Fluchende Eltern oder gar Kinder, die am Morgen vergeblich auf den Schulbus warteten, waren in den Orten rund um die Außenstelle der Grundschule Neuhaus in Tripkau nicht zu sehen. Nur vereinzelt haben hier Schüler in den Klassen wegen des erneuten Warnstreiks der Busfahrer, zu dem die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) aufgerufen hatte, gefehlt, war aus dem Lehrerkollegium zu hören. Die Eltern hätten sich, wie bereits beim ersten Streik, in der Vorwoche gut untereinander organisiert. Ganz anders dagegen das Bild in den höheren Klassen, zumindest in der Theodor-Körner-Schule in Picher. „In der Grundschule und den fünften und sechsten Klassen haben kaum Schüler gefehlt. In den höheren, also ab der siebten, waren allerdings nur drei bis vier Schüler pro Klasse anwesend“, berichtet Schulleiter Michael Tiede auf Nachfrage. „Wir haben den Unterricht deshalb auch nach der vierten Stunde beendet. Das war vergangene Woche auch schon so“. Dennoch habe die wiederholte Arbeitsniederlegung eine weitaus andere Dimension als die vorherige, ist von den Lehrern der Grundschule in Tripkau zu erfahren. „Das Problem ist das Abholen nach der Schule“ sind sie sich hinsichtlich des nun ganztägigen angesetzten Streiks sicher. So hätten viele Kinder Zettel von ihren Eltern mitbekommen, dass sie mit Bekannten oder Verwandten den Heimweg antreten konnten. Weiterlesen: Gewerkschaft legt Nahverkehr lahm Auch die sehr kurzfristige Ankündigung der Arbeitsniederlegung sehen die Lehrer kritisch und geben damit auch Rückmeldungen aus der Elternschaft wieder. Die Gewerkschaft dürfte sich mit diesem Verhalten also keine Freunde gemacht haben. „Ich kann nicht nachvollziehen, warum es diese superkurze Vorankündigung gab. Bei einer längeren Frist hätten sich die Leute darauf einstellen können“ meint Stefan Lösel, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP). „Es gibt deshalb auch viel Unmut. Wir hatten mehrere hundert Anrufe von Leuten, die sauer waren. Der Tenor dabei ist, dass sie den Streik schon in Ordnung finden, aber die Ankündigungsfrist nicht“. Die Kritik möchte die Gewerkschaft dagegen nicht auf sich sitzen lassen. „Wir wollten den Warnstreik eigentlich längerfristig ankündigen. Im Gegenzug wollten wir aber auch eine Absicherung von der Arbeitgeberseite, dass dann keine Streikbrecheraktivitäten geplant werden“ erklärt Christian Manke von der Verdi Landesbezirk Nord, Fachbereich Verkehr. Mit anderen Verbänden sei das möglich gewesen, mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband Mecklenburg-Vorpommern, der die Tarifverhandlungen für die kommunalen Unternehmen führt, allerdings nicht. Das habe nicht nur die erste Warnstreikrunde gezeigt. „Auch diese Mal gab es einige Betriebe, die Streikbrecherprämien ausgelobt oder Rentner angesprochen haben, ob sie Dienste für hohe Sonderzahlungen übernehmen“ so Christian Manke, der den Nutzern des Öffentlichen Personennahverkehrs rät, sich täglich ab 18 Uhr zu informieren, ob die Busse am nächsten Tag fahren. „Bis zu dieser Uhrzeit versuchen wir die Streiks anzukündigen“. Kommenden Dienstag findet die dritte Verhandlungsrunde über den Tarif im öffentlichen Omnibusverkehr in Mecklenburg-Vorpommern statt. Die Gewerkschaft fordert dabei weiterhin eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 2,06 Euro pro Stunde ab dem 1. Januar 2020 sowie zusätzlich einen Angleichungsbetrag von 100 Euro. „Die Forderungen sind ambitioniert, aber sie sind auch deshalb so gefasst, um eine Angleichung an das Vergleichsgebiet Schleswig-Holstein zu schaffen“ meint Hans-Martin Becken, Vorsitzender des VLP-Betriebsrats. Die Gründe für die Streiks hätten sich nach der letzten Verhandlung nicht geändert. Das Angebot der Arbeitgeber, insgesamt rund sechs Prozent mehr Geld in den kommenden drei Jahren, wurde als „substanziell nicht ausreichend“ abgelehnt. „Geld für neue Technik ist merkwürdigerweise immer da. Jetzt muss aber auch mal in Menschen investiert werden“ sagt Hans-Martin Becken. „Wir wissen, dass wir andere mit unseren Aktionen treffen, aber welche anderen Möglichkeiten hat man, um seine Forderungen durchzusetzen?“. Die Streikenden kritisieren möchte Stefan Löses nicht, die Forderungen der Gewerkschaft hält er aber offenbar für übertreiben. „Die Verdi fordert im Schnitt 51 Prozent mehr Stundenlohn. Das überfordert den Landkreis“ so der VLP-Geschäftsführer. Die Folge wäre wohl, dass dann Leistungen, sprich die Anzahl an Fahrten, die zuletzt ausgebaut wurden, gestrichen würden. „Ich hoffe deshalb, dass es am Dienstag einen Abschluss gibt, mit dem die Angestellten zufrieden sind und der Landkreis nicht überfordert wird“.