema.
Vielleicht berichte ich mal im ZwiMe darüber, mal sehen.
 
Mir tun die Opfer Leid. Man kann sie natürlich auch verhöhnen "göttlicher Wille" oder so.

Aber der Mißbrauch hat ja nichts mit dem katholischen Glauben zu tun.
Es beschwert sich ja auch keiner über Lehrpläne, wenn der Täter eine LehrerIn war.



Wenn man jetzt den Fokus auf die Kirche setzt, macht man das Problem aber kleiner als es ist, wenn man es nicht sogar verharmlost. So etwas wie bei den Spatzen ist doch nur die Spitze des Eisberges.
Mißbrauch kommt aber in der ganzen Gesellschaft vor, nicht nur dort, wo es Fremde und Schutzbefohlene gibt. Der meiste Mißbrauch kommt, meine ich, in den Familien vor.

Die Kirche hat ein ernstes Problem mit Mißbrauch, ebenso ein Problem damit, wie sie mit dem Problem, vielmehr aber, wie sie mit den Tätern umgeht.

Aber auch die Gesellschaft hat ein Problem mit Mißbrauch und sollte sich davor hüten, das als Nischenproblem abzutun.
 
@Flip:
Ich halte es für eine Verhöhnung der Opfer, wenn man die Rolle der Institution Kirche runter spielt.
Diese deckt und deckte aktiv diese taten und stellt und stellte sich aktiv einer Strafverfolgung in den Weg.

Ebenso sind diese Taten besonders schlimm, da die Kirche nicht nur ihren Schutzauftrag den Kindern gegenüber verfehlt hat.
Sie hat auch das Vertrauen der Gesellschaft missbraucht und ihre ethische Vormachtstellung ausgenutzt.
 
Ich sehe die Verfehlung der Kirche nicht beim Mißbrauch, der wurde ja nicht von der Institution begangen, sondern bei ihrem Umgang mit diesem. Dieser, da halte ich nicht hinter dem Berg, stellt eine Verhöhnung der Opfer da, wenn es nicht um Aufklärung geht und die Täter geschützt werden.
 
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